Interview: Lina Kaiser

Autorin Lina Kaiser im Interview über das Thema Coming-out, ihren Roman "Im Abseits der Lichter" und die bald erscheinende Fortsetzung...

Liebe, Fußball, einige Coming-outs und Romeo und Julia sind eine Mischung, die wunderbar funktioniert!

Glaubt ihr nicht? Die junge Autorin Lina Kaiser beweist euch in ihrem Erstlingsroman „Im Abseits der Lichter“ gern das Gegenteil. Doch bevor wir euch das Buch vorstellen möchten (Rezension), richten wir die Aufmerksamkeit erst einmal auf Lina selbst. In einem Interview sprachen wir mit ihr über ihren Werdegang, ihren Roman, Homophobie im Fußball und… ach, lest einfach selbst:

Lina Kaiser
Lina Kaiser wurde 1990 im Ruhrpott geboren. © Julia Bornkessel

 

Wie war der Werdegang von “Im Abseits der Lichter”? Wie kam dir die Idee zum Buch? Wie lange hast du daran geschrieben und wie bist du zum Butze Verlag gekommen etc. ?

Lina: Die ursprüngliche Idee kam wohl daher, dass ich ein Buch vermisst habe, in dem ich mich wiederfinden konnte. In den Büchern mit homosexuellem Inhalt, die ich bis dahin gelesen hatte, fehlte mir oft die Beschreibung der Phase, in der sich die Protagonistin bewusst über ihre Sexualität wird. Oft war das in etwa so: „Huch, ich steh auf Frauen – aber ich find‘s voll OK!“ Das war mir etwas zu einfach. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die mal aufgreift, wie schwer es einem selbst fallen kann, wenn man entdeckt, dass man irgendwie anders ist. Dass man vielleicht selbst der Mensch ist, der das größte Problem mit sich hat. Und das am besten verpackt in einen Rahmen, der auch mal Herzklopfen auslösen kann. An einem Abend entstanden dann flugs die ersten Seiten von „Im Abseits der Lichter“ – doch dann wusste ich plötzlich nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Mehr als ein Jahr lang habe ich die Geschichte dann nicht mehr angerührt. Als ich mich dann an sie erinnerte und den Anfang noch einmal las, fielen mir plötzlich hunderte Dinge ein, die als nächstes passieren könnten. Ab da habe ich ungefähr drei Monate daran geschrieben und noch zwei Monate mit Verbesserungen verbracht. Als ich mich entschieden hatte, es mit dem Manuskript bei einem Verlag zu versuchen, ist mir der Butze Verlag sehr schnell begegnet. Da dort auch gerade ein Aufruf für neue Autoren auf der Internetseite war, habe ich mit dem Einschicken nicht lange gewartet.

Wie viel Lina steckt in Katinka, der Hauptfigur deines Buches?

Lina: Wahrscheinlich steckt in allen Charakteren des Buches ein bisschen mehr oder weniger Lina – sie kommen ja auch alle irgendwo aus meinem Kopf. Was Katinka eindeutig von mir hat, ist die Tendenz zum Grübeln. Andererseits handelt sie in vielen Momenten viel impulsiver, als ich es je tun würde.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Lina: Ich habe eigentlich schon in meinen ersten Schuljahren damit angefangen. Dabei kamen dann kleine verkrakelte Heftchen mit Geschichten raus, die im Prinzip nur meine Abwandlungen von anderen waren – sowas wie „Peter Pan“ oder „Der König der Löwen“ reloaded. Meine Familie musste sich das dann ansehen und ich war stolz.

Welche sind deine Lieblingsschriftsteller, die auch Einfluss auf dein Schreiben haben?

Lina: Das ist eine megaschwere Frage, die ich auch gar nicht genau beantworten kann. Bewusst orientiere ich mich an niemandem und schreibe aus dem Bauch heraus. Ich versuche mich einfach in die Stimmung der Geschichte fallen zu lassen. Lieblingsschriftsteller… ist schwierig zu sagen, weil ich eher Lieblingsbücher als Lieblingsschriftsteller habe. Ich könnte vielleicht J.K. Rowling nennen, die, wie ich finde, ein großartiges Werk mit der Harry Potter Reihe geschaffen hat, und mich damit meine ganze Jugend über begleitet hat. Aber da gibt es noch zahlreiche andere Bücher, die mich besonders mitgenommen haben – ob man davon etwas in meinem Schreiben wiederfindet… Ich weiß es nicht.

Und was machst du, wenn du nicht schreibst?

Lina: Zur Uni gehen und dafür tausend Texte lesen. Ansonsten verabrede ich mich gern mit Freunden und Familie oder schau mir gern mal einen Film an – oder eben Fußball.

Dein liebster Fussballverein?

Lina: Schalke 04.*hust*

Was sagst du zu Homophobie im Männerfussball und dem Umkehrschluss, dass sowieso alle Fussballerinnen lesbisch sind?

Lina: Ist es nicht verrückt zu glauben, es hätte irgendetwas mit Sexualität zu tun, wenn man gut und gerne gegen einen Ball tritt? Eigentlich völlig bescheuert. Ich finde es auf der einen Seite traurig, dass es vor lauter Angst vor homophoben Fans nicht einen einzigen aktiven, offen schwulen Fußballspieler gibt. Auf der anderen Seite verstehe ich, dass sich da niemand outen möchte – aller Anfang ist schwer. Für die Zukunft habe ich Hoffnung. Ich halte es da mit dem Lied von Marcus Wiebusch „Der Tag wird kommen“ – Menschen werden nicht ewig homophobe Vollidioten bleiben. Interessanter Weise machen es die Frauen ja vor. Ich glaube, seit der Frauenfußball hier in Deutschland mehr in den medialen Fokus gerückt ist, schwindet das Vorurteil, dass nur Lesben den Sport betreiben würden immer mehr. Dennoch sind im Frauenfußball deutlich mehr mit ihrer Sexualität ehrlich umgehende Personen zu finden als bei den Herren. Ich halte allerdings auch den Frauenfußball nicht für die Wohlfühloase der Lesben.  Wie mit dem Thema Homosexualität umgegangen wird, kommt eben immer individuell auf die Menschen an.

Wie war dein Coming-out?

Lina: Es hat lange gedauert, bis ich damit anfing – aber dann war es recht unspektakulär. So ein Outing ist ja nie einmalig, man muss sich immer mal wieder vor anderen Menschen outen. Und das finde ich auch jetzt nicht immer total einfach. Aber ich habe tatsächlich noch nie schlechte Erfahrungen damit gemacht. Die jeweiligen Beziehungen zu den Menschen haben sich durch mein Outing immer nur verbessert.

Was war das schönste Erlebnis, dass du bisher als Autorin hattest?

Lina: Das war wohl eine Lesung, die ich in Düsseldorf hatte. Die Mädels dort waren total lieb und interessiert – und dazu so viele. Meist sind meine Lesungen in überschaubaren Rahmen geblieben, aber da habe ich gemerkt, dass es doch wirklich viele Mädchen und junge Frauen gibt, denen „Im Abseits der Lichter“ was geben kann. Schön waren aber auch alle Bekundungen von Lesern, die sich in der Geschichte wiederfinden konnten oder durch sie nachdenklich gemacht wurden. Mehr kann man sich als Autorin gar nicht wünschen.

Kannst du uns schon was über neue Buchprojekte verraten?

Lina: Ich kann verraten, dass Katinkas Geschichte mit „Im Abseits der Lichter“ nicht beendet ist. Mit dem Butze-Verlag bin ich bereits über die FortsetzungTanz ins Flutlicht” einig und sie wird in diesem Jahr erscheinen. Wann genau, kann ich allerdings noch nicht sagen – vermutlich in der zweiten Jahreshälfte. Ich bin auf jeden Fall jetzt schon aufgeregt!


 

Im Abseits der Lichter

buchcover_im_abseits_der_lichter1Die 17-jährige Katinka führt ein geordnetes Leben: ihre Familie ist intakt, sie spielt leidenschaftlich gern Fußball und macht bald ihr Abitur. Alles scheint bestens, bis der unerwartete Kuss einer Mannschaftskameradin Katinkas Welt erschüttert. Plötzlich glauben alle, sie sei lesbisch!

Fluchtartig stürzt sie sich in einen Flirt mit einem Jungen, doch statt ihm kommt sie seiner Schwester näher, einem Vorzeigemädchen mit Streberattitüde. Das Gefühlschaos ist perfekt. Pendelnd zwischen Vereinsplatz und Theatersaal, Scheinheiligkeit und echten Gefühlen, muss Katinka erkennen, dass sich jeder hinter einer Maske versteckt – auch sie selbst.

Übrigens: Den Roman “Im Abseits der Lichter” gibt es bei allen bekannten Download-Portalen (audible, iTunes, claudio, musicload etc.) als Hörbuch!

Tanz ins Flutlicht

Tanz ins FlutlichtDie Abiturprüfungen stehen an. Katinka hat keine Ahnung, was sie danach beruflich machen will. Als hätte sie nicht schon genug mit ihrer ersten lesbischen Liebe zu tun: Sie fragt sich, wie Eltern und Freunde auf ihr Outing reagieren werden. Wird sie es auf Dauer schaffen, die Beziehung in der Schule geheim zu halten? Und findet sie es tatsächlich in Ordnung, dass Emilia mit einem Jungen zum Abiball geht? Als ihre alte Fußballkameradin Britta wieder auftaucht, wird alles noch komplizierter.

Katinkas Weg zum Erwachsenwerden führt sie hinaus aus dem Versteckspiel, mitten hinein ins Flutlicht.

 

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