„Zarah – Wilde Jahre“ – Kampf gegen sexistischen Journalismus

ZDF-Produktion "Zarah - Wilde Jahre" - Feministin kämpft für die Emanzipation der Frau und gegen die patriarchiale Journalistenwelt der 70er Jahre

"Mein Bauch gehört mir" - Zarah Wolf (Claudia Eisinger) setzt sich gegen die Demonstranten durch | © ZDF/Georges Pauly

Stell dir vor, du lebst in den 70ern, willst unabhängig sein, dich verwirklichen und Rechte stärken. Stell dir vor, das alles passiert dir im geteilten Deutschland und du bewirbst dich bei der auflagestärksten Zeitschrift Westdeutschlands. Stell dir vor, dein Leben wird von den Beatles, Led Zeppelin oder Jimmy Hendrix untermalt und die „RELEVANTen“-Literatur stammt von Männern wie Bukowski. Was würdest du tun?

Um das Thema der Emanzipation in den 70ern dem Publikum der heutigen Zeit näher zu bringen, brachte das ZDF die Dramedy-Serie Zarah – Wilde Jahre“ heraus. Diese besteht zur Zeit aus 6 Folgen, die alle jeweils etwa eine Stunde lang und sehr intensiv sind.

Klar, wahrscheinlich verschließt die Männerwelt bei solchen Themen eher die Augen und widmet sich lieber den wahren Themen der Welt wie Autos, Abgaskrise und dem Playboy. Letzteres führe ich mir auch mal zu Gemüte. Leider war das Interesse der Deutschen an der Thematik tatsächlich gering. So wurde die Serie schnell auf den eher unwürdigen Sendeplatz 00.20 Uhr gesetzt. Für mich jedoch kein Grund, sie mir nicht anzuschauen. Denn ich war von der ersten Minute unglaublich begeistert! Aufmerksam bin ich übrigens durch permanente Werbung auf ZDF geworden. Diese hat aber leider nur gering gefruchtet. Mich haben sie auf jeden Fall bekommen. Sonst würde ich euch diese Serie ja nicht ans Herz legen wollen.

Worum geht’s?

Zarah Wolf, eine weltweit bekannte Journalistin und Feministin kommt zurück nach Hamburg. Sie beginnt dort in der Redaktion von Relevant als stellvertretende Redaktionsleiterin zu arbeiten. Klar, dass die Redaktion Kopf steht, als dies zur Sprache kommt. Es knallt, es rumpelt, aber es blüht, wenn auch nicht ganz freiwillig, eine neue Generation des Journalismus auf. Nämlich die Blüten des Feminismus in der Journalismusbranche.

„Wenn Sie mich noch einmal Hausfrau nennen, schneid‘ ich Ihnen die Eier ab“

Zarah hat zu kämpfen und sich durchzubeißen, um der Männerwelt zu beweisen, dass man nicht immer „Titten“ im Titelblatt haben muss. Und das macht sie auf sehr radikale Art und Weise. Auch eine Liebesgeschichte entsteht – und wie soll es auch anders sein, mit der Tochter des Chefs. Jenny Olsen und Zarah Wolf. Jedoch alles geheim, was der Serie auch den nötigen Kribbeleffekt gibt. Aber seht selbst!

Zum Cast!

Wunderbar und nicht besser besetzt ist Zarah mit Claudia Eisinger, bekannt aus der Verfilmung Sarah Kuttners Roman „Mängelexemplar“. So wunderbar forsch und zugleich sensibel habe ich selten eine Schauspielerin gesehen. Ihre Facetten reichen von kühl bis hin zur schmelzenden Butter.

Niedlich und liebenswert spielt Svenja Jung die Geliebte Jenny Olsen. Anfangs naiv und ungezähmt, nimmt sie im Laufe der Staffel die Zügel in die Hand und schafft es, die doch anfangs noch sehr kühl wirkende Zarah, zu zähmen.

Um nicht nur über die Frauen zu sprechen… hier beweist der Leiter der Redaktion, Kerchow, gespielt von Torben Liebrecht, nicht nur, dass man auch als Mann einer Frau nachgeben kann, sondern auch, dass ein Mann weinen kann – und muss!


Resümee

Im Großen und Ganzen hat Richard Huber eine Serie geschaffen, welches DAS Thema der 70er, gerade in der Frauenwelt, nicht besser ausdrücken kann! Untermalt mit der aktuellen Musik dieser Zeit, lässt sie einen direkt in die 70er Jahre fliegen und auch danach noch eine Weile darin schwelgen.

Ein kleiner Tipp meinerseits, falls ihr die Staffel schauen wollt. Noch bis zum 24. November 2017 ist Teil 1 Serie in der ZDF-Mediathek abrufbar. Die anderen Teile verschwinden dann nach und nach ebenfalls aus der Mediathek. Denn im TV wurden bereits alle Folgen ausgestrahlt. Ich hoffe inständig auf eine Verlängerung um eine 2. Staffel. Mal sehen, ob die feministische Göttin mich erhört?!

Natürlich gibt es „Zarah – Wilde Jahre“ auch auf DVD:

Um diese Serie richtig zu genießen rate ich euch, stellt auch ein paar Bier oder Drinks bereit und falls ihr raucht, jede Mengen Zigaretten. Denn rauchen ist leider sehr ansteckend durch diese Serie.

Hier könnt ihr euch die Serie in der ZDF-Mediathek anschauen und hier findet ihr sogar reine Hörfassungen!

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kati ruhl
geboren bin ich im weniger beschaulichen magdeburg. sehr schnell zog es mich aber in die stadt der dichter und denker nach weimar. mit dem schreiben beschäftige ich mich seit ich das erste mal meine buchstaben richtig aneinander reihen konnte. in meiner freizeit schreibe ich essays, kurzgeschichten, gedichte und theaterstücke. ich bin ausgebildete ergotherapeutin, widme mich aber gerade intensiv dem schreiben und meinem wohl.

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