Emily zieht nach München: Erste Erfahrungen in der Szene!

Über Emilys erste Erfahrungen in der Münchener LGBT-Szene...

© Emily Jay

Pass auf, die werden dich mit Mistgabeln verfolgen!

– die deutsche Szene: Nord versus Süd –

Als ich einer Freundin vor fünf Monaten die Neuigkeiten unterbreitet habe, dass ich vielleicht nach München ziehen würde, sagte sie allen Ernstes zu mir: „Pass bloß auf, das sind doch dort alles Katholiken! Die werden dich als Lesbe mit Mistgabeln verfolgen!“ Ich habe das natürlich sofort als Quatsch abgetan. Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter! Auf die Szene war ich aber trotzdem sehr gespannt, da ich bisher nur im Norden Deutschlands unterwegs war und es mit Sicherheit einige Unterschiede geben musste.

Angst hatte ich jedoch keine, immerhin war München mit circa 1,43 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Deutschlands. Da würde schon was los sein! Und wie das Schicksal so spielt, war mein Bewerbungsgespräch genau einen Tag vor der CSD Parade in München. Das habe ich selbstverständlich direkt kombiniert und bin über das CSD Wochenende spontan in München geblieben, um mir die Szene und die Stadt anzusehen und zu schauen, wie es mir dort gefällt. Schließlich ging es um meine Zukunft. Man zieht ja nicht alle Tage in eine 600km entfernte Stadt.

© Emily Jay

Beim CSD in München haben 2017 laut offizieller Website 153.000 Menschen teilgenommen. Ich war eine von ihnen. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten in der neuen Stadt hatte ich dann auch den Anfangspunkt der Parade gefunden. Konnte ich da jetzt einfach bei einer beliebigen Gruppe mitlaufen? Ich war mir nicht sicher, tat es nach einer Weile dann aber einfach. Ganz alleine beim CSD mitzulaufen war für mich allerdings auch eine Premiere und machte nicht sonderlich viel Spaß. Vor allem, als mir auffiel wie viel jünger die Mädels um mich herum alle aussahen. Irgendetwas hatte ich falsch gemacht und als ich einen der Flyer in die Hände bekam, den meine Laufgruppe verteilte, wusste ich auch was: Ich war bei einem queeren Jugendtreff mitgelaufen! So ging es auf gar keinen Fall weiter. Ich brauchte jetzt ganz dringend Alkohol und Menschen, die keine 10 Jahre jünger waren als ich.

Die Suche nach Alkohol erwies sich als einiges schwieriger als gedacht. Ich musste den ganzen Weg zurück bis zum Ausgangspunkt der Parade, dem Marienplatz, zurücklaufen, um ein Bier zu bekommen. Zur Sicherheit kaufte ich gleich zwei Becher auf einmal und stellte mich wieder an den Rand der Parade. Diesmal würde ich besser Acht geben, wo ich mitlaufe. Ich wartete also etwas ab und nach einer Weile kam ein Wagen mit genau meinem Musikgeschmack um die Ecke. Eines der Mädchen drückte mir auch direkt einen kurzen Jägermeister in die Hand, den ich mir erstmal genehmigte, bis mir einfiel, dass genau dies mein Wagen sein musste! Ich lief also schnell hinter dem Wagen her und nach ein paar weiteren Jägermeistern machte es auch kaum noch etwas aus, dass ich niemanden kannte. Ich tanzte fröhlich vor mich hin und lernte dabei sogar noch ein paar nette Leute kennen.

© Emily Jay

Der CSD in München war für mich ein voller Erfolg und auch, wenn er Hamburg keine Konkurrenz machen konnte (dort ist einfach die Straßenfeier an der Binnenalster nicht zu übertreffen!), war es ein tolles Event. Ich habe den Job in München im Anschluss tatsächlich bekommen und bin vor circa vier Monaten in den Süden gezogen. Ob sich meine Erfahrungen von CSD bestätigt haben oder ob ich doch noch mit Mistgabeln verfolgt wurde, lest ihr im nächsten Teil.


Emily hat bereits einige andere Artikel und ihre Kolumne “Lesbisch in China” auf SzeneLesbe veröffentlicht!

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