Langzeitbeziehung und ihre Tücken

Jeder hatte ein Leben vor der Beziehung! Meines sah so aus: ich vögelte rum und war Stammgast auf vielen-vielen Partys. Zugegeben, ich hatte viele Frauen und sammelte eine Menge Erfahrungen. Man könnte sagen, ich genoss es bis zum geht nicht mehr.

Wenn ich abends ausging, kam ich selten allein nach hause und nach dem Sex haute ich so gut wie immer direkt ab. Aber wenn ich mich mal auf eine Beziehung einließ, dann war ich treu. Fremdgehen könnte ich nicht, denn dazu brauche ich keine Beziehung – wenn ich nur Spaß haben will weiß ich ja, wie es geht. Das verrückte ist, ich selbst wurde betrogen. Gerade darum weiß ich, wie beschissen sich das für einen selbst anfühlt.

Meine wilde Vergangenheit machte mir aber auch des Öfteren Probleme. So hatte meine Freundin zu Beginn unserer Beziehung zum Beispiel arge Vertrauensprobleme mir gegenüber. Was soll ich sagen, ich war immer ehrlich zu ihr und mir war es lieber, sie erfährt von mir über meine Vergangenheit als über Dritte. Für mich hat Sex nicht zwingend etwas mit Liebe zu tun. Sex macht einfach Spaß und wenn er gut ist, kann es auch vorkommen, dass man mehrmals miteinander in der Kiste landet – ohne Liebe und Beziehung. Jetzt allerdings bin ich schon seit 3 Jahren in festen Händen und meine Frau ist wirklich ein super Glücksgriff.

Kommunikation ist der Schlüssel zum Glück

Trotzdem macht mir das Ganze zwischendurch Angst und ich würde lügen, wenn ich nicht manchmal mein altes Leben vermissen würde. Nicht, weil ich unglücklich bin – aber man ist halt doch immer nur zu zweit, hat einen gemeinsamen Haushalt, muss darauf achten, dass es beiden gut geht und Kompromisse eingehen. Ziel ist, dieses gesunde Miteinander finden, einander Freiheiten lassen und doch wieder genug Zeit füreinander finden. Das ist meiner Meinung nach das Schwierigste an allem.

Wenn ich daran denke, dass es Paare gibt, die schon zehn Jahre und noch länger zusammen sind, haut mich das fast um. Immer den gleichen Menschen neben sich zu haben, finde ich wirklich sehr beeindruckend. Aber ich denke, solche Paare haben sicherlich auch genau meine Ängste durchlebt. Wichtig ist, dass man miteinander darüber spricht, denn das macht es einfacher!

Die Frage ist doch, will man wirklich eine standfeste Beziehung hinschmeißen, nur um sich dann durch die Weltgeschichte zu vögeln? Nein, sowas tut man nicht! Besser arbeitet man daran und versucht, alles mögliche, damit sich dieser Knoten wieder löst. Damit habe ich nicht gesagt, dass das ein einfaches Unterfangen ist: man wohnt zusammen, sieht sich jeden Tag, die Gute-Nacht-Küsse werden seltener und die Leidenschaft, dieses “die Partnerin Begehren und Vermissen”, wird auch immer weniger, man spricht nur noch darüber, welche Rechnungen bezahlt werden müssen – ganz klar – der Alltag hat sich eingeschlichen! Soll das jetzt etwa die nächsten 30 Jahre so weitergehen? Soll das wirklich alles gewesen sein? NEIN – ganz sicher nicht – daran müssen wir arbeiten – gemeinsam!

Jeder ist seine eigene Chefin

Bei alldem darf nicht vergessen werden, dass neben dem Beziehungs-Wir auch noch ein eigenständiges Ich existiert und nicht verkümmern darf! Ein Ich, das seine eigenen Bedürfnisse hat, die befriedigt werden müssen. Darum haben wir uns die Lösung erarbeitet, dass wir auch unsere Freiräume haben und diese ganz genau so nutzen, wie unsere Ichs es wollen.

So habe ich meinen “Männer-Abend” mit meinen Kollegen und sie ihre Zeit mit ihren Freunden. Es tut uns gut, wenn wir unsere eigenen Geschichten erleben und sie uns dann hinterher erzählen. Input allein seitens der Beziehung reicht nicht, man braucht auch welchen von außen und der kann nur hereinschwappen, wenn wir nun einmal auch alleine Dinge erleben.

An einem Tag in der Woche haben wir also einen verabredeten und festen Paarabend – den Rest der Woche gestalten wir so, wie wir lustig sind. Das klappt super!

Für SIE war es eine Umstellung

Meine Freundin musste das zuerst lernen, es ist auch ihre längste Beziehung und sie war eher der Typ Couch-Potato – natürlich war ich es dann ihr zuliebe auch. Jetzt ist es anderes und seitdem ich mehr Freiraum habe auch wesentlich harmonischer zwischen uns. Ich bin eben ein sehr freiheitsliebender Mensch und klebe ungern non-stop mit jemandem zusammen! Mittlerweile hat auch sie für sich die Vorteile darin gefunden und ist jetzt selbst Fan von der ganzen Sache. 😉

Aktuell ist sie mit ihrer Familie für zehn Tage auf Gran Canaria und ich genieße mein Alleinsein und dass ich die Wohnung einmal ganz für mich habe. Aufgeben ist nicht unser Ding und ich bin froh darüber, dass wir immer weiter an uns arbeiten und uns nicht aufgeben. Bisher gab es wirklich einige Hürden in unserer Beziehung, aber zusammen konnten wir sie alle meistern und ich bin stolz darauf, mit IHR diese Beziehung zu führen!


Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen: Herumvögeln macht zwar Spaß, aber so eine wertvolle und stabile langjährige Beziehung noch viel mehr! In diesem Sinne – liebet und vermehret Euch!

Eure Sophie

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT