Ü40: Plötzlich lesbisch (1)

Ü40-Kolumne - seit 10 Jahren verpartnert, 4 Kinder und ein Hund!

Hallo zusammen, zunächst stelle ich mich und mein turbulentes Leben mit fünf Frauen und einem Hund kurz vor. Ich heiße Sunny, bin Ü40, zum zweiten Mal verheiratet und habe nun vier Töchter, meine beiden leiblichen Mädels aus der ersten Hetero-Ehe sowie zwei weitere gemeinsame Mädchen aus der Ehe, oder wie es amtlich Lebenspartnerschaft genannt wird, mit meiner großen Liebe Bea.

Wer jetzt denkt “Wow, so viele Mädels, da gibt es sicher keine Langeweile!”, der liegt absolut richtig. In meiner persönlichen Kolumne möchte ich Euch von einigen Erfahrungen, die wir im Laufe der Zeit gesammelt haben, berichten.

Wir sind jetzt seid bereits 10 Jahren verheiratet und haben uns schon nach einem halben Jahr Beziehung getraut. Beide waren wir vorher mit Männern zusammen, das einzig Gute, was wir aus dieser Zeit mitgenommen haben, sind unsere Mädels.

Aber ich möchte von ganz vorn anfangen. Wie habe ich gemerkt, dass ich lesbisch geworden bin oder war ich es vielleicht schon immer? Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass man nicht plötzlich über Nacht lesbisch wird oder das man sich zur Lesbe “entwickelt”. Leider wird auch heutzutage “Lesbischsein” immer noch sehr häufig in der Gesellschaft als unnormal oder krank stigmatisiert. Aufgrund dessen glaube ich, dass viele diese Gefühle unterdrücken und versuchen in Hetero-Beziehungen glücklich zu werden.

Erste Erfahrungen mit einer Frau

hearts-color-pink-1192538_1280Auch ich habe diese Phase durchlebt. Als ich das erste Mal etwas mit einer Frau hatte, befand ich mich gerade in meiner ersten Ehe mit meinem jetzigen Exmann, die allerdings alles andere als schön war. Ich war bereits Mutter von meinen beiden Töchtern, die zu diesem Zeitpunkt 4 Jahre und 3 Monate alt waren. Meine damalige Nachbarin lud mich ein, mit ihr einmal raus zu gehen um ein bisschen abzuschalten – dieses Angebot nahm ich gerne an.

Als wir nach einem super schönen Abend etwas angetrunken nach Hause kamen, traute ich mich in diesem Zustand irgendwie nicht zu meinem Mann ins Bett zu gehen und ehrlich gesagt, wollte ich auch lieber mit meiner Nachbarin zusammen einschlafen. Sie sagte “Kein Problem!” und so schliefen wir in ihrem Doppelbett brav nebeneinander ein. Keine von uns hatte vorher bewusst an Liebe zu einer Frau gedacht, noch Erfahrung in dieser Richtung gemacht. In dieser besonderen Nacht wurden wir öfter wach, im Schlaf hatten wir uns zudem tatsächlich aneinander gekuschelt.  Als wir dies bemerkten, wichen wir erschrocken wieder voneinander weg. Beim dritten Mal blieben wir einfach so liegen und genossen den Duft der Haut der anderen. Irgendwie überkam mich der unstillbare Drang, sie zu küssen. Ich tat es – und sie lies es zu. Meine Hände gehorchten mir ab diesem Moment nicht mehr und ich begann langsam, ihren Körper zu erkunden. Eine ganze Weile genoss sie es. Doch dann gewann der Verstand wieder die Obermacht und wir ließen beide, völlig verstört aber selig, voneinander ab.

Was war denn das nun um Himmels Willen gewesen…? Wir redeten lange darüber und kamen zu der Überzeugung, es musste der Alkohol und die Neugierde gewesen sein und dass das Geschehene eine einmalige Situation gewesen sei. In den Tagen danach war zwischen uns wieder alles so, als wäre zwischen uns nie etwas passiert. Mich aber beschäftigte es innerlich und warf mich total aus der Spur.

Bin ich etwa lesbisch?

Ich musste etwas tun. Ich musste wieder “normal” werden. So machte ich mir einen Termin beim Psychiater und berichtete ihm von meinem Erlebnis in der Hoffnung, dass er mich “heilen” könnte. Er sah mich lange an und fragte dann etwas, womit ich nie gerechnet hätte: “War es denn schön?”. Ich war perplex und sagte zögerlich: “Ja, schon….”. Daraufhin grinste er und erklärte mir: “Sie haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder sie machen es weiter oder sie lassen es, eine Pille dagegen gibt es nicht!“.

Ohweia, dachte ich nun bist du plötzlich lesbisch und keiner hilft dir. Ich ging nach Hause und kramte in den nächsten Tage in ruhigen Stunden ganz tief in meiner Vergangenheit herum. “Plötzlich lesbisch, so ein Quatsch…”, dachte ich und tatsächlich wurde mir allmählich bewusst, dass ich schon immer lesbisch gewesen bin, ich konnte diese Gefühle nur nie einordnen – darum führte ich auch zunächst eine klassische Hetero-Beziehung. Die ideale Vorzeigefamilie: ein Mann, eine Frau, zwei Kinder, ein Haus und ein Hund. Punkt.

Als ich aber in der Vergangenheit in meiner Pubertät ankam, sah ich mich in der 6.Klasse – während meine Mitschülerinnen unseren Sportlehrer anhimmelten, hielt ich meiner Deutschlehrerin die Tür auf und radelte rein zufällig öfter an ihrem Haus vorbei, nur um sie zu sehen.


Wie es dann weiterging und wie ich meine große Liebe fand, erzähle ich in meinem nächsten Artikel. Bis dahin Mädels – und lasst euch nicht einreden, es sei krank oder unnormal lesbisch zu sein. Es ist wie es ist und das ist gut so!

5 KOMMENTARE

  1. Wenn ich diese Zeilen lese , komme ich ins nachdenken und kann Paralelen zu meinem Leben ziehen. Es sind für mich Szenen aus dem Film ..Mein Leben..ich würde gerne noch mehr lesen .Vieleicht finde ich dort Erklärungen , nicht für mich ich brauche keine.Mein Leben ist nun mal so gewesen.Stimmt das beste sind meine Kinder.LG Konstanze

  2. Wenn ich diese Zeilen lese , komme ich ins nachdenken und kann Paralelen zu meinem Leben ziehen. Es sind für mich Szenen aus dem Film ..Mein Leben..ich würde gerne noch mehr lesen .Vieleicht finde ich dort Erklärungen , nicht für mich ich brauche keine.Mein Leben ist nun mal so gewesen.Stimmt das beste sind meine Kinder.LG Konstanze

  3. Danke für dein ehrliches Statement auf solch einen Bericht hab ich 20 Jahre gewartet, die meisten geben nicht zu, daß sie einen Teil von sich sehr lange unterdrücken oder unterdrückt haben.
    LG

  4. Hi….

    ich finde es immer wieder interessant, wie vielen Fraue es so erging wie mir. Ich war 20 Jahre verheiratet, zwei Töchter, bis ich mich in meine heutige Frau verliebte. Nun sind wir schon seit vier Jahren ein Paar, haben insgesamt fünf (!) Kinder und sind sehr glücklich. Natürlich macht es uns unser Umfeld oder unsere Exmänner häufig sehr schwer, aber jede einzelne Minute war es wert und ich würde immer wieder für unsere Liebe kämpfen.

    LG

  5. Amazing to hear so many Women have experienced the same as i have. I was also married dir 25 years 4 Children. I finally Divorced and am now Living with my Partner and am so Happy with her and have found Peace with myself. It Really is the Case that i went along with what was expected of me and when i finally accepted i was Gay i realised i did not want to keep it a Secret any Longer in order to be authentic to myself and to my Children. Unfortunately my ex husband couldnt understand and thought i had lied to ihm all the years. I hadn’t i just Never delt with it and when i was young it was frowned upon. Im 54 now and for the First Time in my Life im enjoying being me. My Adult Children also like her very much and are Coming to Terms with
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