Regenbogenfamilie: In Zeiten wie diesen ist das Private politisch!

Wir leben in bewegten Zeiten und wenn wir wollen, dass die Bewegung nach vorne und nicht zurück geht, dann müssen wir sichtbar werden, uns engagieren und uns nicht ins Private zurückziehen!

regenbogenfamilien-koeln.de © Birgit Brockerhoff.

Uns Regenbogenfamilien in Köln geht es gut. Wir können offen mit unseren Kindern leben, in den Kindergärten und Schulen werden wir immer mehr und damit zunehmend selbstverständlicher.  Wir haben eine Vielzahl an Gruppen, in denen wir Gleichgesinnte treffen können. Es gibt das Rubicon, wo wir uns Beratung und Unterstützung holen können. Wir haben das Familien-Picknick und die Adventsfeier, den Family Equality Day und den CSD, der im letzten Jahr sogar ein Familienfest für uns offerierte. Warum nehmen wir all das so wenig in Anspruch?

Eine rein subjektive Beobachtung aus den Kölner Regenbogenfamiliengruppen: Wenn unsere Kinder klein sind oder wir noch mit einem Kinderwunsch beschäftigt sind, suchen wir den Austausch in den Gruppen. Die Kinderwunschgruppe und die Gruppen mit den Kindern bis zwei Jahre sind voll. Je größer unsere Kinder werden, desto weniger kommen zu den Gruppentreffen. Klar, es steht immer viel an, Termine hier, Termine da, der Familienalltag ist turbulent und „irgendwie“ klappt es nie mit der Teilnahme am Gruppentreffen. Hinzu kommt, dass die größer gewordenen Kinder Mitspracherecht haben und oftmals keine Lust auf „diese doofen Regenbogenfamilientreffen“. Dann doch lieber mit der Freundin aus der Schule, den Nachbarn oder den Großeltern den Sonntag verbringen.

Ich kann das alles nachvollziehen. Ich kenne das von mir selbst und von meinen Kindern. Dennoch finde ich es schade. Schade nicht nur, weil wir den Kontakt untereinander verlieren. Ich finde, wir nehmen damit auch unseren Kindern die Chance, miteinander größer zu werden. Denn diese größer werdenden Regenbogenfamilien-Kinder können einander viel geben.

Wir leben in einer bewegten Zeit. In den USA ist ein Mann zum Präsident (hier mehr über Donald Trump und seine Politik) gewählt worden,  trotz oder gerade wegen seiner offenen Frauen- und Fremdenfeindlichkeit. Auch bei uns in Deutschland wird in diesem Jahr ein neuer Bundestag (hier zum SzeneLesbe Wahlcheck) gewählt und die AfD (hier mehr zum Thema AfD) hat keine schlechten Chancen viel zu viele Stimmen zu bekommen.

Was hat das mit uns Regenbogenfamilien zu tun?

Ich finde, sehr viel. Denn es geht um unsere Rechte, für die wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten gekämpft haben. Wir Frauen, wir Lesben, wir Schwule, wir Trans*, wir Queer, wir Regenbogenfamilien werden es zu spüren bekommen, wenn rechte und rechtspopulistische Ansichten in der Mehrheitsgesellschaft ankommen. Das Beispiel USA zeigt, wie schnell sicher geglaubte Grundrechte und LSBT*-Rechte in Gefahr geraten abgeschafft zu werden. Unsere Freiheit und unsere Rechte sind nichts Selbstverständliches.

Lesenswert: „Regenbogefamilie: AfD-Familienpolitik – keine Alternative für Regenbogenfamilien“

Ja, uns Regenbogenfamilien in Köln geht es gut. Doch Köln ist keine Insel. Wir leben in bewegten Zeiten und wenn wir wollen, dass die Bewegung nach vorne und nicht zurück geht, dann sollten wir unseren Teil dazu beitragen, dass dies geschieht. Sichtbar werden, uns engagieren und uns nicht ins Private zurückziehen. Denn auch wenn viele von uns dies nicht so empfinden: Das Private ist politisch. Schwul oder lesbisch zu sein ist politisch. Auch unser Regenbogefamilien-Dasein ist politisch. Ob wir das wollen oder nicht. Einfach, weil wir nicht den heteronormativen Vorstellungen von Familie entsprechen.

Wenn ich drei Wünsche frei hätte, würde Folgendes auf meiner Liste stehen:

  • Mehr Beteiligung an den Gruppentreffen von Familien mit älteren Kindern  – Schnappt euch eure Kinder, kommt zum nächsten Gruppentreffen oder ohne Kinder zum Elternstammtisch oder gründet eure eigene Gruppe.
  • Mehr politisches Engagement von und für Regenbogenfamilien  – Setzt euch eure Pussy-Mützen auf und seid bei der nächsten Demo für Vielfalt und gegen Einfalt dabei!
  • Eine betreute Gruppe für Kinder und Jugendliche aus Regenbogenfamilien (ab 10 Jahre) – Vielleicht demnächst im Rubicon oder im Anyway?

Abschließend zwei positive Beispiele, die für mich die Wichtigkeit von Angeboten für Kinder und Jugendlichen aus Regenbogenfamilien deutlich machen:

Kinder und Jugendliche aus Regenbogenfamilien gehen on air

Beim Regenbogenfamilienseminar des LSVD Landesverband Baden-Württemberg 2016 in Stuttgart haben Kinder und Jugendliche aus Regenbogenfamilien einen spannenden Radiobeitrag produziert. Sie sind darin den Fragen nachgegangen: Was bedeutet Familie? Was ist wichtig? Wie reagiert die Umwelt auf ihre Familie? Was ist „normal“?
Reinhören lohnt sich!

Kinder und Jugendliche aus Regenbogenfamilien gehen on-air“ – Artikel im LSVD Blog mit Link zum Radiobeitrag (26 Minuten).

Empowerment-Workshop für Kinder & Jugendliche aus Regenbogenfamilien

Für Kinder und Jugendliche aus Regenbogenfamilien (ab 10 Jahren) und LSBT*Q-Jugendliche (bis 23 Jahre) fand am 25. März 2017 in Düsseldorf erstmalig ein Empowerment-Workshop statt. Mehr dazu hier

geschrieben von Birgit Brockerhoff

Erstveröffentlichung bei Regenbogenfamilien Köln, 22. Februar 2017

Quelle: Regenbogenbunter Familienblog

regenbogenfamilien-koeln.de © Birgit Brockerhoff.

Das Leben in Regenbogenfamilien ist bunt. Regenbogenbunt. Wir alle haben viele Geschichten über unseren Alltag zu erzählen. Regelmäßig erleben wir, dass es noch nicht alltäglich ist, in einer Regenbogenfamilie zu leben. Diese kleinen und großen Geschichten warten darauf, erzählt zu werden.

Im Blog auf regenbogenfamilien-koeln.de veröffentlichen wir Erfahrungen und Gedanken aus und über unseren Alltag als Regenbogenfamilie.

Link: https://www.regenbogenfamilien-koeln.de/blog

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