Interview: Inga van Ginneken

Lesbischer Erotik-Roman

Zur Rezension des Buches „Marlene and me“ bot sich mir die Ehre, mit der Autorin Inga van Ginneken ein Interview über den Hintergrund des Buches und über ihre Person selbst führen.

Inga van Ginneken ist lesbische Autorin und Erotik-Fotografin, 34 Jahre alt und im realen Leben Personalleiterin in einem kleinen, sehr traditionellen schwäbischen Unternehmen.


In „Marlene and me“ geht es um erotische Spielereien und sogar Liebe zweier Frauen. Ist das dein Spezialgebiet oder schreibst du auch andere Prosatexte?

Inga van Ginneken: In gewisser Weise ist das mein Spezialgebiet, ja. Ich schreibe allerdings auch Gedichte (meist auf italienisch) und gelegentlich humoristische Satiren. Mein Herzblut liegt im Bereich Erotik, hierzu möchte ich jedoch ganz klar anmerken, dass die beiden Protagonistinnen in meinem Buch ein Liebespaar sind. Es geht um mehr als nur um Sexualität, es geht auch um Ängste, unterschwellige Sehnsüchte, tiefe Gefühle und große Zweifel.

Dein Buch mit erotischen Kurzgeschichten spricht in erster Linie lesbische Frauen an. War dies deine Intention oder vielmehr Zufall?

Inga van Ginneken: Es war absolut kein Zufall, zumal mein Buch in gewissen Teilen autobiographisch ist. Die Dame „Marlene“ existiert wirklich – wenn auch in gänzlich anderem Kontext als im Buch beschrieben. Ich habe hier meine Gefühle und meine Leidenschaft für diese Dame verarbeitet.

© Susanne Seiffert
© Susanne Seiffert

Du beschreibst den Liebesakt sehr anschaulich und poetisch. Wann kommen dir die Gedanken und Worte dazu?

Inga van Ginneken: Das kann ich nicht steuern. Zum Schreiben brauche ich eine Inspiration in Form einer realen Begebenheit – oder zumindest einen realen Ansatz, der meine Phantasie anregt. Das kann etwas sehr Simples sein. Und wenn es nur die Szene ist, in der „Marlene“ versucht, ein Huhn auf einen Bräter zu setzen und darüber lamentiert, dass es ihr nicht gelänge, weil das Huhn zu eng sei, nicht glitschig genug und sie zu ungeschickt… daraus werden dann meine Geschichten.

Wie lange schreibst du schon? Ist das dein Hobby oder hast du es zu deinem Beruf gemacht?

Inga van Ginneken: Schreiben ist mein Hobby. Ich schreibe schon, so lange ich denken kann. Meine erste Veröffentlichung – ein Prosa-Text zum Thema unerwiderte Liebe, erschienen in einem erotischen Jahrbuch eines renommierten Verlages – liegt 15 Jahre zurück. Ich habe als Kind und Teenager bereits Geschichten für meine Familie geschrieben, seinerzeit hauptsächlich Satiren über das ländliche, sehr spießige Umfeld, dem ich entstamme.

Beruhen deine Geschichten auf einer wahren Begebenheit?

Inga van Ginneken: Wie weiter oben erwähnt: Ja, aber nur bis zu einem gewissen Punkt – bis zu welchem, das bleibt der Phantasie meiner Leserinnen überlassen. „Marlene“ ist im realen Leben durchaus die brave schwäbische Hausfrau, als die ich sie beschreibe.

Wer sind die Personen auf den Fotos?

Inga van Ginneken: Das sind sind die beiden realen Vorbilder meiner Protagonistinnen.

© Susanne Seiffert
© Susanne Seiffert

Viele stellen sich vor, dass es Jahre dauern muss ein Buch zu schreiben. Wie lang hast du an dieser Sammlung gearbeitet?

Inga van Ginneken: Etwa ein halbes Jahr.

Das ging flott. Wenn du in dem Tempo weiterschreibst, werden weitere folgen?

Inga van Ginneken: Nicht mehr bezüglich der Dame „Marlene“. Aber ich arbeite bereits an einer neuen Sammlung. Wann diese erscheinen wird, ist allerdings noch völlig unklar, ich stehe erst am Anfang dieser Sammlung.

Liest du selbst erotische Romane oder Kurzgeschichten um dich inspirieren zu lassen? Was liest du allgemein gerne?

Inga van Ginneken: Erotische Geschichten oder Romane lese ich nicht, weil ich bisher kein solches Buch gefunden habe, was mich persönlich angesprochen hätte – ich habe Leseproben von „50 Shades of Grey“ und „Feuchtgebiete“ gelesen – beide haben mich dazu inspiriert, die entsprechenden Bücher NICHT zu kaufen. Ich lese zur Zeit gern Familien-Chroniken, die in der jüngeren deutschen Vergangenheit spielen. Mein letztes Buch war „Honigtot“ von Hanni Münzer, davor las ich „Altes Land“ von Dörte Hansen. Beides hervorragende Bücher, die allerdings in keinem Zusammenhang mit dem stehen, was ich selbst schreibe. Meine Inspirationen entstehen allein aus meinen Erfahrungen, Phantasien, Träumen, Wünschen.

Meinst du, es ist heutzutage noch ein Tabuthema erotische Bücher zu besitzen oder ist die Gesellschaft offener geworden?

Inga van Ginneken: Die Gesellschaft ist ganz sicher offener geworden, sonst hätte es keinen solchen Käuferkreis für die erotischen Mainstream-Romane gegeben, die in letzter Zeit veröffentlicht wurden. Lesbische erotische Geschichten sind natürlich – vor allem, wenn sie nicht zur Anregung männlicher, sondern weiblicher Phantasien dienen – eine gewisse Marktlücke.

Was sollen deine Geschichten in den Lesern auslösen?

Inga van Ginneken: Mein Buch ist als eine Art erotisches Märchenbuch zu verstehen, es soll die Phantasie anregen, verborgene Sehnsüchte ansprechen; vielleicht auch Mut machen, dass die eine oder andere eigene Phantasie gar nicht so abwegig ist, wie man vielleicht glauben mag.

© Susanne Seiffert
© Susanne Seiffert

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kati ruhl
geboren bin ich im weniger beschaulichen magdeburg. sehr schnell zog es mich aber in die stadt der dichter und denker nach weimar. mit dem schreiben beschäftige ich mich seit ich das erste mal meine buchstaben richtig aneinander reihen konnte. in meiner freizeit schreibe ich essays, kurzgeschichten, gedichte und theaterstücke. ich bin ausgebildete ergotherapeutin, widme mich aber gerade intensiv dem schreiben und meinem wohl.

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