Pink Stories oder auch: Klischee-Salat mit Sahnehäubchen

Spieletest: PINK STORIES hat sich im Mädelstreff des together Krefeld ausgespielt

Als kleiner Scherz fing alles an: Unsere Mitarbeiterin im together Krefeld bekam zu ihrem 30. Geburtstag “Pink Stories” – das Rätselspiel nur für Mädchen geschenkt. Was dann geschah war eigentlich vorprogrammiert: Gemeinsam schauten wir uns in unserem Mädels-Café an, was dieses Spiel alles zu bieten hat. Die Überschrift lies schon nichts Gutes erahnen. Bereits das Cover ist bestückt mit sexistischen Anspielungen: Alles – aber auch wirklich alles – ist in zarten Rosatönen gehalten, Mädchen sind laut Spiel: wagemutig, zauberhaft, erfinderisch und normal. Was bitte, liebe Spielehersteller_innen sind normale Mädchen? Und inwiefern grenzen sie sich von wagemutigen oder zauberhaften Mädchen ab? Der gewählte Einstieg in das Spiel ist also schon einmal ein Griff ins Klo.

Kommen wir zum Inhalt. Wir haben uns einmal die Mühe gemacht, nein, Mühe ist gelogen, eigentlich sind uns auch bei der Sichtung der Karten jegliche Genderrollen ins Auge gesprungen, dass es uns schon weh tat. Was folgt ist ein Einblick in das Spiel. (Achtung Spoileralarm!) Die Lösungen des Spiels befinden sich übrigens immer auf der Rückseite der Karte – nicht undeutlich zu erkennen an dem selbstverständlich erneut gegenderten Handtaschen-Symbol.

Stichwort: Jungs

Die nach Spielebeschreibung manchmal auftauchenden Jungs spielen dann doch 18-mal eine nicht unerhebliche Rolle. Sie haben ein bezauberndes Lächeln, dass Mädchen sich direkt verlieben, sie gehen fremd, sind Piraten, Verbrecher, mögen die Unterwasserwelt, spielen Fußball, sind handwerklich begabt, es gibt mindestens 3 Prinzen, sogar Justin Bieber lässt die Mädchen im Spiel dahinschmelzen, Mädchen machen sich für die Jungs hübsch, die Jungs beeindrucken die Mädchen…

Stichwort: Mädchen

Mädchen gehen natürlich gerne shoppen und tragen hohe Schuhe in der Disco, obwohl es total unbequem ist. Sie fragen sich ständig, was sie anziehen sollen: die Jeans sitzt nur perfekt, wenn sie knall eng sitzt (und ein Ausleihern der Hose ist es natürlich wert, dass Mädchen dann direkt losheulen). Des Weiteren haben Mädchen natürlich auch Körperbildstörungen – Füße sind ja so peinlich. Jule kann nicht nein sagen – wie typisch für ein Mädchen und das nächste Mädchen verliebt sich sofort – in einen Vampir. Die einzige gebotene Alternative zum sonstigen Verlieben in Jungs: das Anhimmeln von Stars oder der Wunsch, die Frau eines Hollywood-Stars zu werden.

Das durchgängig gezeichnete Familienkonstrukt im Spiel ist demnach völlig heterozentristisch ausgelegt. Von Regenbogenfamilien oder alleinerziehenden Elternteilen ist nie die Rede! Übrigens: Ganze 8 Prinzessinnen konnten wir in dem Spiel ausfindig machen und diese kommen in ihrer Klischeebelastung nicht besser weg. Mädchen haben natürlich auch Hobbies und Wünsche: Sie backen gern, Schreiben, wollen Jungs kennen lernen, kaufen ein, sind Kindergärtnerinnen oder Erzieherinnen, helfen im Haushalt, schminken sich (ganze 4 mal geht es beim Spiel nur ums Schminken), wollen schön sein, sind eitel oder stur, reiten gern, machen Yoga oder Eiskunstlaufen.

Geht’s noch?

Jetzt werden sie – liebe Spielemacher_innen – aber sicher protestieren! Aber, aber! Es gibt auch eine (ja richtig, eine!) Frau, die gut in Mathe ist und ein Mädchen möchte sogar Pilotin werden. Ein Beruf, welcher laut Karte ein „Männerberuf“ ist (merken sie es eigentlich selbst?). Ein Mädchen besiegt sogar einen Mann. Na gut, er hat nur ein Auge. Ja ok, auch ein Holzbein. Aber eine Muslimin ist richtig gut im Schwimmen! Die muss doch klasse sein! Nur wird aus der Karriere leider nichts. Denn sie muss schließlich einen Burkini tragen und schämt sich dafür so sehr, dass sie zum Wettbewerb nicht erscheint. So ist das also als Muslimin. Schlimm. Meinen sie wirklich, sie werden dem Auftrag von Vielfaltsdarstellung gerecht und fördern so Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensentwürfen?

Davon abgesehen, dass die Darstellungen der Mädchen, welche von den klischeehaften Rollenzuweisen endlich einmal auch abweichen dürfen, ebenso wieder vollgestopft sind mit Kategorisierungen, verbirgt sich hier weiterhin ein großes Problem: Sie stehen als Einzelfälle da, als Abweichungen von der Norm. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei nicht um die normalen Mädchen, so wie eingangs beschrieben. Es sind wohl eher hier die wagemutigen Mädchen gemeint.

Liebe Mitmenschen: Bitte kauft Mädchen nicht dieses Spiel!
Es hilft nicht dabei, junge Frauen zu selbstbewussten Menschen zu erziehen, sondern ist nur ein weiteres Instrument, junge Frauen in ihrer Rollenzuweisung gefangen zu halten.

Alle Menschen sind gleichermaßen von Diskriminierungen betroffen. Sie können Opfer von sogenannten -Ismen (bewusste wie unbewusste dogmatische Kategorisierungen von Menschen mit diskriminierender Wirkung, zum Beispiel Rechtsextremismus, Antisemitismus, Sexismus, Rassismus, Nationalismus, Islamophobie, u.v.m.) werden, wenn sie die gesellschaftlich vorstrukturierten Rollenzuweisungen nicht erfüllen. Junge Mädchen sind auf Grund von Heteronormativität und sexuellen Vorurteilen mit besonderen Herausforderungen in ihrer Entwicklung konfrontiert. Diskriminierungserfahrungen werden weniger in Extremsituationen gemacht, sondern passieren dort, wo Jugendliche ihren Alltag leben: In der Schule oder während der Ausbildung, beim Einkaufen, bei der Wohnungssuche, auf Behörden und Ämtern, aber eben auch beim Spielen solcher vermeintlich harmlosen Spiele!


Together Krefeld

Treff und Café: Neue Linner Str. 61-36, 47799 Krefeld

Jeden 1., 3. Und 5. Dienstag im Monat (17-22 h) für Mädels

Jeden Freitag (17-22 h) gemischt

Kontakt: krefeld@together-virtuell.de

Das Together ist ein Treffpunkt für junge Menschen im Alter von 14 & 27 Jahren im Ruhrgebiet und am Niederrhein für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle und Unentschlossene.

Angebot: Kennenlernen, Freunde finden, Treffen, Quatschen & Spaß haben! Hier findest Du v.a. nette Leute, sehr schnell Kontakt, zwanglose Atmosphäre, günstige (weil nicht kommerzielle) Getränkepreise, Möglichkeiten für Spiel & Spaß (Kicker, Dart, Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, WII, PS3 etc.) und wenn’s bei Dir mal kriselt – auch nette Ansprechpersonen.

Wo: Essen, Gelsenkirchen, Mülheim, Krefeld, Kleve, Dinslaken

Wer, wie und was wir sind: SEHR VERSCHIEDEN, dick, dünn, groß, klein, Schüler*innen, Studierende, Arbeitslose, Angestellte, Beamte, Selbstständige, zwischen 14 und 27 Jahren, mit und ohne Migrationshintergrund, reich, arm, mit und ohne Fetische, Paare und Singles, schwul, lesbisch, bi, unentschlossen. Bei uns kannst Du übrigens auch aktiv werden. Zum Beispiel in der Aufklärungsarbeit an Schulen (u.a. SchLAu), in der politischen Arbeit, Du kannst Aktionen organisieren oder selbst eine Gruppe gründen… Denk Dir was aus!

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