“Rettet die Delphine!: Lesbische Lästereien” Dieses Buch bleibt unvergessen!

Über das 2001 erschienene Buch "Rettet die Delphine!: Lesbische Lästereien" von Stephanie Kuhnen...

© Kati Ruhl

Wir schreiben das Jahr 2005. Ein jugendliches Mädchen aus einer Kleinstadt findet heraus, dass sie wahrscheinlich auf Frauen steht. Natürlich hat sie es schon vorher geahnt und auch schon Erfahrung gesammelt. Jetzt will sie sich outen. Nun soll es so sein. Sie setzt sich fest. Ab jetzt ist sie eine Lesbe. Aber was bedeutet das? Was genau ist eine Lesbe? Was muss man tun, wenn man eine Lesbe ist? Also so eine richtige Lesbe…, ihr wisst schon. Ja, und da sind wir bei den Klischees. Muss eine Lesbe immer kurze Haare haben? Muss eine Lesbe immer ein Holzfällerhemd tragen? Muss eine Lesbe sich ihrer Sexualität vollkommen sicher sein?

All diese Fragen wurden dem neuen Lesbenzulauf in dem Buch “Rettet die Delphine! Lesbische Lästereien” von Stephanie Kuhnen beantwortet.

Dem Mädchen fiel dieser Ratgeber durch Zufall, beim Stöbern auf sämtlichen Internetseiten, die irgendwas mit Homosexualtität zu tun hatten, ins Auge. Gesehen und bestellt. Ziemlich aufgeregt wartete sie damals, bis das Paket dann endlich ihr zu Hause erreichte. Schön einfach heutzutage. Man geht ins Internet, googelt, gelangt auf irgendwelche Seiten und ZACK, Buchvorschläge en masse. Der Titel sprach sie sofort an. Genauso wie der Klappentext:

Warum sind Delphine die besseren Lesben? Ist das Lesbenfrühlingstreffen Gottes Strafe für Homosexualität? Und was hat es mit dem lesbischen Verschmelzungssyndrom auf sich? Fragen, die uns allen schlaflose Nächte bereiten. Stephanie Kuhnen, das Lästermaul der lesbischen Republik, geht in “Rettet die Delphine!” empirisch vor. Mit einer Sorgfalt, die selbst große Wissenschaftlerinnen nicht an den Tag legen, lässt sie an nichts, was uns heilig ist, ein gutes Haar. Doch das Schlimmste ist: Trotz allen Übertreibungen steckt in jeder Theorie mindestens ein Körnchen Wahrheit. Und das ist ja gerade das Ärgerliche daran!

Na, wer will denn bei so einem Text als Neulesbe nicht schwach werden? Unsere Kleinstadtlesbe wurde es. Das Buch lag nun also da… auf dem Schreibtisch. Natürlich immer schön verdeckt – nicht, dass es noch jemand aus dem Freundeskreis mitbekommt. Denn zu dem Zeitpunkt stand das Outing noch aus. Vielleicht gibt es ja dort ein paar Tipps, erhoffte sie sich. Und ja, tatsächlich wurde sie fündig.

Das Buch führte sie über Flipper, Politik, Sexspielzeug, Drogen und Ausgehorte an jede Stelle, die man als “richtige” Lesbe kennen sollte. Sie laß, sie machte große Augen, sie schlug das Buch zu und brauchte ein paar Wochen, um es wieder zu öffnen. Aber klar, so ehrlich wie Stephanie Kuhnen schreibt eben niemand sonst über die Lesbenszene… Die lesbischen Lästereien lohnten sich natürlich für unsere Kleinstadtlesbe, auch wenn sie ein wenig brauchte, um das Buch auch wirklich zu Ende zu lesen.

Dieses Buch bietet einen sehr guten Einblick in die Szene einer, wie nannte man sie “früher”, Lesbierin. Tatsächlich wird dieses Wort beim Scheiben in Word nicht rot unterstrichen. Unglaublich. Ja, jedenfalls so wie die kleine Vorstadtlesbe sollte jede einmal dieses Buch gelesen haben. Amüsant, persönlich und ein bisschen Bravo-mäßig aufgebaut, macht es wirklich viel Spaß, darin zu stöbern. Und selbst nach 12 Jahren hat die kleine Maus immer noch Lust, darin zu lesen.

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kati ruhl
geboren bin ich im weniger beschaulichen magdeburg. sehr schnell zog es mich aber in die stadt der dichter und denker nach weimar. mit dem schreiben beschäftige ich mich seit ich das erste mal meine buchstaben richtig aneinander reihen konnte. in meiner freizeit schreibe ich essays, kurzgeschichten, gedichte und theaterstücke. ich bin ausgebildete ergotherapeutin, widme mich aber gerade intensiv dem schreiben und meinem wohl.

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