Friedenspreis für Philosophin und Publizistin Carolin Emcke

Carolin Emcke erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016!

Carolin Emcke erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016! Carolin Emcke mit dem Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller (r.) Copyright: Foto: Tobias Bohm

Der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 ging am Sonntag (24. Oktober 2016) an die renommierte Journalistin, Autorin und promovierte Philosophin Carolin Emcke.

Ort: Frankfurter Paulskirche. Carolin Emcke erhält den Friedenspreis, der seit 1950 als der bedeutendste Kulturpreis in Deutschland gilt, und beeindruckt mit einer besonderen Rede. Eine Rede, in der sie Vielfalt fordert und sich gegen Hass ausspricht: “Wir dürfen uns nicht wehrlos und sprachlos machen lassen!”

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, beschreibt Emcke mit folgenden Worten: “Sie schreibt das auf, was andere ihr erzählen und was sie selbst dabei empfindet, nämlich oft Angst, Wut und Hilflosigkeit.” Für ihn ist sie ein Vorbild, wenn es um nüchterne Chroniken einer “Welt in Aufruhr” geht.

Auch die Philosophin Selya Benhabib spricht in ihrer Laudatio über Emckes analytische Empathie, mittels der sie sich gegen die Sprachlosigkeit sowohl der Opfer von Gewalt als auch jener, die sich angesichts von grausamen Vorfällen in sich zurückziehen widersetze: “Emcke hat die Gabe, die Dinge so zu erzählen, dass die Lähmung des Denkens durch die allgegenwärtige Gewalt durchbrochen wird.”

In ihrer Rede rief die Preisträgerin die Menschen mit den Worten “Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut. […] Demokratie ist keine statische Gewissheit, sondern eine dynamische Übung im Umgang mit Ungewissheiten und Kritik.” dazu auf, sich gemeinsam für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft einzusetzen.

In Bezug auf die Rechtslage von Lesben und Schwulen warf die 49-Jährige die Frage auf:”Wir dürfen Reden halten in der Paulskirche, aber heiraten oder Kinder adoptieren dürfen wir nicht?” Weiter wies sie darauf hin, dass Menschenrechte kein Nullsummenspiel seien und das niemand seine Rechte verlieren würde, sollten sie allen zugesichert werden: “Menschenrechte sind voraussetzungslos!” Emcke fordert, dass “Zustimmung oder Abscheu zu individuellen Lebensentwürfen, sozialen Praktiken oder religiösen Überzeugungen” keine Rolle in Bezug auf Rechte spielen, denn dies sei immerhin “der Kern einer liberalen, offenen, säkularen Gesellschaft.” und kritisiert, dass “wir immer noch, jeden Tag, Gründe liefern sollen dafür, dass wir nicht nur halb, sondern ganz dazugehören. Als gäbe es eine Obergrenze für Menschlichkeit.”

“Als ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte, ahnte ich nicht, dass damit eine Zugehörigkeit verbunden wäre. Ich glaubte noch, wie und wen ich liebe, sei eine individuelle Frage, eine, die vor allem mein Leben auszeichnete und für andere, Fremde oder gar den Staat, nicht von Belang”, erklärt Emcke in ihrer Friedenspreisrede und ergänzt “Es ist eine ausgesprochen merkwürdige Erfahrung, dass etwas so Persönliches für andere so wichtig sein soll, dass sie für sich beanspruchen, in unsere Leben einzugreifen und uns Rechte oder Würde absprechen wollen. […] Manchmal frage ich mich, wessen Würde da beschädigt wird: unsere, die wir als nicht zugehörig erklärt werden, oder die Würde jener, die uns die Rechte, die zu uns gehören, absprechen wollen?

carolin-emckeIn ihrem aktuellen Buch “Gegen den Hass” wendet sich Carolin Emcke gegen den nationalistischen und religiösen Fanatismus. Einen Namen machte sich die Journalistin, die bisher insgesamt fünf Bücher veröffentlichte, bereits in jungen Jahren als Journalistin in Kriegs- und Krisengebieten. 2014 führte sie das erste Coming-out-Interview mit Fußballer Thomas Hitzlsperger (SzeneLesbe trifft Thomas Hitzlsperger).

Mehr Informationen: Rede zum Nachlesen und Video


Literatur von Carolin Emcke:

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