Lesbisch in China – Teil 3

China-Kolumne

Was bisher geschah:
Lesbisch in China -Teil 1
Lesbisch in China – Teil 2

Glücklicherweise nahmen mir die Mädels das Dating-Desaster nicht weiter übel. Sie selbst hatten schließlich auch mal etwas miteinander am Laufen gehabt. Wie sollten sie mir da böse sein? Lehrerin Nummer 1 zog sich dann von selbst zurück – wahrscheinlich hatten sie hinter meinem Rücken „Schere, Stein, Papier“ gespielt – aber das war mir nur recht. Meinem nächsten Date mit Lehrerin Nummer 2 stand also nichts mehr im Weg.

Wiedersehen mit Date Nummer 2

Wir fuhren gemeinsam zum Houhai See in Peking. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und rund um den See gab es Bars und Restaurants, die zum Verweilen einluden. Wir spazierten um den See, aber irgendwie war die Stimmung verkrampft. Sie sprach wenig und hielt auch kaum meine Hand. Das verunsicherte mich. Andererseits kaufte sie mir ein Eis und ein kleines Geschenk und bestand auch darauf, dass ich einen Oktopus am Spieß probieren müsse. Sie ließ mich nichts selber bezahlen. Der Oktopus war gar nicht so schlecht, nur ein bisschen seltsam von der Konsistenz und schwer zu kauen. Am Ende tranken wir noch ein Bier in ihrer liebsten Reggae-Kneipe und teilten uns eine Shisha.

Bei unserem dritten Treffen lernte sie die Jungs kennen, die bisweilen meine einzigen Freunde in China waren und mir versicherten, dass sie ihnen sehr sympathisch sei. Soweit so gut, denn die Schmetterlinge flatterten schon in meinem Bauch. Nur meine Mutter war nicht so optimistisch und warnte mich davor „nicht gleich mit der Erstbesten“ zusammenzukommen. Währenddessen scheiterte ich kläglich daran, hier eine Frauenfußballmannschaft ausfindig zu machen und schloss mich stattdessen einem Rugbyteam an. Das war zwar bisher nicht mein Sport, aber immerhin waren die Mädels nett. Dort war man allerdings auch ziemlich verwundert darüber, wie schnell ich hier schon Dates ausfindig gemacht hatte. Ich muss doch sagen, dass mich diese Aussagen zum Nachdenken brachten. Würde ich etwas verpassen, wenn ich mich schon jetzt nur auf eine Person konzentrierte? War sie wirklich die „Erstbeste“? Schreckliche Gedanken, die mich tatsächlich fast dazu bewegten alles zu beenden bevor es auch nur angefangen hatte.

So stand ich dann nach circa einem Monat nachts vor ihr, blickte in ihre wütenden Augen (ich hatte meine Bedenken nämlich per SMS mitgeteilt) und bemerkte sofort meinen Fehler: Ich wollte diese Frau überhaupt nicht hergeben. Scheiß auf alle Vernunft, damit sind Gefühle doch sowieso nicht zu erklären! Aus uns wurde ein Paar. Doch nur drei Monate später kam für mich der Schock: Sie erklärte mir, dass sie voraussichtlich in einem halben Jahr China verlassen würde. Ihr gefiel Peking nicht und auch ihre Arbeit hier machte sie zu der Zeit nicht wirklich glücklich. Die meisten Lehrer an internationalen Schulen wechseln alle zwei bis drei Jahre ihren Arbeitsort. Für mich brach eine Welt zusammen.

Natürlich verstand ich ihre Entscheidung und ich hätte niemals gewollt, dass sie nur für mich hierbleibt. Eine Woche lang versuchte ich irgendwie mit meinem Kummer klarzukommen, dann gab es plötzlich Hoffnung: Sie hatte noch ein Gespräch mit ihrem Chef. Diese ganze Zeit war furchtbar schwer für uns und auch für sie extrem frustrierend. Das Gespräch mit dem Chef lief nicht gut und ich versuchte schon mich mit der Situation abzufinden, da entschied sie sich aus irgendeinem Grund doch dazu hierzubleiben. Ich war unglaublich erleichtert.

Mittlerweile sind wir seit einem halben Jahr ein Paar und vor ein paar Tagen aus unserem ersten gemeinsamen Urlaub auf den Philippinen zurückgekehrt.

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