Lesbische Liebesgeschichte im Game “Life is Strange – Before the Storm”

Im Videogame “Before the Storm” spielst du eine lesbische Protagonistin!!!

Im Videospiel “Before the Storm” spielst du eine lesbische Protagonistin und musst einige harte Entscheidungen treffen, um den Verlauf der Geschichte zu beeinflussen. Freundschaft oder Liebe? Lüge oder Wahrheit? Wie weit würdest du gehen, um die Menschen, die du liebst, zu beschützen? Ein emotionales Spiel, das zudem für LGBT-Sichtbarkeit sorgt.

In der Vorgeschichte von “Life is Strange” nimmt der Spieler die Rolle von Chloe Price ein, die ein ziemlich einsamer, rebellischer Teenager ist. Ihr Vater ist verstorben und ihre Mutter hat einen neuen Freund, den Chloe absolut nicht ausstehen kann. In Chloes tristen Alltag kommt schlagartig Bewegung, als sie auf einem Rockkonzert Rachel kennenlernt, das beliebteste Mädchen der Schule. Chloe weiß gar nicht, wie ihr geschieht, da hat Rachel sie bereits völlig in ihren Bann gezogen. Doch Rachel leidet unter den Lügen ihrer Familie, deren Geheimnis die beiden jungen Frauen aufdecken…

Anders als Max in “Life is Strange” verfügt Chloe nicht über die Fähigkeit, die Zeit zurückzuspulen. In diesem Punkt unterscheidet sich das Gameplay, das ansonsten wie bewährt auf die Entscheidungen setzt, die der Spieler in Situationen und Gesprächen trifft. Je nachdem, was Chloe tut oder sagt, verändern sich die weiteren Ereignisse – allerdings nicht in dramatischem Ausmaß. Teilweise wirkt “Before the Storm” mehr wie ein interaktiver Film als wie ein Videospiel. Nichtsdestotrotz fördert die psychologische Tiefe des Spiels sowie die Spielmechanik der zu treffenden Entscheidungen ein hohes Maß an Identifikationspotenzial mit Chloe und ihrer Welt. Das ist es, was viele Menschen an dieser Spielereihe so begeistert.

Hohes Identifikationspotenzial & LGBT-Repräsentation

Für lesbische Gamerinnen kommt ein besonderes Schmankerl dazu: Chloe und Rachel bilden das Liebespaar dieser Geschichte. Als Spieler kann man entscheiden, ob man es bei einer intensiven Freundschaft belässt, oder es zu einer Liebe werden lässt – in jedem Fall gibt es für Chloe keine andere romantische Option als Rachel. Dies unterscheidet sich von “Life is Strange”, bei dem der Spieler die Hauptfigur Max statt mit Chloe auch mit Schulkamerad Warren anbändeln lassen konnte. Somit setzt “Before the Storm” ein noch deutlicheres Statement pro LGBT-Charaktere und -Liebe, was in Videospielen bis heute noch eine Seltenheit ist. Ich muss zugeben, dass ich mich als Spielerin von Chloe ein Stück weit mit ihr gemeinsam in Rachel verknallt habe. Wie schön ist es, wenn man das als homosexuelle Gamerin dann tatsächlich auch im Spiel ausleben kann! In gefühlt 90% der Games da draußen sind die Charaktere ja doch heterosexuell.

So las ich in einem internationalen Forum auch prompt einen Thread, in dem die Schreiberin zur Debatte stellte, ob die lesbische Liebesgeschichte in “Before the Storm” nicht zu erzwungen sei – da der Spieler eben keine andere Wahl habe, als Chloe mit Rachel zusammenkommen zu lassen. Ein Gedanke, den ich natürlich nicht teilen kann – aber er zeigt, wie klar “Before the Storm” doch ein Ausrufezeichen setzt, in dem es lesbische Liebe ganz selbstverständlich ins Zentrum der Story stellt.

Für mich persönlich ist die “Life is Strange”-Reihe nicht nur deshalb eine ganz besondere, weil sie mich von dem Gameplay, das an meinem Gewissen und meiner Herangehensweise daran, Entscheidungen zu treffen, rüttelt, als auch von der emotionalen Story her so in sich hineinzieht – es ist auch noch ein Spiel, mit dem ich mich als lesbische Spielerin besonders gut identifizieren kann & das Homosexualität in einem Mainstream-Game repräsentiert. In Deutschland spielen im Schnitt über 7 Millionen Menschen mehrmals in der Woche Videospiele – es ist somit eine gewisse Reichweite, die Videospiele und ihre Geschichten haben. Somit ist die “Life is Strange”-Reihe nicht einfach nur ein gutes Spiel, sondern auch ein Beitrag zur LGBT-Sichtbarkeit in der Gesellschaft.

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Lina Kaiser
Lina Kaiser wurde 1990 im Ruhrpott geboren. Schon im Kindergartenalter bastelte sie kleine Bücher über die Geschichten, die sie faszinierten – von Helden und Liebe und garantierten Happy-Endings. Als Kind des Ruhrgebiets, diesem Ballungsraum geliebter Traditionsvereine, entwickelte sie bald eine Vorliebe für Fußball – leider erwies sie sich im Spiel als talentfrei. Eine weitere große Leidenschaft entbrannte für das Theater und Musical; doch auch hier folgte die Erkenntnis, dass sie für die Bühne nicht geschaffen war. Stets suchte sie also nach anderen Mitteln und Wegen ihre von Disneyfilmen verblendeten Träume auszuleben. Sie zeichnete Comics und füllte unzählige Tagebücher voll Pathos und Weltschmerz über ihre Teenager-Jahre an einer Mädchenschule. Eines Tages fiel ihr ein, dass sie auch über anderes schreiben könnte. Heute studiert sie. Doch hauptsächlich macht sie immer noch das, was sie immer tat: ihren Platz in der Welt suchen und den Weg dorthin in Worten festhalten. Veröffentlichte Bücher: Im Abseits der Lichter, Tanz ins Flutlicht

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