Schulpolitischer Sprecher Irmer: Homosexualität ist nicht normal

Im Koalitionsvertrag hieß es noch, dass an Hessens Schulen künftig über sexuelle Vielfalt aufgeklärt werden sollte – doch nun stellt sich der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sowie stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer dagegen.

„Hans-Jürgen Irmer (Martin Rulsch) 2013-02-26 1“ von Martin Rulsch, Wikimedia Commons - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons.
Hans-Jürgen Irmer (Martin Rulsch) 2013-02-26 1“ von Martin Rulsch, Wikimedia Commons – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons.

“Auf der Grundlage des bisher eingeschlagenen Weges und des 2014 erfolgenden Beitritts zur ‘Koalition gegen Diskriminierung‘ werden wir zusammen mit den Selbstvertretungsorganisationen der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen einen ‘Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt’ erarbeiten. Dazu gehört insbesondere eine bessere Begleitung von jungen Menschen in der immer noch oftmals schwierigen Phase des ‘Coming Out’ und die stärkere Sensibilisierung für das Thema in Schulen auf Basis der bereits vorhandenen SchLAu-Projekte. Eine gute Vernetzung in der Landesverwaltung wird ebenso angestrebt wie eine Zusammenarbeit mit benachbarten Ländern.” Auszug: schwarz-grüner Koalitionsvertrag

Seine homophobe Meinung gab Irmer kund, als Hessens schwuler Grünen-Chef Klose letzte Woche die Umsetzung des schon vor einem Jahr beschlossenen Vertrags anmahnte. Daraufhin äußerte sich Irmer gegenüber der Frankfurter Neuen Presse: “Gut Ding will Weile haben. Innerhalb der beiden Regierungsparteien gibt es dazu derart unterschiedliche Grundsätze, dass dabei noch viel Klärungsbedarf besteht.” und ergänzte kurz darauf: “Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anders geregelt.”

Diese homophobe Äußerung von Irmer kam nicht überraschend, so fiel er doch bereits in der Vergangenheit schon mit seinen menschenverachtenden Äußerungen gegenüber Muslimen, Homosexuellen, Sinti und Roma auf, warb in seiner eigenen Wahlkreiszeitung “Wetzlar Kurier” für eine Homo-Heilung und forderte die Entlassung eines Lehrers – Grund: sein Profil auf einer Homo-Dating-Seite.

Offene Kritik

Natürlich wurde der 62-jährige Vater zweier Kinder auch von Kollegen für diese Haltung kritisiert. So positionierte sich Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, eindeutig gegen Irmers Äußerungen und stellte in Frage, weshalb jemand wie Irmer bildungspolitischer Sprecher der Union bleiben dürfe, während sich die schwarz-grüne Koalition doch bereits gegen Diskriminierung Homosexueller ausgesprochen habe.

Dem schließt sich Janine Wissler, die Fraktionschefin der Linken, an und sagte: “Was ‘normal’ ist und was nicht, bestimmt zum Glück nicht Herr Irmer”. Ihrer Ansicht nach haben homophobe Äußerungen in der Bildungspolitik absolut keine Existenzberechtigung! Darum fordert sie außerdem von den Grünen, endlich Konsequenzen von ihrem schwarzen Koalitionspartner zu fordern.

“Nicht nur normal, sondern auch gut so!”

Denn diese streben laut Angela Dorn, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, nach wie vor “eine stärkere Sensibilisierung für unterschiedliche sexuelle Orientierungen” an. Sie positionierte sich weiterhin: „Wenn zwei Menschen – egal ob homo- oder heterosexuell – einander lieben und füreinander Verantwortung übernehmen, ist es nicht nur normal, sondern auch gut so! Nicht ganz so normal ist es, wenn einzelne das auch im Jahr 2014 immer noch nicht akzeptieren können.“

Des Weiteren betonte Dorn, dass im gemeinsamen Koalitionsvertrag mit der CDU nun einmal vereinbart worden sei, dass das Bündnis in allen Lebensbereichen stärker für die Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität eintreten wird. Mit Annahme des Koalitionsvertrages haben alle Abgeordneten von CDU und Grünen diesem Ziel offiziell zugestimmt, das ist Fakt.

Reaktion der CDU

Die diesbezügliche Haltung der CDU formulierte Holger BellinoCDU-Geschäftsführer, schwammig: Das Thema Homosexualität soll künftig im Unterricht mit der notwendigen Sensibilität angegangen und innerhalb dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Zudem werde Irmer die Vereinbarung des Koalitionsvertrages mittragen.

Auch der Bundesverband sowie der hessische Landesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) kritisierten die scharfen Äußerungen Irmers. „Hans-Jürgen Irmer stellt sich mit seinen Parolen gegen Homosexualität wiederholt ins politische Abseits. Wir würden es sehr begrüßen, wenn die hessische CDU auch deutlich machte, dass sie die wiederholten Hassparolen ihres Abgeordneten missbilligt und dieser nicht für die Gesamtpartei spricht“, forderten Alexander Vogt, Bundesvorsitzender, und Rainer Zuber, Landesvorsitzender. Solche menschenverachtenden Parolen dürften in Zukunft innerhalb der CDU keinen Platz mehr haben!

Irmer bleibt standhaft

Irmer selbst sieht sich in der ganzen Sache unvollständig zitiert. Seiner Ansicht nach habe er kurz vor seiner kritisierten Äußerung unmissverständlich zu erkennen gegeben, dass Homosexualität normal sei – in allen Gesellschaften.

Seine besagten Sätze sollten nur noch einmal unterstreichen, dass Homosexualität nun einmal nicht der normale Weg der Fortpflanzung sei.

Hinsichtlich des Koalitionsvertrages betont er, dass das Thema “mit höchster Sensibilität” und “in aller Ruhe und Gelassenheit” angegangen wird, da es diesbezüglich schließlich sehr unterschiedliche Auffassungen gebe.

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