Mein erstes Mal: Freigedreht beim L-BEACH

Es gibt zwei Arten von L-BEACH Besucherinnen. Die einen, die jedes Jahr begeistert wiederkehren und die anderen, die einmal hinfahren und danach nie wieder. Reine Fleischschau sei das dort, sagen sie. Endlich war es soweit, ich fuhr hin und würde bald selbst herausfinden, zu welcher Sorte ich gehöre.

Zwei Autos vollgestopft mit Gepäck, Alkohol und sieben aufgeregten Mädels fuhren am Freitag los in Richtung Weissenhäuser Strand. Nach einer langen, nervenaufreibenden Fahrt – während der ich schon eine ganze Schachtel Zigaretten vernichtete – kamen wir endlich an. Die Gruppen an Frauen, die alle die gleiche, graue, hinten herabhängende Mütze zu tragen schienen, ließen gleich erkennen: Hier sind wir richtig! Auf dem Weg zu unseren Appartements sahen wir auch schon die ersten bekannten Gesichter. Nicht etwa aus dem Fernsehen, sondern von zu Hause aus der Disko. Hier niemanden zu treffen, den man schon kannte, wäre nahezu utopisch.

An den Appartements war nichts auszusetzen und nachdem wir uns eingerichtet hatten, wurde der Grill angeschmissen und das erste Bier geöffnet. Ganz wie es sich gehört, denn um 19 Uhr sollte es schon losgehen mit der Opening Party. Also tranken wir uns bei Winterjacken-Wetter den nötigen Alkoholpegel an, um im T-Shirt entspannt hinausgehen zu können und schlenderten die paar Meter zum Festzelt, wo uns Laing auf der Bühne empfing.

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Die Stimmung war super und trotz hoher Getränkepreise füllten sich die Becher immer und immer wieder wie von alleine auf. So kam es dann auch, dass Laings wohl bekanntester Refrain, „Ich bin morgens immer müde, aber abends werd ich wach. Morgens bin ich so solide, aber abends werd ich schwach.“, zu einer Art Motto des Wochenendes wurde.

imageLangsam wurde ich nämlich schwach und mich umgab ein dichter Nebel, der nur noch einige wenige Ereignisse durchließ bis zu einem tiefen schwarzen Loch aus dem ich erst am nächsten Morgen mit einem überdimensionalen Kater aufwachte. Um dann doch ein wenig wach zu werden, und weil ich vielleicht noch etwas alkoholisiert war, sprang ich zu allem Überfluss in die Ostsee und fror mir dabei halb die Beine ab. Gegen den Kater half es leider nicht, aber bei der Pool Party konnte ich mich wieder ein wenig aufwärmen und meinen Blick schweifen lassen. Natürlich ließ ich es mir dabei nicht entgehen, mindestens jede Rutsche einmal auszuprobieren und obwohl sich mein Kopf und mein Magen noch drehten, verpasste ich dafür gerne den letzten Bundesliga-Spieltag meines Vereins.

Der Samstagabend begann eher gemächlich, da der Freitag doch bei allen seine Spuren hinterlassen hatte. Eigentlich wollten wir ja Zweiraumwohnung sehen, aber bei einem gemütlichen Drink vorm Fernseher war uns das dann doch ziemlich Wurst: Der Eurovision Song Contest war zu spannend, um sich von der Couch zu lösen. Nach dem ernüchternden Ergebnis für Deutschland rafften wir uns aber endlich auf.

Erste Station: Darkroom. Den musste man schließlich wenigstens einmal gesehen haben. Sehen konnte man da drin zwar nicht viel, dafür waren die Geräusche und die verschwitzte Hitze umso eindeutiger. Ziemlich schnell waren wir – trotz Ermahnungen kichernd – wieder draußen und tanzten und feierten bis in den Morgen hinein. Dabei erklärte mir eine Freundin ganz nebenbei das schwarze Loch vom Vortag: „Guck mal, da haben wir gestern Jägermeister getrunken!“  Na super, dachte ich nur, während ich bereits den Nächsten in der Hand hielt.

L-Beach Verabschiedung (1)

Als am Sonntag die roten Luftballons in die Luft flogen und die Rückkehr in die Realität einläuteten, war ich wehmütig und erleichtert zugleich. Bleiben werden mir viele Erinnerungen und Begegnungen: ihre lustige Art, die mich so fasziniert hat, ihre Worte, die ich niemals vergessen werde und ihr Parfum und ihre Augen, die mich so gefangen nahmen; und die Gewissheit, sie alle frühestens in einem Jahr wiederzusehen – wenn überhaupt. Denn ich werde auf jeden Fall wiederkehren. Mit der Fleischschau hatten die anderen vielleicht recht, aber wie soll ich sagen: Mir gefällt‘s!

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Emily Jay
Rugby Spielerin, Weltenbummlerin und Serienjunkie

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