Dortmund: Fotoausstellung gegen Homophobie

Berswordthalle Dortmund

Am Donnerstag, den 17.5.2015, eröffnete passend zum Internationalen Tag gegen Homo- und Trans*phobie in der Berswordthalle in Dortmund die Ausstellung „ICH – DU – WIR„.

Die Botschaft „Mensch ist Mensch“ soll anhand von 24 Schwarz-Weiß-Fotos, typische Lebensmomente auf dem Weg zum Erwachsenwerden zeigen und Besuchern noch einmal vor Augen führen. Dazu zählen die Schuleinführung, das erste selbstverdiente Geld, der erste Rausch oder eben auch das Coming-out. Bis auf Letzteres alles Momente, die jeder nachvollziehen kann. Kurzum: An Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Trans*-Personen ist nichts Besonders – eine Botschaft, die gut zu Dortmund passt. „Dortmund steht für Vielfalt. Deswegen zeigen wir mit dieser Ausstellung Flagge“, sagt Susanne Hildebrandt von der Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente der Stadt Dortmund.

Zwei Coming-outs, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Gestaltet wurden die Fotos von Jugendlichen selbst. Sie haben sich das Ausstellungskonzept ausgedacht, die Fotos selbst geschossen und als authentische Models vor der Kamera gestanden. Zwei der MacherInnen sind Verena und Maik. Sie haben sich an ihr Coming-out erinnert und dieses in zwei Symbolbildern festgehalten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Maik sich eher nachdenklich gibt, sprudelt aus Verena die Lebensfreude heraus. Denn das ging ihr dabei durch den Kopf: „Ich kann ich sein, mit meiner Vorliebe zu Rockmusik, mit meiner ehrlichen Art und auch mit meiner Sexualität. Dieses Gefühl war so verdammt großartig.“ Bei Maik hingegen war es schwieriger. Aufgewachsen in einer polnischen, erzkatholischen Familie war das Coming-out für ihn eine zunächst riesige Hürde, die er dann ungeplant überwand: „Ich gestand es meiner Mutter bei einem Streitgespräch. Ich flog dann hochkant raus. Da ich meine eigene Wohnung hatte, war mir eigentlich mittlerweile egal was andere denken.“

Hilfestellen in Dortmund

In solchen Fällen haben Jugendliche in Dortmund Glück. Denn hier gibt es das „Sunrise„, eine Beratungsstelle und einen Jugendtreff für schwule, lesbische, bisexuelle und trans* Jugendliche. „Das Sunrise leistet einen täglichen Beitrag zur Vielfalt in unserer Stadt. Wir sind AnsprechpartnerInnen für Jugendliche, aber auch für Erwachsene und Lehrer zum Thema Coming-out“, sagt Jürgen Rausch vom Sunrise.


Die Ausstellung ist bis zum Donnerstag, 21. Mai, in Dortmund zu sehen. Eintritt frei.
Berswordthalle am Friedensplatz, U-Bahnhalt: Stadtgarten.

Ausschnitte aus der Ausstellung:

Verena

Alles in deinem Körper zieht sich zusammen, seit Wochen, Monaten.

Du weißt, wer du bist, aber du weißt nicht, ob dein Umfeld dich gutheißen wird.

Ich hatte panische Angst vor meinem Coming-out, habe kaum geschlafen oder gegessen – bis ich dem Druck nicht mehr standhalten konnte.

Meine Eltern reagierten toll, sie versprachen mir Rückhalt und endlich brach die gesamte Anspannung aus mir raus:

Ich kann ich sein, mit meiner Vorliebe zu Rockmusik, mit meiner ehrlichen Art und auch mit meiner Sexualität. Ich muss mich nicht verstellen, erst recht nicht in meinem engsten Umfeld bei meiner Familie, meinen Freunden. Dieses Gefühl war so verdammt großartig!

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Maik

Schwulsein war immer ein Tabuthema, denn ich wurde erzkatholisch erzogen. Da ich mit elf Jahren meinen ersten Kuss hatte und nicht wusste, wie ich ihn einordnen sollte, habe ich lange versucht es zu unterdrücken. Doch mit 15 Jahren war mir klar, dass ich schwul bin.

Klar war ungewiss, wie andere reagieren würden, doch ich musste den Schritt wagen. Erst outete ich mich bei einem schwulen Arbeitskollegen und es war gut. Aber dann kam die richtige Hürde: meine Familie!

Da ich meine eigene Wohnung hatte, war es mir mittlerweile egal, was andere denken. Und so gestand ich es meiner Mutter bei einem Streitgespräch. Ich flog hochkant raus. Aber es machte mir Spaß, ihr zu helfen, meine Klamotten aus dem Fenster zu werfen.

Was mich nicht tötet, macht mich nur stärker. Coming Out geschafft! 

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