Regenbogenfamilie: Auf der Suche nach einem Samenspender…

Männercasting - über die Suche nach einem Samenspender!

regenbogenfamilien-koeln.de © Birgit Brockerhoff.

Der Weg zum passenden Samenspender ist nicht immer einfach. In diesem Artikel bietet uns der „Regenbogenbunte Familienblog“ von „Regenbogenfamilien Köln“ einen Einblick in die Suche…

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Am Anfang stand ein Mind-Map: Meine Freundin und ich zeichneten darin auf, welche Wege und Möglichkeiten wir für uns sehen an einen Samenspender zu kommen. Welche Männer in unserem Freundeskreis kommen dafür in Frage? Eigentlich keine, stellten wir schnell fest. Also streuten wir unsere Suche per Mundpropaganda weitläufig über unseren Bekanntenkreis hinaus. Ohne Erfolg. Wir entschlossen uns zu einer Anzeige: „Lesbisches Paar mit Kinderwunsch sucht Samenspender, der keine Vaterrolle übernehmen will.

Denn wir waren uns einig, wir wollten keinen Kindsvater, der jeden Sonntag auf der Matte steht und Teil unserer Familie sein will. Wir wollten einen Mann – egal, ob schwul oder hetero -, der keine soziale Vaterrolle übernehmen will. Dennoch sollte unser Kind die Möglichkeit haben ihn kennenzulernen – für den Fall, dass unser Sohn/unsere Tochter dies in späteren Jahren möchte.

Erwartet hatten wir ein paar wenige Zuschriften. Ins Haus flatterten uns tatsächlich große Mengen an eMails von spende-freudigen Männern. Viele sortierten wir direkt aus. Einigen mailten wir zurück, um mehr über sie und ihre Motivation zu spenden zu erfahren. Erstaunlich fanden wir, dass so gut wie alle Männer unsere Frage nach ihrer Motivation nicht verstanden. Ein Kind zu zeugen und sein Erbgut weiterzugeben, ohne in die Pflicht genommen zu werden, sei doch Wunsch und Ziel eines jeden Mannes, antworteten die Kandidaten uns regelmäßig. Eine Haltung, die wir so nicht erwartetet hatten. Wir hofften auf politische Begründungen, persönliche Bezüge, irgendwas Tiefergehendes als einfach nur „Ich will mein Erbgut weitergeben.“

Geantwortet auf unsere Anzeige hatten uns nur Hetero-Männer, obwohl wir unsere Anzeige auch in der Kategorie m/m veröffentlicht hatten. Wir verabredeten uns dann nacheinander mit vier Männern in einem Café in der Kölner Innenstadt. Nach 15 Jahren relativ männerlosem Lesben-Lebens, standen mir nun also Blind-Dates mit Männern bevor, um mit ihnen über ihre Spermien und deren Verwendung zu reden.
H I L F E !

Ein Einblick in die „Dates“

Unser erster Date-Partner war auf den ersten Blick ein sympathischer Typ. Im Gespräch bombardierte er uns mit Frage: Wie wollen wir dem Kind, besonders wenn es ein Junge wird, den männlichen Elternteil ersetzen? Wie wollen wir dem Kind das geben, was ein Kind von seinem Vater braucht? Wir erläuterten ihm unser Verständnis von dem, was ein Kind braucht: Menschen, die es lieben und, die das Kind auf seinem/ihren Weg stärken und begleiten. Er blieb bei seinem Standpunkt, ein Kind braucht Vater und Mutter. Wir gerieten in eine Grundsatzdiskussion und ich merkte dabei schnell, dass es keinen Sinn machte, sich weiter mit ihm auseinanderzusetzen. Ihm fehlte jegliches Verständnis für soziale Geschlechterrollen. Ein anstrengendes Treffen, welches wir mit dem klaren Gefühl beendeten: Der passt nicht zu uns.

Unser zweites Blind-Date entpuppte sich schnell als ein unsympathischer Typ, bei dem ich mir nicht vorstellen konnte ihn weiter in Betracht zu ziehen. Meine Freundin und ich hatten vorher vereinbart, eine Apfelschorle zu bestellen, als gegenseitiges Zeichen dafür, das Gespräch beenden zu wollen. Denn wir konnten uns ja mitten im Gespräch nicht über unseren Eindruck miteinander abstimmen. Als meine Freundin dann eine Apfelschorle bestellte, war ich erleichtert und wir verabschiedeten uns bald danach von dem unangenehmen Menschen.

In den Wochen danach folgte eine frustrierende Pechsträhne aus nicht zustandegekommenen Treffen. Dreimal erschienen Männer zur verabredeten Zeit am verabredeten Ort nicht. Das waren verschenkte und zermürbende Abende, denn wir saßen ja nicht nett beieinander und unterhielten uns angeregt. Innerlich angespannt fanden meine Freundin und ich wenig Konzentration aufeinander, wir waren in einer Warteposition und schauten nervös im Café umher. Ist es der? Oder der? DER doch hoffentlich nicht!

In diesen Monaten trafen wir uns auch mit zwei schwulen Männern, die über unseren Bekanntenkreis zu uns Kontakt aufgenommen hatten. Sehr nette Männer mit einem Kinderwunsch. Der eine hatte schon sehr konkrete Vorstellungen über seine Vaterrolle, Urlaube und Wochenenden mit dem Kind, Erziehungsstile und Erziehungsziele, in seinem Kopf war all dies schon glasklar verankert. Als er dann mit uns über die Sternzeichen sprach, die das Kind haben sollte beziehungsweise auf keinen Fall haben sollte, wussten wir: Das passt mit unseren Vorstellungen und Wünschen nicht überein.

Parallel zu diesem Dating-Prozess fuhren wir nach Holland zu einer Samenbank. Wir wollten uns damit eine grundsätzliche Alternative eröffnen, falls wir mit unserer persönlichen Spendersuche zu keinem Ergebnis kommen würden. Dort erfuhren wir, dass wir hier ohne Wartezeit an eine Samenspende kommen könnten. Gut zu wissen! Dennoch war die Samenbank für uns nur eine letzte Option. Einem Spender, den wir persönlich kennenlernen und von dem wir uns ein eigenes Bild machen können, gaben wir den Vorzug.

Ein weiteres Date kam viel zu spät. Wir hatten ihn schon aufgegeben und uns einen Cocktail bestellt. Entsprechend ausgelassen waren wir, als er sich zu uns setzte. Sympathisch und umgänglich, das war unser erster Eindruck von ihm. Dieser bestätigte und vertiefte sich im Laufe dieses und mehrerer nachfolgender Treffen. Wir entschieden uns für diesen Mann als Samenspender.


Worauf kam es uns bei der Wahl an? Ob Blond, ob Braun, ob Henna, ob Groß oder Klein, Dick oder Dünn, ich kann nicht behaupten, dass das Aussehen egal gewesen ist, es spielte für uns jedoch nicht die wesentliche Rolle. Entscheidend für uns war vor allem ein klares Gefühl, ihm vertrauen zu können. Das Gefühl, er wird sich an getroffene Absprachen halten und nicht plötzlich doch sozialer Vater sein wollen oder ganz abtauchen und für unser Kind in Zukunft nicht auffindbar sein. Sicherheit gibt es diesbezüglich nie. Sich zusammen auf diesen Weg zu machen, ist eine Vertrauenssache, bei der wir auf unser Bauchgefühl gehört haben.

Inzwischen sind wir Mütter von zwei Kindern, beide vom gleichen Spender. Unser Bauchgefühl hat uns nicht betrogen.

geschrieben von Birgit Brockerhoff

Erstveröffentlichung bei Regenbogenfamilien Köln , 14. Juni 2017

Quelle: Regenbogenbunter Familienblog

regenbogenfamilien-koeln.de © Birgit Brockerhoff.

Das Leben in Regenbogenfamilien ist bunt. Regenbogenbunt. Wir alle haben viele Geschichten über unseren Alltag zu erzählen. Regelmäßig erleben wir, dass es noch nicht alltäglich ist, in einer Regenbogenfamilie zu leben. Diese kleinen und großen Geschichten warten darauf, erzählt zu werden.

Im Blog auf regenbogenfamilien-koeln.de veröffentlichen wir Erfahrungen und Gedanken aus und über unseren Alltag als Regenbogenfamilie.

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