Kranzniederlegung: Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle

Kranzniederlegung in Lübeck am 23. Januar 2017

© Kevin Hackert

Am 23. Januar 2017 wurde bei der jährlichen Kranzniederlegung am „Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle“ in Lübeck an die Opfer der Nazi-Zeit gedacht.

Am 23. Januar 1937 wurden bei einer der größten Massenverhaftungen in der Nazi-Zeit 230 Männer im Rahmen einer Razzia in Lübeck verhaftet und zunächst in das als Gestapo-Zentrale dienende ehemalige Zeughaus am Dom gebracht. Dort wurden sie verhört und gefoltert um sich gegenseitig zu denunzieren. Die Schicksale der Betroffenen verliefen dabei unterschiedlich: Es wurden Anklagen wegen Verstoßes gegen §175 erhoben, es kam zu Gerichtsprozessen, Verurteilungen, zu Haftstrafen und einige Männer wurden ins KZ gebracht.

Die Nationalsozialisten hielten Homosexualität für eine „widernatürliche Veranlagung“, für eine den so genannten „Volkskörper“ schädigende „Seuche“, die „auszurotten“ sei. Schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurden im März 1933 Lokale geschlossen, die von Lesben oder Schwulen besucht wurden. Die vollständige Infrastruktur der ersten deutschen Homosexuellenbewegung, Lokale, Vereine, Verlage sowie Zeitschriften, wurde aufgelöst, verboten, zerschlagen und zerstört. Im Herbst 1934 setzte die systematische Verfolgung homosexueller Männer ein. Über 100.000 wurden polizeilich erfasst und rund die Hälfte wurde nach dem Strafrechtsparagraphen 175 verurteilt. Etwa 10.000 bis 15.000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt. Mehr als die Hälfte überlebten dies nicht. | Quelle: http://erinnern-luebeck.de/initiative

Ein zentraler Ort des Gedenkens an die Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft befindet sich heute an der Parade zwischen dem Zeughaus und dem Haus der Kulturen in Lübeck. Allerdings wurde hier nicht an die schwulen Opfer des Nazi-Regimes gedacht.

Lübecker CSD e.V. schafft Denkmal

Um dies zu ändern beschloss der Lübecker CSD e.V. 2013, alljährlich an jener Stelle einen Kranz an der Gedenkstätte für die vergessenen Männer zu legen und ihnen so endlich zu Gedenken. Am 23. Januar 2016 folgte dann die Enthüllung eines Denkmals, welches von dem Lübecker Künstler Erich Lethgau gefertigt wurde, für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Lübeck.

Die Inschrift lautet:

„In Erinnerung
an die Menschen,
die aufgrund ihrer
homosexuellen Identität
im Nationalsozialismus
verfolgt und ermordet wurden“

In diesem Jahr nahmen etwa 50 Menschen an der Gedenkveranstaltung teil und auch weitere Vereine sowie Parteien legten neben dem Lübecker CSD e.V. einen Kranz nieder. Im Anschluss lud das Haus der Kulturen zu Kaffee und Kuchen ein.

In seiner Rede sagt Christian Till, erster Vorsitzender des Lübecker CSD e.V.: „Es sind wieder die Schwächeren auf die gezeigt wird, als Grund für eine Gefährdung der inneren Sicherheit, der Sozialsysteme oder auch der Familie. Ein altbekanntes Muster, dass wir längst für überwunden hielten.“ Weiterhin fordert er: „Es ist unsere Aufgabe die stille, tolerante und demokratische Mehrheit zu sensibilisieren und zu aktivieren. Dabei müssen wir auch jene motivieren, deren Engagement nur bis zum eigenen Gartentor reicht und sich auf das Absetzen von Kommentaren auf Facebook beschränkt. Diesen Weg können wir nur über Bildung und Aufklärung gehen. Ängste und Vorurteile entstehen dort, wo Unwissenheit herrscht. Ein langer und mühsamer aber notwendiger Weg. Auch die Politik ist in der Pflicht Weichen zu stellen. So darf es zukünftig keine rechtliche Ungleichbehandlung von Lesben, Schwulen, Trans und Intersexuellen Menschen mehr geben. Wer selbst diskriminiert, kann von der Gesellschaft nicht erwarten, Menschen als gleichwertig zu behandeln. Darum fordern wir Jahr für Jahr die „Ehe für Alle“ und natürlich das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Unser Appell: Frau Merkel machen sie endlich das Mögliche möglich und beenden sie dieses Trauerspiel.


Weltweit ist das Lübecker Denkmal das 8. seiner Art in einem innerstädtischen Bereich nach z.B. Berlin, Köln, Frankfurt, Amsterdam oder Tel Aviv. Weitere Gedenktafeln befinden sich unter anderem in den KZ-Gedenkstätten Mauthausen, Neuengamme, Dachau oder Sachsenhausen.

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