Ü40: Plötzlich lesbisch (2)

Ü40-Kolumne - seit 10 Jahren verpartnert, 4 Kinder und ein Hund!

Hallo Mädels! Erstmal ein dickes SORRY, dass ich erst jetzt wieder zum Schreiben komme. Aber mit vier Mädels, einem Hund, einem Enkel und seit dem 26. Juni 2016 ein Patenkind, bei deren Geburt ich live dabei war, dann noch der Feier unseres zehnten Hochzeitstages am 30. Juni und einer anschließenden kleinen Reise,… Kurz gesagt: Jetzt geht’s weiter! Heute möchte ich euch erzählen, wie wir uns kennen und lieben lernten.

Ich besuchte vor 10,5 Jahren regelmäßig ein Mütterkaffee für Alleinerziehende. So auch am 8. September 2005. Meine Mädchen waren zu dem Zeitpunkt 4 und 9 Jahre alt. An einem dieser Treffen sahen wir uns zum ersten Mal. Was soll ich sagen, wenn wir damals unserem ersten Gefühl vertraut hätten, wären wir niemals zusammen gekommen. Meine Frau entsprach so gar nicht meinem “Beuteschema” und sie wusste bis dato nicht einmal, dass auch sie lesbisch ist.

Aber unseren Töchtern sei Dank sahen wir uns in den nächsten Wochen recht oft, die Kinder wollten miteinander spielen. Ich musste zu dieser Zeit einen Todesfall verarbeiten und merkte recht bald, dass ich diese “fremde Frau” sehr gerne um mich hatte. Ihre Nähe tat mir sogar so gut, dass wir bald beinah täglich zusammen waren, was unsere Kids natürlich überhaupt nicht störte.

Wegen des Todesfalls fuhr ich Mitte November 2005 mit meinen Mädchen in eine Mutter-Kind-Kur mit dem Schwerpunkt “Trauerbewältigung”. Schon in den Tagen vor meiner Abreise benahm sich mein Frauchen irgendwie seltsam. Sie verließ den Raum wenn Schmusesongs liefen und wich mir auf meine Nachfragen, was denn los sei, immer aus. “Ich habe ein Problem…”, bekam ich nur zu hören. Mehr war nicht aus ihr heraus zu bekommen.

So fuhr ich dann also in die Kur. Wir telefonierten jeden Tag und ich vermisste sie sehr. An einem Abend ging unser Telefonat dann tatsächlich Richtung ihres Problems. Sie druckste herum und schien mir irgendwie verzweifelt. Als ich wieder und wieder nachfragte, legte sie plötzlich auf. Aber nicht mit mir! Es folgten beinah 60 SMS – hin und her – bis ich die Nase voll hatte und ein letzte SMS mit zwei Wörtern schrieb: “SAG ES !!!!!!”

Nach einer Weile bekam ich dann tatsächlich Antwort. Sie lautete wie folgt: “Ich glaube, dass meine Gefühle für dich mehr als Freundschaft sind. So nun weißt du es.”

Puh, dachte ich und was ist daran nun ein Problem…? Ich rief sie an und sagte: “Hey, ist kein Problem. Bald komme ich wieder und dann reden wir in aller Ruhe darüber.”

Der erste Kuss

mouth-650612_1920Am 5. Dezember war ich dann wieder zu Hause. Unser erstes Treffen nach dieser “Beichte” fand im Mütterkaffee zum Nikolaustag statt. Wir benahmen uns wie Teenager und setzten uns nicht wie sonst unbefangen nebeneinander, sondern so weit auseinander wie es nur irgendwie ging. Ein paar Tage später, es war der 10. Dezember 2005, trafen wir uns dann wieder bei mir. Unsere Mädchen wollten miteinander spielen. Währenddessen tranken wir einen Kaffee und sahen uns an – nur diesmal nicht mehr wie Freundinnen, die Blicke waren intensiver. Dann stand sie auf, kam zu mir rüber, sah mir tief in die Augen und sagte: “Wenn ich dich jetzt küsse, haust du mich dann?” Darauf antwortete ich: “Keine Ahnung, ist dein Risiko.” Zum Glück ging sie dieses Risiko ein. Seit diesem Tag sind wir zusammen – bis heute.

Nicht immer einfach

Wir haben in den ganzen Jahren sehr viele Kämpfe bestreiten müssen, denn dort wo wir leben ist Lesbischsein leider immer noch alles andere als normal. Am meisten mussten unsere Kinder darunter leiden. Sie wurden alle, obwohl sie auf unterschiedliche Schulen gingen, gemobbt und ausgegrenzt. Am schlimmsten traf es meine Jüngste, sie litt mehr darunter als mir anfangs bewusst war. Leider haben wir aufgrund unserer Liebe auch den Kontakt zu unseren Eltern und Geschwistern abbrechen müssen. Sie wollten einfach nicht damit aufhören, uns “heilen” zu wollen.

Es war sehr schwer für uns das alles auszuhalten aber unsere Liebe hat alldem standgehalten! Jetzt haben wir unseren Frieden gefunden wir haben vier wundervolle Töchter von denen drei schon volljährig sind und die älteste uns sogar bereits zu Omas gemacht hat.

Wie wir jetzt leben und welche Steine wir alle aus dem Weg räumen mussten, all das erzähle ich beim nächsten Mal und werde mein bestes tun, dass es diesmal nicht wieder sooo lange dauert. Bis dahin Mädels und – lasst euch nicht ärgern, vertraut eurem Gefühl und tut das, was ihr für richtig haltet!


Teil 1 könnt ihr hier lesen!

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT