Lesbian Date Problems #1: This is how we do it

#LDP by Friska

Ich weiß nicht, wie es bei euch so ist, aber immer, wenn ich jemanden date, passiert etwas höchst Erstaunliches mit meiner Hirnaktivität. Sie verringert sich schlagartig auf ein Minimum und verweilt dann konstant bei knapp über Gefrierpunkt.
Resultat: Ich bilde mir ernsthaft ein, dass die Person, in die ich mich da so locker flockig beginne hineinzusteigern jetzt wirklich genau die Richtige und der Innbegriff all dessen ist, wonach ich immer gesucht habe – auch, wenn sie nüchtern betrachtet nicht mal ansatzweise ins Raster passt. Völlig vergessen, sobald mein komisches Unterbewusstsein es mal wieder auf eine abgesehen hat. Man ist ja schließlich flexibel und selber auch nicht gerade Angelina Jolie.
Deshalb wird, was nicht passt, im Handumdrehen passend gemacht: Reden ist nicht so ihre Stärke und generell hat sie ebenfalls eher mittelviel zu sagen? Gar kein Problem, das kriegen wir auch nonverbal kommuniziert! Ihr Freundeskreis besteht zu 97% aus der Sorte Mensch, mit dem sonst niemand etwas zu tun haben will? Egal, irgendwann werden wir bestimmt alle best friends! Sie hatte mit Ende Zwanzig noch nie ’ne Beziehung? Lag hundert Pro immer an den Anderen! Folgerichtig kommen wir zu der Erkenntnis, dass all das selbstverständlich gar nichts über betroffene Person aussagt und man an dieser Stelle auf gar keinen Fall voreilige Schlüsse ziehen sollte.
Wir stürzen uns ins Spektakel, sind heilfroh, dass dieser ganze Datingquatsch endlich passé ist und wir nicht mehr auf jede Homoparty der Stadt rennen müssen, nur um nichts bzw. niemanden zu verpassen. Wir deaktivieren sämtliche Lesbenchatprofile, auf denen wir uns immer alle kennenlernen, aber angeblich niemand angemeldet ist, verpflichten uns zu ewiger Treue und Aufrichtigkeit der Auserwählten gegenüber und stimmen unser komplettes zukünftiges Leben im Kopf schon mal auf das der ihren ab – was man halt so tut, nachdem man sich ein, zwei Mal getroffen hat.
Und dann geht der Spaß erst richtig los. Wir fangen an, uns zu verändern; sind unentspannt in ihrer Nähe und machen lauter bescheuerte Sachen, die uns sonst nie einfallen würden. Ich zum Beispiel habe doch tatsächlich mal einer Bekanntschaft zuliebe angefangen‚ ‚The Walking Dead‘ zu gucken, obwohl ich ansonsten beim kleinstem Grusel im TV panisch wegschalte. Andere wechseln ihre Kleidung, Haarfarben, Frisuren oder ganze Lebensstile, je nachdem, wen sie gerade neu kennenlernen. Nicht wenige verschwinden völlig aus der Weltgeschichte und tauchen erst dann wieder auf, wenn es endgültig keine Hoffnung mehr gibt für ein Leben zu zweit.

So sind wir halt. Und das bleibt natürlich auch der Außenwelt nicht verborgen, sodass deine Freundinnen, nachdem du dich zum gefühlt hundertsten Mal bei ihnen ausgeheult hast, sich irgendwann freundlich erkundigen, ob du nun endgültig bekloppt geworden bist und mal bitte wieder klarkommen könntest; was die Alte aus dir macht und ob du sie überhaupt schon mal richtig angeguckt hättest, diese hässliche Schabracke!
Aber da ist es meist schon zu spät. Wir wollen uns selbst und dem Rest der Welt beweisen, dass diesmal alles anders ist und es verdammt nochmal klappen wird. Im schlimmsten Fall haben wir voreilig alle Nummern von anderen Frauen aus unserem Handy gelöscht oder euphorisch verlauten lassen, dass wir endlich die ganz große Liebe gefunden haben. Irgendwie uncool, jetzt wieder kleinlaut zurückzurudern nach dem Motto: „Spaß! In Wirklichkeit wollte ich immer nur dich“. Also doktern wir noch ein paar Tage, Wochen, Monate aussichtslos an der Geschichte rum, merken, dass es irgendwie nicht besser, sondern immer nur noch schlimmer wird und ziehen letztlich die Reißleine, wenn es eigentlich schon viel zu spät ist. So spät, dass entweder wir oder sie oder alle auf einmal verletzt sind und erstmal `ne Weile brauchen, um über die Sache hinwegzukommen. An Freundschaft ist überhaupt nicht mehr zu denken und was bleibt ist die Hoffnung, dass sie wenigstens nicht sämtliche Peinlichkeiten ausplaudert, die im Laufe dieser Begegnung so zustande gekommen sind. Schließlich geht die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste oder übernächste, mit der wir uns drüber hinwegtrösten, in irgendeiner Weise mit ihrer Vorgängerin verbändelt ist, gegen erbitterte hundert Prozent.

Bei manchen Begegnungen ist es halt wie mit falsch zugeknöpften Hemden: Man merkt erst am Ende, dass man am Anfang bereits einen Fehler gemacht hat und wir wohl oder übel einsehen müssen, dass es Schwachsinn ist davon auszugehen, „was nicht ist kann ja noch werden“. Die Chemie zwischen zwei Menschen passt nämlich selbstverständlich nicht einfach dadurch, dass wir wir es uns krampfhaft versuchen einzureden.
Und die Moral von der Geschicht’? Seien wir doch mal ehrlich – draus lernen tun wir trotzdem nicht. Da kann ich euch noch so viel erzählen, was ich ab sofort übrigens häufiger tun werde.


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