Lesbisch in China – Teil 2

China-Kolumne

Was bisher geschah: Lesbisch in China -Teil 1

Nach ein paar Wochen in China hatte ich endlich Freunde gefunden. Aber auch sie waren nur vorübergehend da. Es waren zwei Brüder und ihr Cousin, die ihre Eltern besuchten. Sie wohnten im selben Hochhaus wie wir. Abends trafen wir uns öfter im Garten auf ein paar Bier, spielten Billard, statteten dem nahe gelegenen Pub einen Besuch ab und wenn uns danach war, gingen wir danach noch zur Bar-street. Die Straße heißt wirklich so und ist in Peking sehr bekannt. Sie befindet sich im Ortsteil Sanlitun. Dort ließen wir eine Karikatur von uns zeichnen (und mal ehrlich, der hat mich gar nicht gut hingekriegt, oder?) und feierten dann in den Clubs bis um 3 Uhr morgens, denn dann machten sie zu. Komisch fanden wir das zwar, aber da wir uns nicht auskannten und nicht wussten, wo noch etwas los war, traten wir danach meist den Heimweg an.

Chinesinnen halten Händchen

Es war schön, endlich mal ein paar junge Leute gefunden zu haben, mit denen man quatschen, feiern und die Gegend erkunden konnte. Interessante Mädels habe ich aber nicht gesehen, wenn wir unterwegs waren. Ein paar Lesben waren schon dabei. Meist sahen sie extrem männlich aus und sowieso ist es bei den chinesischen Tomboys noch schwieriger zu erkennen, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt, weil chinesische Frauen weniger Rundungen haben als unsereins. Auf der Straße fiel mir besonders auf, dass chinesische Frauen im Allgemeinen sehr viel Händchen miteinander halten. „Das können doch nicht etwa alles Lesben sein?“, dachte ich zunächst. Nein, natürlich nicht. Es ist hier ganz normal mit der Mutti oder der besten Freundin Hand in Hand umher zu schlendern. Süß eigentlich. Rätsel gelöst.

Neue App – Neues Glück

So kam ich allerdings auch nicht wirklich weiter. Wo war sie denn nun – diese Szene? Also wieder ab ins Netz. Neue App, die auf dieser Seite der Welt mehr Erfolg versprach als Lesarion: OkCupid. Dort schrieben mich dann auch gleich einige Mädels an und es ergab sich die eine oder andere gute Konversation, auch wenn die meisten eher mittelmäßig aussahen auf ihren Fotos. Vielleicht bin ich ja auch zu wählerisch? Naja, am Ende waren dann doch zwei dabei, mit denen ich mich auch im realen Leben einmal treffen wollte.

Date 1

Das erste Mädchen gefiel mir optisch sehr gut und wir schrieben auch gar nicht so viel, sondern machten gleich ein Treffen aus – man will ja heutzutage keine Zeit mehr verlieren. Sie kam aus England und arbeitete hier als Lehrerin. Wir trafen uns mittags und sie lud mich in ein deutsches Restaurant ein. Da wir uns sehr gut verstanden spendierte ich ihr danach noch ein Eis. Sie sah wirklich gut aus, nur der Funke wollte nicht so recht überspringen. Sie machte immer wieder Andeutungen, dass sie eigentlich nur auf der Suche nach Freunden wäre. Irgendwann war ich mir gar nicht mehr sicher, ob das hier nun ein Date sein sollte oder nicht. Verwirrend. Vor allem trug sie nur ein Top und darunter keinen BH. Wer macht denn sowas? Sehr verwirrend. Aber gut, Freunde konnte ich hier auch gebrauchen, also machte ich mir keine allzu großen Hoffnungen auf mehr.

Date 2

Das zweite Mädchen war von den Fotos her optisch eher nicht so mein Typ. Aber wir schrieben sehr viel und verstanden uns dabei richtig gut. Sie war zu der Zeit noch im Urlaub zu Hause bei ihren Eltern in England und so mussten wir etwas warten, bis wir uns persönlich treffen konnten. Als sie dann wieder da war, hatte mich dummerweise eine Erkältung erwischt, so dass ich das erste Treffen absagen musste. Wir setzten einen neuen Termin an. An einem Freitagabend lud sie mich zum Essen ein. Es war ein recht schickes spanisches Tapas Restaurant und sie hatte sogar einen Tisch reserviert – beeindruckend. So saßen wir da nun und unterhielten uns. Ich bemerkte, dass sie nervös war. Das fand ich süß.

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Irgendetwas lag in der Luft. Diese Art, wie sie den Kopf zur Seite legte und mich ansah – es war definitiv eine Art Spannung da, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Das Essen war sehr lecker und da der Abend noch jung war, zeigte sie mir noch eine Bar in der Nähe, in die man durch eine Art Geheimgang hinein kam. Wenn man den Schalter gefunden hatte, schob sich eine Bücherwand zur Seite und man war in der Bar. Sie schlug vor, dass wir uns gegenseitig Cocktails bestellen. Hoffentlich würde ihr gefallen, was ich für sie aussuchte. Ich hatte Glück. Uns beiden schmeckte es. Wir sprachen über alles mögliche und bestellten jede noch einen Cocktail, ehe wir uns dann mehr oder weniger leicht angeheitert auf den Weg zur Bar-street machten. Dort trafen wir zufällig einen Kollegen von ihr und ließen uns dazu hinreißen, mit ihm und vielen anderen ihrer Kollegen in einem open air Club auf dem Dach eines der Häuser zu feiern. Sie war ebenfalls Lehrerin und alle waren sehr nett und feierten ausgelassen. Wir tranken Bier und tanzten auf den Tischen bis der morgen anbrach. Irgendwann küsste sie mich dann einfach vor allen. Das hätte ich nicht erwartet, aber es gefiel mir und machte Lust auf mehr. Zu Hause war ich erst, als es schon wieder hell war.

Merke: Profile sind zum Lesen da!

Im Nachhinein schaute ich mir dann im Internet die Profile von beiden Mädchen noch einmal an. Ich wusste genau, wen ich wiedersehen wollte, aber irgendetwas war mir in den Sinn gekommen. Immerhin waren sie beide Lehrerinnen und beide aus England. Und da fiel es mir auf: Es waren Fotos von ihnen zusammen online! Ich war allen Ernstes in eines der größten Fettnäpfchen überhaupt getreten: Ich hatte zwei beste Freundinnen gedatet!

Wie es weitergeht und ob es ein weiteres Date mit einer der Lehrerinnen gab, lest ihr in “Lesbisch in China – Teil 3“!

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