Rechte Intersexueller: Dritter Geschlechtseintrag soll ermöglicht werden!

Mit einem dritten Geschlechtseintrag sollen künftig die Rechte von Intersexuellen in Deutschland gestärkt werden.

Wie bereits durch die Medien ging, ist diese Woche das Urteil vom Bundesgerichtshof gekommen, das intersexuelle Personen die weder männlich noch weiblich sind nun berechtigt, ihr Geschlecht positiv eintragen zu lassen.

Anders als in der Presse oft kolportiert, sind nicht per se alle Intersexuellen zwischen den Geschlechtern – und zwar weder vom gefühlten Geschlechtsempfinden noch von der tatsächlichen Biologie. Intersexualität gibt es in weiblichen Formen, in männlichen Formen, und in der Form des absoluten Dazwischenseins.

In diesem Fall hatte eine Person Namens Vanja geklagt, die ihr Recht als Intersexuelle verletzt sah. Vanja hatte laut Chromosomenanalyse weder einen männlichen, noch einen weiblichen Chromosomensatz. Zuvor wollte Vanja ihr Geschlecht im Ausweis eintragen lassen. Die zuständigen Behörden weigerten sich und verwiesen auf geltendes Recht, das nur eine Eintragung als männlich, weiblich oder eine Löschung des Eintrages zuließ.

Die dritte Option bezeichnet somit eine positive Eintragung wie „intersexuell“ oder etwas anderes in dem Ausweis. Der BGH gab mit dem Urteil dem Gesetzgeber bis Ende 2018 Zeit, hier gesetzlich nachzubessern.

In welcher Form der Gesetzgeber hier entscheiden wird, ist natürlich noch unklar. Denkbar wäre, dass alle Intersexuellen bald ihr Geschlecht frei wählen dürfen. Denkbar ist auch, dass der Gesetzgeber eine Regelung trifft, laut der nur bestimmte Intersexuelle, nämlich jene, die genau dazwischen sind, ihren Geschlechtseintrag selbst frei oder durch Vorgabe wählen können.

Es gibt unzählige Chromosomenanomalien!

In den Medien lesen wir allerdings nur von den Chromosomen Vanjas. Intersexuelle Menschen können viele verschiedene Chromosomenanomalien, eine Testosteron- bzw. Östrogennintoleranz haben oder mit beiden Geschlechtern ganz oder vollständig geboren worden sein. Als Beispiel gibt es bei männlichen Intersexuellen eine Harnröhrenanomalie, bei der die Harnröhre nicht gerade durch die Eichel, sondern nach unten hin läuft. Es ist fraglich, ob der Gesetzgeber hier bereits ansetzt, oder erst bei härteren Fällen, wie bei weiblichen Intersexuellen, die beispielsweise keine Gebärmutter oder keine Vagina, dafür aber eine Vulva haben.

Das Urteil hat mehrere Konsequenzen. Bis in die 80er Jahre war es sehr verbreitet, Intersexuelle nach der Geburt sofort zu operieren. Diese Praxis wird bis heute oft beibehalten, indem manche ÄrztInnen massiven Druck auf Eltern von Intersexuellen ausüben, ihre Kinder an irgendetwas angleichen zu lassen. Das beinhaltet Fälle von Intersexuellen mit besonders langem Klitorisfortsatz sowie Fälle, wo die Kinder absolut zwischen den beiden Geschlechtern stehen. Oft wird hier argumentiert, dass die Gesellschaft Intersexuelle nicht akzeptieren würde. Für die bessere Akzeptanz werden sie also verstümmelt. Karlsruhe hat hier deutlich die Rechte von Intersexuellen bestärkt – und zwar schon das 2. Mal in Folge. Ende 2013 gab es zujüngst ein Urteil, das die Löschung des Geschlechtseintrages ermöglichte und das Auslassen dieser Angabe bei Geburt zuließ. Diese so genannte Negativeintragung wird also spätestens Ende 2018 beendet sein müssen. Das Innenministerium kündigte bereits an, der Entscheidung aus Karlsruhe zu entsprechen. Wir dürfen gespannt sein, ab wann und wenn, welche Intersexuellen sich demnächst offiziell Intersexuell nennen dürfen.

Wie üblich bei solchen Urteilen werden vermutlich wieder einige christliche Fundamentalisten gegen das Urteil klagen. In der Presse lesen sich bereits ein paar wenige negative Berichte, wie den noch recht subtilen aus der Süddeutschen Zeitung. Eine Kostprobe: „… Vorderhand fügt er sich ein in eine lange Reihe von Entscheidungen, in denen Karlsruhe die Rechte von Minderheiten anerkannt und ausgebaut hat: von Strafgefangenen, von Pazifisten, von Homo- und Transsexuellen, von nichtehelichen Kindern, den Armen in dieser Gesellschaft,…“

Abseits solcher Negativkommentare wie in der Süddeutschen Zeitung könnte damit eine positive Sprachentwicklung einsetzen, die die deutsche Männersprache etwas aufmischt. Den Bericht könnte frau auch als kleine Änderung lesen: Denn durch die sprachliche Miteinbeziehung von Intersexuellen, wird weniger der Männer gedacht; also dadurch logischerweise rein prozentual mehr an uns Frauen.

Ein gutes Beispiel dafür liefert übrigens die Londoner Bahngesellschaft

TEILEN
Vorheriger ArtikelZu Weihnachten macht sich PENNY stark für gleichgeschlechtliche Liebe!
Nächster ArtikelYouTube: Das sagen Lesben NIE! | Tahnee
Christine Ullmann
Ich denke, also bin ich. Ich lese, also schreibe ich. 2 Dinge die ich mag und die miteinander verbunden sind. Dabei bin ich mir nicht zu schade Ergüsse einiger Queertheoretiker/innen kritisch zu verfolgen sowie gute Dinge zu rezensieren. Als Vollblutmetalerin mag ich bunt gar nicht, aber schreibe doch über vieles unter dem Regenbogen.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT