Noch ein Gedanke: Und dann nenne ich meine Partnerin „mein Freund“!??

Wenn die Partnerin im Alltag kurzerhand zur guten Freundin oder sogar zum Freund wird...

Es stört mich gewaltig und ich habe das Gefühl, es dennoch nicht anders machen zu können. Der Grund ist das Gefühl, abgelehnt und schlechter behandelt zu werden…

Die Rede ist tatsächlich davon, dass, obwohl ich flächendeckend geoutet bin und seit Jahren offen und glücklich in meiner gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebe, ich diese in gewissen Alltagssituationen verleugne.

Ein gutes Beispiel ist der Arzttermin, den ich für meine Partnerin ausmache. Hier sage ich oft, ich rufe für eine – nicht meine – Freundin an. Eine weitere Situation, die erst kürzlich vorkam, war der Kauf unseres neuen Hundes. Dort eierte ich ziemlich lange rum und machte den Anschein, ich würde in einer WG leben. Letztendlich entschied ich mich dann doch zu sagen, dass wir ein Paar sind – für die Hundezüchterin gar kein Thema. Oder wie ist das mit der Buchung eines Wellness-Pakets? Auch hier sage ich, dass ich die Auszeit vom Alltag mit einer Freundin statt mit meiner Partnerin buche.

Ein extremeres Beispiel stellt ein Telefonat bei einer Hotelreservierung dar. Hier spreche ich entweder davon, dass ich gerne ein Doppelzimmer für mich und eine Freundin buchen möchte oder ich bezeichne meine Freundin kurzerhand als meinen Freund (mit dem Hintergedanken, dass man dann später ja annehmen könnte, dass ich statt Freund doch mit einer Freundin gefahren bin und wir uns halt gezwungenermaßen das Doppelbett teilen). Es kommt noch paranoider! Was, wenn ein homophober Mensch unser Zimmer fertig macht und dort unangenehme Überraschungen auf uns warten oder was, wenn dort eine versteckte Kamera angebracht wird, die wir nicht bemerken (ist soweit ich weiß noch nie vorgekommen)? Das Ganze geht sogar so weit, dass ich in unserer Beziehung mittlerweile für die Hotelzimmerbuchung zuständig bin. Meine Partnerin geht damit nämlich absolut offen um, was mir ja Unbehagen bereitet.

Ich schätze, ich könnte diese Situationen alle anders lösen, zumal ich wie gesagt geoutet bin und generell kein Problem mit meinem Lesbischsein habe. Trotzdem habe ich es bisher nicht geschafft! Offenbar fehlt mir hier das nötige Vertrauen in die Toleranz der Gesellschaft. Traurig – aber wahr!

Ich würde gerne wissen, ob es anderen ähnlich wie mir geht oder im besseren Fall ging? Erzählt doch einmal in den Kommentaren, wie es bei euch aussieht?

-Maria, 30

 

5 KOMMENTARE

  1. Liebe Maria, mir geht es genau so. Aus meiner Frau wird immer mein Freund. Und die Gedanken mit den Kameras im Hotel habe ich ebenfalls ständig. Meine Freundin findet das skurril, aber ich kann es nicht abstellen. Die meisten Menschen tun immer so offen, aber wenn man dann tatsächlich als gleichgeschlechtliches Paar auftaucht, schlucken die meisten..

  2. Liebe Maria,
    seit 25 Jahren lebe ich in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.
    Während ich damals nur von „Freundin“ sprach, spreche ich heute von Lebensgefährtin. Ich möchte mich mit 50 Jahren nicht mehr verstellen müssen, aber Du solltest es zukünftig auch nicht mehr tun!

    Liebe Grüße,
    Andrea aus NRW

  3. Hallo Maria!

    Ich bin 33 und seit 2,5 Jahren in meiner ersten gleichgeschlechtlichen Beziehung.
    Einzig vor einigen Vorgesetzten auf der Arbeit vermeide ich dieses Thema, aber behauptet, einen Freund zu haben, habe ich noch nie. Vor den Kollegen auf der Arbeit bin ich geoutet.

    Hotelbuchungen, Arztbesuche… – da heißt es immer „meine Freundin“. Was die Leute sich daraus zusammenreimen, ist mir dann egal. 🙂 Und manchmal sage ich sogar „meine Lebensgefährtin“, wenn mir gerade danach ist, es zu betonen.

    Liebe Grüße aus dem Norden der Republik.

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