Vicky Beeching: Coming-out bei den Evangelikalen

Wenn ein Satz die Karriere kostet…

© Blaow Photography, 2014

Sie ist Sängerin und ihre Fans sind evangelikale Christen in den USA sowie Großbritannien. Ihre Lieder handeln von Gott und Tugendhaftigkeit, sie wird bejubelt und als Popstar gefeiert. Doch es gibt einen Haken an der Sache – Vicky Beeching ist lesbisch.

Es dauerte ganze 22 Jahre bis Vicky Beeching (35) diesen Satz aussprach: „Ich bin lesbisch.“ Den Rattenschwanz dieses längst überfälligen Outings erfährt sie nun am eigenen Leib. Ihre Karriere als gefeierter Star der evangelikalen Christen ist nun vorüber, denn Homosexualität ist für Evangelikale Sünde, Teufelswerk und auf keinen Fall tollerierbar. Wo sie sonst über Sünde singt, scheint sie für ihre Fans jetzt selber eine Sünderin zu sein.

In einem Interview mit der britischen Independent öffnet sich Beeching und erzählt, dass sie schon mit 12 Jahren wusste, dass sie sich von Frauen angezogen fühlt, mit 13 hatte sie ihren ersten Zusammenbruch, der Zwiespalt Kirche und Gefühle war schon jetzt unerträglich. „Es war ein schreckliches Gefühl, ich habe mich so dafür geschämt.“ Zudem war es ihr unmöglich, sich einer anderen Person anzuvertrauen, denn ihr gesamtes Umfeld war Anhänger dieser Kirchengemeinde, engagierte Evangelikale ohne Verständnis für Homosexualität.

Im System gefangen und nicht mehr in der Lage, mit dieser Situation umzugehen, meldete sie sich im Alter von 16 Jahren zu einer Teufelsaustreibung an und bat vor 4.000 Leuten darum, dass man sie von ihren homosexuellen Gefühlen heilen sollte. Eine entwürdigende Prozedur war die Folge.

Im Alter von 23 Jahren zog sie nach Nashville, nahm einige Alben auf und tourte durch die großen Kirchen des konservativen Mittelwestens.

Parallel gab es immer wieder vergebliche Versuche, heterosexuelle Beziehungen aufzubauen, bis sie schließlich schwer krank wurde, die ständige Selbstverleumdung war einfach zu viel. „Es ist herzzerreißend, ausgerechnet die Lehre der Kirche ist daran schuld, dass ich so viele Jahre in Schmerz und Isolation gelebt habe.“

Mit ihrem Outing möchte sie nun „Teil eines Veränderungsprozesses sein“ und ist davon überzeugt: „Gott liebt mich so, wie ich bin!


Wir wünschen Vicky nur das Beste und hoffen, dass sie in Zukunft womöglich auch eine andere Fanbase für sich gewinnen kann. Auf alle Fälle ist ihr Schritt, sich zu outen, sehr mutig und bewundernswert!

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