Lesbian Date Problems #2: Wunsch oder Realität

#LDP by Friska

An einem der letzten Wochenende versammelten sich nach viel zu langer Zeit endlich mal wieder sämtliche Szenelesben Berlins und die, die es noch werden möchten auf einem Haufen, um gemeinsam das Season-Opening einer hiesig beliebten Partyreihe -und sich selbst- zu zelebrieren. Tags darauf erhielt ich eine Nachricht von einer ortsfremden Bekanntschaft, mit der es vor kurzem nicht ganz so elegant auseinanderging. Zitat: “Alter. Die Mädels, mit denen du rummachst sehen aber auch aus wie Toilette (vor Lachen tränender Emoji) Gratulation.”.
Über solche Nachrichten freut man sich natürlich, wenn man mit dickem Schädel im Bett liegt und versucht, vom Hangover nicht zu sterben – mal abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, wie sie zu dieser Information überhaupt gelangen konnte und auch gar nicht weiter drüber nachdenken möchte. Persönlich anwesend war sie jedenfalls nicht. Ich war also damit beschäftigt zu rekonstruieren, wen sie wohl am ehesten damit gemeint haben könnte ohne zu fragen und entsann mich schlagartig an eine Szenerie, in der ich einer halbfremden Person auf der Tanzfläche gegenüberstand und irgendwie kein Bock hatte, mit ihr zu tanzen. Rumknutschen empfand ich als passendere Alternative. Rückblickend allerdings eher suboptimal, wie sich herausstellte, denn wir haben nicht mal richtig angefangen, da wurde ich schon weggezerrt und angepöbelt von wegen: „Jetzt geht’s ja los hier, schon mal die Augen aufgemacht, ich küss dich nie wieder!“ und so weiter und so fort. Und all das nicht etwa, weil betroffene Dame liiert mit zwei Kindern, Hund und Kegel, minderjährig oder sonst etwas war, sondern schlicht und ergreifend eben hässlich. Nach einhelliger Meinung meines Freundinnenkreises zumindest. Und meiner Stalkerin.
Ich fand das im Nachhinein betrachtet leicht übertrieben. Okay, eine Schönheit war sie wirklich nicht, aber dass ich dafür (zum wiederholten Male) von sämtlichen Seiten verbal förmlich gesteinigt wurde, tat nun wirklich nicht Not.

Bereits im ersten Teil dieser Kolumne habe ich es sanft anklingen lassen: Wir sind alle keine Angelinas, Caras oder Shanes. Der weitaus größte Teil von uns ist absolut durchschnittlich was das Aussehen betrifft und wahrscheinlich eine von denen, die, wenn wir sie nicht selber wären, im Vorbeigehen mit einem „naja, geht so“ abgestraft werden würden. Das tut den Ansprüchen, die die gemeine Lesbe an ihr potenzielles Gegenüber oder das ihrer Freundinnen stellt, allerdings keinerlei Abbruch. Im Gegenteil, wie mir scheint.

Wie viele Nächte musste ich schon damit verbringen mir anzuhören, dass alle hässlich und wir hier die Schönsten sind? Ich kann sie nicht mehr zählen und das liegt sicherlich nicht an meiner miserablen Matheschwäche. Auch nicht daran, dass ich nur wunderschöne Leute kenne, an die nun wirklich keine anderen ran reichen. Wir sind marginal hübscher oder hässlicher als die Lesben neben uns in den Clubs, die mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls gerade darüber stöhnen wie toll sie und wie scheiße doch alle anderen sind. Schlimmer als Männer, sag ich euch. Viele von uns haben keine minderen Selbstwahrnehmungsstörungen als Walter und Co von „Traumfrau gesucht“ auf RTL2. Dort suchen Männer via Vermittlungsagenturen junge, attraktive Frauen (vorwiegend aus Osteuropa), ohne ihnen, außer einem deutschen Pass, irgendetwas im Gegenzug bieten zu können. Ich selbst kenne auch viele Walters. Bei mir heißen sie allerdings eher Sandra, Ana, Julia und Karo. Was sie eint sind völlig utopische Ansprüche an andere Frauen bei gleichzeitiger Missachtung dessen, was sie selbst mitbringen bzw. eben nicht.
Das Blöde daran? Unzählig verpatzte Möglichkeiten, richtig tolle Menschen kennenzulernen, die vielleicht nicht äußerlich, dafür aber innerlich umso schöner sind und damit mal mehr, mal weniger gut zu uns passen. Oder einfach ’nen richtig guten Kuss. Just saying.


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