Ellen (24): Erste Erfahrungen im Mädcheninternat

#OutProud

Ellen sammelte ihre ersten Erfahrungen im Mädcheninternat…

In Spanien gibt man Freundinnen ein „Küsschen“

Wahrscheinlich habt ihr alle schon Bilder von Lost and Delirious und all den anderen Klassikern im Kopf. Es ist eins der schönsten Klischees und für mich ist es Wirklichkeit. Und nein, ich hatte nichts mit der Lehrerin! (Ich heiße ja nicht Annabelle.) Aber lasst mich von vorne beginnen. Mit circa 15 Jahren ging meine wilde Phase los. Ich stand natürlich auf Kerle. Nicht, dass irgendeiner von denen mein Herz hätte höher schlagen lassen – außer der unerreichbare Typ, der mindestens zwei Jahrgänge über mir war und demnach eh nicht mit mir gesprochen hätte – aber daran kam mir soweit auch nichts seltsam vor. Ich lebte damals in Spanien, einem sehr leidenschaftlichen und liberalen Land. Meine Freundinnen und ich küssten uns regelmäßig auf Partys um die Aufmerksamkeit der Jungs auf uns zu ziehen oder um ihnen eine Abfuhr nach dem Motto „Sorry, aber wir stehen nicht auf Jungs.“ zu erteilen. Ja wir sind schuld daran, dass Männer uns das heute nicht abkaufen: wir haben damals ihre Phantasie genährt. Eine Beziehung mit einem Mädchen konnte ich mir jedoch beim besten Willen nicht vorstellen. Körperlich alles kein Problem, aber Gefühle? Nee, das können ruhig die anderen machen.

Tatort Mädcheninternat

Mit 16 bin ich dann für ein Jahr in die USA gegangen. Ich hatte ein Stipendium für ein Jahr in einem privaten Mädcheninternat bekommen. Mit Uniform und allem drum und dran. Es gab in der Nähe auch eine Jungenschule mit der gemeinsam Tanzabende veranstaltet wurden und an Freitagen fuhren wir zu der Jungenschule und schauten uns ihre American Football Spiele an. Ich wollte mal einen anderen Sport ausprobieren und begann mit Fechten. Fechten fand auch an der Jungenschule statt. Dort lernte ich dann meinen Freund kennen. Im Nachhinein muss ich mich ja für meinen schlechten Geschmack schämen, aber nun gut. Es hatte mit Liebe für mich auch nicht wirklich etwas zu tun. Ich suchte mir einfach denjenigen aus, den ich am besten fand, und setzte dann alles daran ihn zu kriegen. Meistens kriegte ich auch was ich wollte. Oft nicht auf Dauer, aber das war mir doch relativ egal, denn Liebeskummer war mir unbekannt. Der Typ blieb jedenfalls ne Weile mein Freund, aber man sah sich eher selten und er durfte nur in den Besucherraum des Internats (Kameraüberwacht). Die Abende alleine im Internat – vor allem am Wochenende, wenn man sich mal nicht einem der vielen Ausflüge und Unternehmungen angeschlossen hatte – konnten also noch ein wenig Action vertragen.

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Obwohl ich erst in der 11. Klasse war, teilte ich den Flur mit den 12. Klässlerinnen. Eines Abends war eine von ihnen als Einzige von unserem Flur mit mir  im Internat geblieben und wir schauten zusammen im gemeinsamen Wohnzimmer Ratatouille. Sie gehörte zu der Artsy-Clique, also jenen Leuten, die in den Schauspielproduktionen mitwirkten oder sich sonstwie besonders in den freien Künsten hervortaten. Ich weiß zwar nicht, ob sie irgendwie künstlerisch war, aber fast allen aus dieser Szene wurden gewisse sexuelle Neigungen nachgesagt. Da war ich doch neugierig! Möglicherweise kuschelten wir sogar schon rein platonisch, als ich mich mitten im Film zu ihr umdrehte und fragte: „Sag mal, auf was stehst du eigentlich?“. „Auf Jungs“, antwortete sie. Ich erwiderte: „Aber nicht nur, oder?“. Und daraufhin küssten wir uns. Meinem damaligen Freund war es egal, ob ich ab und zu was mit Mädchen hatte. Der war in der Hinsicht genauso blind wie die meisten Männer, aber zog auch bald den Schwanz ein und meldete sich einfach nicht mehr. Sehr weit verbreitete Technik bei den Kerlen, wie mir Hetero-Freundinnen oft berichten. Immerhin konnte es also fröhlich weitergehen mit dem heimlichen Mädchen-Geknutsche in der Waschküche oder im Gemeinschaftsbad. Bis uns dann eines Tages unsere Aufsichtsperson erwischte! „Habt ihr euch grad geküsst?“, fragte sie. „Natürlich nicht!“, meinten wir. „Passt bloß auf, dass euch kein anderer sieht!“, war ihre Antwort. Puh, da hatten wir nochmal Glück gehabt. So kam es, dass wir uns auf einem Wochenendausflug mit dem ganzen Flur zu der Ranch ihrer Familie (hatte ich erwähnt, dass ich mich in Texas befand?) ein Zimmer im Hotel teilen durften. Na na, nicht was ihr jetzt denkt. Als Tochter einer konservativen amerikanischen Familie muss man auch heute noch Jungfrau bleiben!

Deutschland – Lesbenfreie Zone?

Nach einem Jahr kam der Tag des Abschieds und ich ging zurück nach Deutschland, um dort mein Abi zu machen. Und plötzlich traf es mich wie ein Schlag ins Gesicht: Wo waren die bloß alle? Warum gab es hier keine eindeutig-zweideutige Clique und überhaupt, wo hatten die sich alle verkrochen? Da war es auch schon passiert: Ich verguckte mich in ein Mädchen von meiner Schule. Sie war einen Jahrgang über mir. Ich steh wohl auf älter, um nicht zu sagen unerreichbar. Sie hatte lange blonde Haare, die sie immer in einem Pferdeschwanz trug und war eine richtige Motorradbraut. Schwarze Klamotten, Lederjacke, blaue Augen und auch noch richtig witzig. Zu schade nur, dass sie einen festen Freund hatte.

Die erste richtige Lesbe traf ich nur durch Zufall. Ich war gerade mit einer Freundin und zwei Jungs, von denen mindestens einer versuchte bei mir zu landen, in einer Diskothek. Besser gesagt wir waren in der letzten Absteige der Stadt, die von allen, die etwas auf sich hielten, weiträumig umgangen wurde. Wir waren 17 und hielten nicht viel auf uns. Sie saß ein paar Tische weiter: Kurze Haare, Männerklamotten und ein verschmitztes Gesicht. Meine Chance war gekommen. Würde ich irgendeine Anziehungskraft auf sie ausüben oder musste ich mir ein für alle mal auch die Haare abschneiden und anfangen in der Männerabteilung einkaufen zu gehen? Ich warf einen koketten Blick zu ihr rüber und tatsächlich, sie kam einfach auf unseren Tisch zu. Sie begrüßte die Jungs – wie peinlich, anscheinend kannten sie sich – und lächelte mir kurz zu, dann ging sie weiter. Einer der Kerle hielt es für nötig mich aufzuklären: „Das war ein Mädchen.“. Ja danke, wusste ich schon. Hab ich aber nicht laut gesagt.

Erste feste Freundin

Sie hat sich im Anschluss von einem der beiden Jungs doch tatsächlich meine Telefonnummer besorgt und wir haben etwas später angefangen uns zu treffen. Alles war neu und aufregend und wir verstanden uns prächtig. Einen bestimmten „Typ“ Frau hatte ich noch nicht, sowieso habe ich gar nicht so viel nachgedacht. Nach ein paar Wochen hatte ich eines Abends vergessen mein Halstuch umzubinden, als ich kurz aus meinem Zimmer in die Küche ging und dort meiner Mutter begegnete. „Was hast du denn da am Hals?“ Naja, was soll ich da schon gehabt haben. Einen Knutschfleck hatte ich da. „Von wem ist der?“, fragte sie mich. Nun hatte ich zwei Möglichkeiten und ich entschied ziemlich schnell: Ich nannte ihr den Namen.  „Das habe ich mir schon gedacht.“, war die Reaktion meiner Mutter. Sonst nichts. Seltsam. Warum sie sich das überhaupt hätte denken können, wunderte mich schon sehr. Nun gut, ich hatte mich wahrscheinlich in letzter Zeit extrem oft mit besagtem Mädchen getroffen.

Das Outing

Da meine Mutter ja anscheinend so super damit klar kam, war es für mich auch in Ordnung, es nun wirklich mit ihr zu probieren. Ich hatte meine erste Freundin. Nur ein paar Tage, später allerdings zerplatzte der Traum. Meine Mutter stand aus heiterem Himmel vor der Schule und holte mich ab: „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Das muss aufhören. Du siehst dieses Mädchen nie wieder oder ich zeige sie bei der Polizei an!“. Das war zu dem Zeitpunkt eine ernst zu nehmende Drohung, denn ich war erst 17 und meine Freundin schon volljährig. Ich beendete also tatsächlich die Beziehung, hörte aber nicht auf mich mit ihr zu treffen. Circa ein Jahr lang war bei ihr mein zweites Zuhause, aber ihre Gefühle konnte ich doch nicht richtig erwidern. Wir blieben trotzdem noch sehr lange gute Freundinnen. Wenigstens so lange, bis sie sich neu verliebte.  An der Schule hatte ich nie jemandem gesagt, dass ich auf Frauen stand. Die meisten bemerkten es von selbst oder eben nicht. Ich versteckte mich nie und schrieb es mir auch nicht auf die Stirn. Ich verhielt mich wie jedes andere (hetero) Mädchen als wäre es das normalste auf der Welt, denn das war es für mich auch, und hatte dadurch nie Probleme mit Mitschülern. Probleme mit meiner Mutter habe ich allerdings heute noch, aber das ist eine andere Story.

1 KOMMENTAR

  1. Ich bin Sonja McDonell, 24, Swiss Airlines Flugbegleiterin. Ich war in der 6ten Klasse, als mir meine Eltern vorschlugen, die Sommerferien in einem Kloster zu verbringen. Ich war zuerst skeptisch, sagte dann aber ja. Sie brachten mich an einem Sonntag dann und die nette Oberin empfing mich herzlich, führte mich rum und zeigte mir dann mein Zimmer mit Balkon im 3ten Stock. Sie sagte dann, dass etwa 20 uhr 30 zwei Nonnen kämen, um mit mir zu beten. Ja, warum nicht. Ich war dann allaine und las auf dem Balkon das Buch ‚Nuns in the monastries‘. Ich war erstaunt, was da alles zu lesen war. Kurz vor 21 Uhre klopte es dann und 2 Nonnen kamen rein. Wir beteten und nachher offerierte ich ihnen einen Klostergarten Tee, den mir meine Mammi mitgegeben hatte. Ich hatte den Eindruck, dass ich beiden gefiel und ich sagte ihnen dann, dass sie sehr schön seien. Sie lächelten und bedankten sich. Dann sagte die Eine, dass sie, wenn ich will, bei mir schlafen können nach der Mitternachtsandacht. Wow … ich war begeistert. Sie kamen dann um etwa 00.30, umarmten und küssten mich und zogen sich aus. Dann ging’s los wie die feuerwehr, küssen, lecken, fingern, etc. Ich fragte dann, ob sie das mit jeden Mädchen, das für einige Wochen zu ihnen kommt, so machen. Die Antwort war nur ‚Geheimnis‘.

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