Happy End für die Frauenheldin? “Verrückt nach Cécile” in der Queerfilmnacht

SzeneLesbe Autorin Emily hat sich den Film "Verrückt nach Cécile" in der Queerfilmnacht angesehen...

© Emily Jay

“Verrückt nach Cécile” in der Queerfilmnacht…

Gestern hatte ich einen furchtbaren Tag. Ich musste ein wichtiges Projekt bei meinem Chef vorstellen und da ich nur unter Druck gut arbeite (oder vielleicht rede ich mir das auch ein, weil ich eine Meisterin des Prokrastinierens bin) und deshalb die halbe Nacht durchgearbeitet hatte, waren am Anfang des Tages nur vier Stunden Schlaf auf meinem Konto verbucht. Auf der Arbeit ereilten mich dann haarsträubende Neuigkeiten aus meiner Münchner WG, auf die ich hier nicht weiter eingehen will. Jedenfalls war ich am Ende so durcheinander, dass ich Hals über Kopf aus der Arbeit geflohen bin, weil ich dachte, ich würde einen wichtigen Termin verpassen. Nur um dann festzustellen, dass der Termin erst eine Stunde später war als gedacht. Kaum in der U-Bahn angekommen kam zu allem Überfluss die Nachricht einer Freundin, dass sie in Schwierigkeiten stecke.

Mir war nur noch nach Heulen zumute. Alles war irgendwie aus dem Ruder gelaufen und es war so ein Tag, an dem man am liebsten einfach die Decke über den Kopf ziehen und sich tot stellen würde.
Das kam aber nicht in Frage, denn ich hatte mich noch mit einer Freundin zur Queerfilmnacht verabredet. Hier wird jeden Monat in verschiedenen deutschen Städten ein ausgewählter queerer Film gezeigt. Ob auch in eurer Stadt oder in eurer Nähe eine Queerfilmnacht stattfindet, könnt ihr immer auf der Seite www.queerfilmnacht.de nachschauen.
Zum gemeinsamen Abendessen davor war ich zu meiner Schande eine halbe Stunde zu spät. Damit muss man leider rechnen, wenn man sich mit mir trifft. Ich begründe das gerne mit meinem unverbesserlichen Optimismus: Ich schätze einfach die Zeit, die mir zur Verfügung steht, zu optimistisch ein!

Nachdem ich mich beim Essen so richtig über das Leben im Allgemeinen und im Speziellen auskotzen durfte, freute ich mich auch schon auf den Film: „Verrückt nach Cécile“ hieß er.

© Emily Jay

Von der Beschreibung her klang er ungefähr so ähnlich wie jeder zweite Liebesfilm, der in unserer heutigen Zeit produziert wird: FrauenheldIn trifft plötzlich die wahre Liebe, die ihr aber erstmal die kalte Schulter zeigt. Eine sowohl in hetero- als auch lesbo-Filmen beliebte Story, die anscheinend unser modernes Bild von Romantik prägt. Nun ließe sich natürlich darüber diskutieren, ob wir alle auf Arschlöcher stehen, weil uns diese Filme suggerieren, dass jede von uns die Auserwählte sein könnte, die das Arschloch in einen Engel verwandelt. Aber hier soll es ja um den Film gehen. Meine Begleitung freute sich jedenfalls schon: „Ich liebe französische Filme!“, sagte sie und so machten wir uns auf den Weg in das schnuckelige Arena Kino mitten im Szeneviertel Glockenbach in München.

Zur Queerfilmnacht kam ein bunt gemischtes, internationales Publikum und trotz des lesbischen Films waren es nicht nur Frauen. Der Kinosaal war klein und gemütlich, daher fühlte ich mich direkt wohl.

Zum Film muss ich sagen: Er hat mich positiv überrascht. Die französische Leichtigkeit und teilweise völlig übertriebene Darstellung gepaart mit einer ordentlichen Portion Fremdschämen waren genau das, was ich an diesem Abend brauchte. Wir zwei haben uns definitiv köstlich amüsiert und mussten oft lauthals loslachen. Dabei hat es uns kein bisschen gestört, dass der Film originalvertont auf Französisch mit Untertiteln war. Die Franzosen hinter uns haben zwar ein paar mehr Witze verstanden, aber das machte gar nichts. Die Hauptdarstellerinnen des Films waren super sympathisch und wir haben von Anfang bis Ende mitgefiebert, ob aus Océanerosemarie und Cécile am Ende etwas wird oder nicht. Alles in allem kann ich den Film nur empfehlen und komme auch gerne wieder zur Queerfilmnacht ins Arena Kino.

Offizielle Filmbeschreibung “Verrückt nach Cécile”

Als ihre Freundin mit ihr Schluss macht, ist Océanerosemarie nur einen Moment lang am Boden zerstört. Schließlich hat die quirlige und Party-erprobte Osteopathin eine durchgeknallte Familie und ungefähr 76 Ex-Freundinnen, die sie auf Trab halten. Doch dann lernt sie beim Joggen die bildhübsche Cécile kennen – und verliebt sich sofort Hals über Kopf. Diesmal soll alles anders werden, Cécile ist nämlich nicht nur eine Bettgeschichte, sondern wirklich “die Eine”! Océanerosemarie zieht alle Register. Aber Cécile aus der Reserve zu locken ist gar nicht so einfach, denn die Fotografin ist so ziemlich das Gegenteil von ihr: schüchtern, ein wenig ängstlich und am liebsten Zuhause. Um Céciles Herz zu gewinnen, muss sich Océanerosemarie einiges einfallen lassen – und sich fragen, was sie im Leben und einer Beziehung wirklich möchte.


Queerfilmnacht

Die Queerfilmnacht findet jeden Monat statt. Hier wird ein ausgewählter queerer Film in verschiedenen deutschen Städten im Kino gezeigt.

Infos zur Queerfilmnacht, die Kinos sowie Vorschau und Rückschau findet ihr unter: www.queerfilmnacht.de

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