Lesbian Date Problems #7: Heterofrauen

#LDP by Friska

Über Lesben, die was mit Heterofrauen haben und die Frage: Warum? Dicht gefolgt von: Könnt ihr das mal bitte lassen?!

Es soll sie ja tatsächlich noch geben, auch wenn viele Lesben es bezweifeln:
Heterofrauen ‐ also Frauen, die nicht auf Frauen stehen.
Dem übelsten Klischee zufolge kommen sie mit langen Haaren und Nägeln daher und machen nicht nur den armen Männern heutzutage, sondern auch sich selbst das Leben schwer. Vorrangig, indem sie sich untereinander anzicken, was neben shoppen und lästern bekanntermaßen zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört, oder indem sie sich gegenseitig beneiden, am liebsten hinsichtlich ihrer gegenseitigen Körpermaße und jeweiligen Wirkung auf Männer. Dabei scheint es der einen grundsätzlich ein Rätsel, warum die andere besser ankommt, schließlich ist die echt nichts Besonderes und erst recht nicht besser als sie selbst. Sie betrachten Frauen als Konkurrenz und unterstellen dem Rest der Frauen, genau das gleiche zu tun ‐ selbstverständlich ohne dabei von sich auf andere zu schließen (und leider auch ohne sich an die eigene Nase zu fassen).

Zum Glück gibt es ausreichend viele Frauen, die das Gegenteil davon beweisen.
You go grrls! Aber heute geht es leider nicht um euch.

Wer seid ihr und wenn ja, wie viele

Viele Heterofrauen stressen sich nicht nur untereinander, sondern auch den Rest der Menschheit beträchtlich. Männer zum Beispiel, indem sie von sämtlichen Bewunderung erwarten, relativ unabhängig davon, ob sie umgekehrt auch welche für sie übrig haben. Darum geht es nämlich gar nicht. Es geht darum, sich selbst toll finden zu können, indem andere einen toll finden. Bei vielen geht dieses Bedürfnis weit über Grenzen der Männerwelt, quasi bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter hinaus und macht folgerichtig auch vor uns Lesben keinen Halt. Denn wir besitzen ebenfalls die praktische Eigenschaft, ihrem Ego schmeicheln zu können und sei es nur in Form eines „Ja“s auf die berühmt berüchtigte Frage: „Bin ich eigentlich dein Typ?“. Wir alle kennen sie zur Genüge. Nicht wenige Heterofrauen werden der Männer zeitweise sogar gänzlich überdrüssig. Sie probieren sich nach einem gewissen Verschleiß dann zur Abwechslung auch „einfach mal“ mit Frauen aus. Dabei ist bei weitem nicht jede, die schon mal Sex mit einer Frau hatte, automatisch lesbisch. Im Grunde genommen ist sie nicht mal richtig bi, wenn sie lediglich mit Frauen schläft, weil sie sich von denen etwas erhofft, das ihr vom immanenten Zentrum ihrer Welt – den Herren der Schöpfung – bislang verwehrt geblieben ist oder dies gar ausschließlich zum Vergnügen jener tut ohne selbst darauf abzufahren. Wenn ihr mich fragt und auch wenn ihr das nicht tut, ist jede Frau hetero, die sich erstens nicht in eine andere Frau verlieben kann und zweitens, wenn sie auf kurz oder lang Schwänze vermisst. Sorry für die Wortwahl, aber sollten diese zwei
Komponenten aufeinandertreffen kann eine Frau mit noch so vielen Frauen schlafen, wenn der Tag lang ist – sie ist und bleibt hetero mehr als alles andere. Ein Umstand, den viele Lesben verkennen, wenn sie mit einer schlafen, die zuvor bekennend männerliebend war und allein deshalb die Hochzeitsglocken förmlich läuten hören. Denn auch, wenn es für einige vielleicht überraschend kommt: Lesbisch sein hat nicht ausschließlich etwas mit Sexualität und damit zu tun, mit wem wir verkehren. Ebenso wie Heterofrauen ihre Partner sicherlich für mehr lieben als lediglich deren Penisse. Aber die Kombi macht’s. Wenn sie letzteren (auf Dauer) nicht missen wollen und sich nur in Exemplare verlieben können, die einen besitzen, dann sind sie sicherlich vieles, aber ganz bestimmt nicht lesbisch.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Von mir aus kann die ganze Welt dieses Spielchen spielen, in dem es ausschließlich um Bestätigung und den Spaß an der Freude, nichts ernsthaftes und erst recht nichts dauerhaftes geht, das man seinen Eltern vorstellen müsste. Aber so einfach ist es eben meist nicht. Die Frage lautet: Warum tun wir es dann trotzdem?

Stop! In the name of love

Warum lassen sich so viele Lesben trotzdem auf Heterofrauen ein, obwohl es uns oftmals das Herz bricht? Zum einen – ganz klar ‐, weil keiner Frau auf die Stirn geschrieben steht, zu welchem Geschlecht sie sich hingezogen fühlt (davon kann ich ein Lied singen; Lesbian Date Problems #5: The invisible femme) und es dementsprechend jeder von uns passieren kann, dass wir uns ausgerechnet für eine Frau interessieren, die unsere Gefühle per Definition niemals erwidern wird. In den meisten Fällen ist dies derart ernüchternd, dass es dabei bleibt, was jedoch nicht alle von sich behaupten können und vielleicht auch gar nicht wollen. Viele von uns fühlen sich eigenen Bekundungen zufolge nämlich explizit zu Heterofrauen hingezogen und können einfach nicht die Finger von ihnen lassen, nur um ein um’s andere Mal festzustellen, dass es doch nicht so einfach ist wie sie sich das so vorgestellt haben. Fragt man dann warum sie es trotzdem nicht lassen können heißt es erschreckend oft, dass man sich eben nicht aussuchen könne, wo die Libido hinfällt und man untröstlich sei, aber es einfach irgendwie aufregend ist, eine Person zu erobern, bei der es dem Grunde nach aussichtslos erscheint. Es sei dann total die Bestätigung, wenn man sie doch rumkriegt – soll ja vorkommen -, wobei es sich, wie sie betonen, ausschließlich um Sex handele und keinerlei Gefühle im Spiel seien, weswegen sich auch niemand Sorgen machen müsse, man habe schließlich alles im Griff.

Jene Lesben bezweifeln also gar nicht, dass die jeweilige Frau in der Tat so hetero ist wie es scheint. Im Gegenteil. Sie sind sich dessen absolut bewusst und baggern trotzdem weiter, bis sie selbst und vor allem ihr Ego befriedigt ist. Insofern passen sie hervorragend zu den dazugehörigen Heterofrauen, denen ich prinzipiell das gleiche unterstelle. Blöd nur, dass wir im Gegensatz zu ihnen ständig Gefahr laufen, doch noch Gefühle zu entwickeln und am Ende doof dastehen, was Heterofrauen nicht passieren kann, weil sie dies nun mal gar nicht können. Genauso wenig wie sie einfach lesbisch werden, wenn wir nur fest genug daran glauben und uns so richtig ins Zeug legen. Not. Gonna. Happen. Nicht in hundert tausend Jahren.
Die Kunst besteht darin zu erkennen, ob es sich tatsächlich um eine Heterofrau handelt (oder doch eher eine Bi‐ oder anderweitig queere Frau, denn dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus) und Gesetz dem Fall konsequent die Finger davon zu lassen, falls man nicht gerade jene abgebrühte Stecherin ist, die viele eventuell gerne wären. Einfach, um sich nicht zu verbrennen. Meiner Meinung nach ist unser Leben nämlich viel zu kurz, um es mit dem Buhlen um eine Heterofrau zu verplempern.


Mehr Artikel der Kolumne „Lesbian Date Problems“ kannst du hier lesen!

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT