Homophobie an Schulen

Homophobie: Homosexualität gehört in den Bildungsplan!

© Pixabay

„Du Schwuchtel!“ ist eine der meisten Beleidigungen auf dem Schulhof. Auch heute noch werden Menschen mit einer anderen Sexualität in der Schule diskriminiert. Homophobie ist Alltag! Dabei ist erst einmal egal, ob diese Beleidigungen von Mitschülern oder sogar vom Lehrpersonal ausgehen. Und keiner macht was dagegen… Obwohl Jugendliche gerade in diesem Alter diesbezüglich Unterstützung bräuchten.

Die Pubertät ist die Phase, in der der junge Heranwachsende sowieso stark mit sich und den Veränderungen seines Körpers zu kämpfen hat. Wenn man dann noch feststellt, dass man anders fühlt als die meisten Mitschüler und dies dann auch noch zu Diskriminierungen führt, läuft der Jugendliche schnell Gefahr, sich zurückzuziehen und vielleicht sogar selbst zu verleugnen. Auch besteht die Möglichkeit, keinen selbstbewussten bzw. gesunden Bezug zu seinem Körper aufzubauen und eventuell jahrelang darunter zu leiden.

Grund: Man selbst ist noch nicht gefestigt in seiner Meinung! Wenn dann eine große Masse anderer der Ansicht ist, man sei nicht „normal“, schwenkt dies leider häufig auf den noch ungefestigten Charakter des Jugendlichen über und schon bald teilt er dieselbe Meinung bezüglich seines eigenen Ichs. Probleme sind dann vorprogrammiert und oftmals beginnt ab diesem Zeitpunkt ein fieses Martyrium, aus dem es, je länger und intensiver es andauert, immer schwerer wird auszusteigen.

Diskriminierung & Mobbing

Obwohl die Menschen in Deutschland in den letzten Jahren bereits toleranter gegenüber Homosexualität eingestellt sind, scheint es für viele trotzdem noch unnormal zu sein, wenn jemand das gleiche Geschlecht dem anderen gegenüber bevorzugt.

Homophobie, d.h. Diskriminierung gegenüber Homosexuellen, ist auch heute Alltag an Schulen und es sollte dringend etwas dagegen getan werden!

Es fängt damit an, dass sich Freunde, denen man sein Innerstes anvertraut hat, danach von einem abwenden. Andere tun dies, weil sie die Neuigkeit über verschiedene Ecken mitbekommen haben. Schon bald hat man keinen Einfluss mehr darüber, wer was mitbekommt, wer wem was genau erzählt… Es ist wie ein Schneeballsystem – bald wissen es alle, ob man will oder nicht. Es aufzuhalten ist schier unmöglich.

Doch warum wenden sich sogenannte „Freunde“ plötzlich ab?

Es gibt mit Sicherheit mehrere Gründe, wieso sie das tun. Ich denke, es ist ein Mix aus Angst vor dem Unbekannten, Unsicherheit/ Unwissenheit und unbegründeten Vorurteilen gegenüber Homosexualität. Viele haben keinen Bezug zu dem Thema. Für sie ist es etwas Fremdes, eventuell sogar Bedrohliches, und sowas schiebt man leider oft lieber beiseite, als sich damit auseinander zu setzen. Es ist die pure Unsicherheit, wie man mit einem homosexuellen Menschen umgehen bzw. wie man sich ihm gegenüber Verhalten soll.

Einige befürchten, man könnte sich in sie verlieben. Andere wissen nicht, wie sie mit einer maskulinen Lesbe umgehen sollen: „Will sie jetzt lieber ein Mann sein? Soll ich sie begrüßen wie Jungs ihre Kumpel oder so wie ein Mädchen?“ Auch bei femininen lesbischen Frauen wirken gerade junge Männer oft etwas konfus: „Kann ich jetzt flirten? Sie wirkt doch so hetero…„.

Man darf nicht vergessen, dass sich alle Schüler einer Klasse in der Pubertät befinden und in Bezug auf das Thema Sexualität unsicher sind. Wenn sie später diesbezüglich gefestigt sind – sprich: sich in ihrer Sexualität gefunden haben und sich dieser halbwegs sicher sind – werden sie höchstwahrscheinlich auch anders auf das Thema reagieren und es nicht mehr als „bedrohlich“ wahrnehmen. Aber so stellen sich halt Fragen wie: „Was denkt meine lesbische Mitschülerin, wenn ich mich in der Umkleide vor ihr ausziehe?„. Natürlich ist dieser Gedanke weitestgehend unbegründet. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Mädchen genau auf sie steht, ist eher gering. Niemand steht auf alle Frauen, nur weil man auf Frauen steht… Und wenn ein Junge auf dieses Mädchen stehen würde und sie dies nicht erwidern sollte, wüsste sie sehr gut, wie sie ihm dies begreiflich machen würde. Nicht anders könnte sich sie gegenüber einer verliebten homosexuellen Mitschülerin verhalten. Eigentlich… Aber diesbezüglich fehlt es an Aufklärung! Aufklärung seitens des Unterrichts und seitens der Eltern. Ein offener Umgang mit dem Thema Homosexualität ist dringend notwendig, gerade in dem Alter der Selbstfindungsphase.

Ansonsten könnte die Reihenfolge eines jahrelangen Martyriums wie folgt aussehen:
1. Tuscheln
2. Lästern
3. Mobbing
4. womöglich Suizid

Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch die hohe Selbstmordrate von homosexuellen Jugendlichen, die leider keinen anderen Ausweg sehen, als sich das Leben zu nehmen, um so diesem harten Kampf um Akzeptanz und Toleranz zu entfliehen!

Besonders schwer haben es unter Umständen auch Mädchen, die es bevorzugen, sich sportlicher oder maskuliner zu kleiden. Sie fallen den Mitschülern vermerkt ins Auge und tragischerweise reicht oft auch nur der Kleidungsstil, um Mobbing in Gang zu setzen.

Idealerweise hat man einen Freundeskreis, der in dieser Situation zu einem steht, der einen liebt wie man ist und der auch vor den anderen für einen einsteht sowie Partei ergreift. Hat man diese Freunde, so ist dies ein großes Glück!

Ebenso sieht es mit dem Elternhaus aus. Wünschenswert ist, wenn gerade dieses einem den Rücken stärkt und es einem nicht noch schwerer macht, als es im Alltag sowieso schon ist.

Hilfe von außen

Zum Glück gibt es mittlerweile viele hilfreiche sowie geschulte Anlaufstellen für Jugendliche zum Thema Outing (Beratung) und ich rate jeder, diese für sich zu nutzen.

Coming Out Day
Lambda
Together


Aktuell wird in der Schulpolitik viel über das Thema Homophobie an Schulen bzw. im Bildungsplan diskutiert. Diesbezüglich entstand zum Beispiel das Projekt „Schule der Vielfalt“, eine Internetseite, auf der man Infomaterial über Homosexualität sowie Transsexualität für den Unterricht oder auch für Projekttage findet.

Ich finde, Toleranz und Respekt gegenüber anderen Menschen sollte jeder von Anfang an lernen! Homosexualität gehört sowohl in den Bildungsplan, als auch in die Aufklärungsarbeit von Eltern gegenüber ihren Kindern.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT