Sophie (24): Die Angst war es nicht wert

Ich war süße 11 Jahre alt, als ich bemerkte, dass ich auf Frauen stehe. Zuerst dachte ich, ich sei bisexuell. Ich hatte noch keine Erfahrungen, aber das sollte sich schon bald ändern…

Meinen ersten richtigen Kuss bekam ich von einem 14-jährigen Mädchen als ich 12 Jahre alt war – klassisch – beim Flaschendrehen am Geburtstag eines Freundes. Es gefiel mir gleich super mit ihr zu knutschen. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern: Es war unbeschreiblich und sie konnte es sehr gut. Nach dieser Party war Knutschen ein neues Hobby von mir und ich verguckte mich zum 1. Mal in ein Mädchen. Damals war ich 13 Jahre alt und hatte mega Angst es meiner Mom zu sagen. Eigentlich hatten wir zu der Zeit ein wirklich gutes Verhältnis und ich konnte mit ihr über einfach alles reden – egal, um was es ging. Nur wurde genau das für einen kurzen Moment zu einem echten Problem. Es war nämlich so, dass sich meine liebe Tante zu dieser Zeit auch gerade geoutet hatte. Sie war damals 22 Jahre alt, zuvor nur mit Männern zusammen gewesen und behauptete nun: „Ich bin lesbisch!„.

Es war ja kein Weltuntergang, aber meine Mom nahm es anfangs nicht für voll und regte sich ein wenig darüber auf, wie man mit 22 plötzlich auf die Idee kommen kann, lesbisch zu sein. Sie dachte halt, dass das nur eine Phase sei. Eine Phase, die wieder vorbei geht. Weil sie so geschockt war und nicht glauben konnte, dass meine Tante wirklich lesbisch ist, machte es mir riesen Angst, mich nun auch vor ihr zu outen. Ab diesem Zeitpunkt fing ich an ihr nichts mehr zu erzählen, ihr nicht zu sagen, was ich tue oder ihr zu erzählen, wie mein Tag war. Ich schloss mich mehr oder weniger in meinem Zimmer ein und redete nur noch das Nötigste mit ihr. Natürlich kam ihr das nach einiger Zeit sehr komisch vor. Sie begann mich zu nerven, kam immer zur Halfpipe (damals mein 2. zu Hause) oder an den See, wo ich mit meinen Freunden immer baden ging.

Eines Tages kam ich weinend nach Hause, weil das besagte Mädchen Schluss mit mir gemacht hatte. Wir waren nur kurz zusammen – 3 oder 4 Wochen -, ich weiß es nicht mehr so genau. Auf jeden Fall fragte mich meine Mom, was mit mir los sei und überhaupt, warum ich mich in letzter Zeit so komisch verhalte. Ich wollte ihr nicht antworten, aber sie lies nicht locker und redete auf mich ein und meinte: „Wenn du jetzt nicht sofort sagst, was los mit dir ist, verfolge ich dich überall hin und hole dich jeden Tag von der Schule ab.“. Ich lachte kurz und sah sie fragend an: „Mom ich hoffe, du liebst mich dann trotzdem noch?“. Sie antwortete: „Ja klar! Egal was es ist, Sophie, du bist mein Kind und ich werde dich immer lieben – egal was passiert!„.

Lesbisch statt schwanger

Dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und erklärte: „Mama, ich stehe auf Frauen und meine erste Freundin hat gerade Schluss mit mir gemacht. Es fühlt sich einfach nur scheiße an…“ Sie sah mich an und fing an laut zu lachen, nahm mich in den Arm und drückte mich ganz fest: „Zum Glück ist es nur das, ich dachte schon, es kommt jetzt sonst was – z.B., dass du schwanger seist oder so.“.

Wir redeten über das Outing meiner Tante und sie erklärte mir, dass es sie damals einfach nur total überraschte und sie es im ersten Moment nicht verstehen konnte – das war alles.

Ich kann nur sagen, nach dem großen Schritt es meiner Mutter und Familie zu erzählen, hatte ich keine Angst mehr, es irgendjemandem zu sagen. Der Rückhalt meiner Familie und meiner Freunde gibt mir bis heute die nötige Kraft, dass ich mich vor nichts fürchten muss. Ich selber stehe sehr offen dazu, dass ich lesbisch bin. Aber auf die Nase binde ich es den Leuten trotzdem nicht. Toll ist einfach, dass sie generell keine Probleme mit meiner offenen Art haben und mich akzeptieren wie ich nun einmal bin.

Ich denke, dass ich damit großes Glück habe! Nicht einmal in meinen Jobs war meine Sexualität ein Problem  – aber vielleicht auch darum, da ich gelernte Schlosserin bin und Männer das immer sehr witzig finden mich allen möglichen Scheiß zu fragen – was ihnen halt gerade in den Sinn kommt. Da hilft nur folgendes: Auf blöde Fragen folgen blöde Antworten! Da bin ich mittlerweile Profi. Trotzdem liebe ich meinen Beruf und es stört mich auch nicht, hat es noch nie.

Das war meine Outing-Geschichte. Ich hoffe, sie hat Euch gefallen. Gerne könnt Ihr mir auch Fragen stellen – ganz wie Ihr wollt. 🙂

Ganz liebe Grüße
Sophie 

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Sophie
24 Jahre | aus Vorarlberg. Ich bin eine Skaterbraut und habe sogar ein Board tattoowiert. Ich liebe mein Leben, meine Familie & Freunde und meinen Kater Shane. Aber am meisten liebe ich es eine Frau zu sein - und noch eine Lesbe dazu! Peace!

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