Diskurs: „Butch/Femme“ – was ist das eigentlich?

Gedanken und Erlebnisse zum Heterosexismus, Diskriminierung, Genderismus und aktuellen Tendenzen in der deutschen Butch/Femme-Szene

Eine „Femme“ stellt fest: „Seit ich weiß, dass die Butch/Femme-Community sich vorsichtig gesagt eher nicht lesbisch definiert, bin ich mir sicher, dass ich keine Femme sein kann. Die Schubladen sind mir zu eng.“

Diesen Satz hörte ich von einer tollen Frau, den ich soweit unbeantwortet ließ. Aber der Satz erinnerte mich an etwas. An jemanden. An mich.

Ich will sie von nun an nicht mehr Femme nennen. Aber ich fürchte, sie kennt nur einen kleinen Teil der Community. Den Teil, der Heterosexismus zelebriert. Den Teil, der mich auch veräußerte und daraufhin sehr irritierte.

Eine Butch beschwerte sich. Eine Femme, mit der sie verheiratet war, hätte ihr Butch-Punkte für ihr Verhalten in allen möglichen Lebenslagen gegeben. Als besonders gravierend beschrieb sie einen Punktabzug, bei dem sie am Krankenbett einer nahestehenden Person weinte. Weinen ist also unbutchig?

Eine weitere Butch klagte über eine Femme, die sie täglich vögeln musste. Jedes Mal mit Strap-On. Sie konnte es nicht mehr sehen.

Eine Butch tat kund, BDSM wäre etwas tolles. Aber Femmes seien ausschließlich sub. Sie hätte noch keine Femme erlebt, die nicht sub wäre.

Eine gerontene Butch verlautbarte, Femmes können nicht bisexuell sein. Sie seien ausnahmslos lesbisch. Für mich schwer zu glauben, wo doch die allererste Femme, die ich je kennenlernte, eine Bisexuelle war. Aber wenigstens verwendete sie dieses fiese L-Wort. Sie war ja auch schon etwas älter.

Ich diskutierte mit einer anderen Femme. Ich beklagte mich über das Verhalten eines Transmannes, der mich in die Rolle einer Hetera zu drängen suchte. Ich stieß auf Unverständnis: Sie sagte, diese Rollenverteilung sei doch wunderbar.

Pseudoheterokonform hieß die Butch/Femme-Rollenverteilung einst. Jedoch trotzdem nicht heteronormativ. Ich beschwerte mich über Normativität.

Normativ ist es auch, Bigenderismus abzulehnen oder zu sagen, eine Femme wäre immer eine Femme und könne ihr Gender nicht wechseln. Schrieb Stephanie Kuhnen doch noch in „Butch/Femme, eine erotische Kultur“ (1997), welches im Querverlag erschien, ziemlich am Anfang, dass eine Femme ihre Butchqualitäten entdecken könne oder umgekehrt. Nichts ist in Stein gemeißelt. Alles andere wäre normativ. Eine Normierung.

Eine Ex-Freundin forderte einen Mann in meinem Namen heraus, er solle sich mit mir im Armdrücken messen. Ich lachte darüber und machte mit. Er schenkte mir nichts. Es gab keine Siegerin und keinen Sieger. Aber eine Verliererin: Ich hatte verloren, weil ich es nicht ernst nahm. Weil ich meinen Spaß hatte. Weil ich einer anderen Femme davon erzählte und diese mir dann erklärte, dass mein Verhalten unvereinbar mit dem Femme-Gender gewesen sei.

Das sind alles Beispiele für den Heterosexismus, der offenbar in manchen Teilen der Butch/Femme-Community grassiert und somit alltäglich stattzufinden scheint.

Eine Femme ist eine Femme, wenn sie die Fußballspieler der Nationalmannschaft nicht kennt. Eine Butch ist eine Butch, wenn sie sie kennt. Aha? Klingt vollkommen logisch! *Ironie* Aber ein reales Beispiel.

Offenbar bin ich nicht die Einzige, der das alles irgendwann zu viel wurde. Es war eigentlich kein Bruch mit meinem eigenem Gender. Es war mehr der Bruch mit einem Teil der Community, der sich hier vollzog. Butches und Femmes, die sich gegenseitig ihr Gender invalidieren, habe ich bisher nur auf Facebook gelesen. Oder besser: Nur solche per Facebook kennengelernt. Ich weiß nicht, warum es eine Differenz zwischen jenem Teil der Community, der auf Facebook postet und jenem, den ich im RealLife kennenlernen durfte, zu geben scheint.

Ich lese Mutmaßungen über den Grund und erfahre, dass viele der sich als Butch und Femme Identifizierenden noch nie ein Buch über diese Gender in der Hand hielten. Mutmaßungen? Vielleicht. Butch/Femme hat und hatte jedenfalls offiziell noch nie etwas mit Sexismus zu tun. Was kann jener Teil der Community eigentlich für sich beanspruchen, wenn er von angeblicher Toleranz redet, aber sich unisono über böse Lesben beschwert und sich in der Folge selbst von dieser Sexualität ausnimmt, während er dabei Heterosexismus in die Butch/Femme-Dynamik überträgt?

Eine Frage der Deutungshoheit…

Was bedeutet Toleranz, die man sich auf die eigene Fahne schreibt, für sich aber gleichzeitig in Anspruch nimmt die Deutungshohheit zu besitzen festzulegen, was eine Butch und eine Femme ausmacht? Anzunehmen, dass man dies binnen 5 Sekunden real feststellen und somit echte von falschen Butches unterscheiden könne? Und sagte Judith Butler nicht, das ein Gender, welches man zu stark ausdefiniert, angreifbar werden würde? Also ist die Grundlage nun nicht mehr die Flexibilität?

Es mag der ein oder andere Transmann darunter sein, der dies explizit zur Validierung seiner eigenen Männlichkeit tut. Das erfuhr ich leider öfter und erlebte es sogar selbst an mir. Aber das ist nur ein Teil des Problems. Würde man jene Männer aussortieren, würde es zwar weniger Mansplaining innerhalb der Community geben, gelebt sexistisch wäre sie allerdings noch immer.

Ich dachte immer, Butch/Femme hätte offiziell mit Feminismus zu tun. In Sabine Fuchs` Femme! (radikal – queer – feminin)-Buch wurde jenes Thema sogar in mehreren Kapiteln thematisiert. In Foren wurde darüber diskutiert. Real gab es Diskussionen darüber, oder es wurde direkt praktiziert. Butch/Femme nimmt und nahm in der Literatur schon immer für sich in Anspruch, Maskulinität und Femininität positiv zu brechen, Sexismen zu brechen sowie Gender und Geschlecht unabhängig voneinander zu sehen. So ist die Toleranz der Community entstanden, die auch jene Teile der intoleranten Community für sich in Anspruch zu nehmen „scheinen“ aber es doch nicht tun. Die Community hat sich verändert. Oder besser: Ein Teil davon hat sich verändert.

„Femmes sind keine Frauen!“ – ein Spruch, der vielen wohl bekannt ist.

Nun sagen Femmes, wie auch im dt. Femme!-Buch erwähnt, dass Femmes keine Frauen sind und in Folge dessen Femmes auch keine Lesben sein können.

Lassen wir uns die Frage nach der Deutungshoheit, was eine Butch und eine Femme zu sein hat, noch einmal erweitern: Wer hat die Deutungshoheit zu sagen, Butches und Femmes wären generell nicht lesbisch?


Aber es gibt durchaus Nicht-Frauen, die sich so definieren. Ein praktisches Beispiel: Ein weiblich geborener Mensch könnte eine Butch sein, nennt sich aber hetero sowie burschikos, betont die Maskulinität, ist gentle und lebt mit einer Femme zusammen, die männlich geboren wurde – es sogar fortwährend ist. Eine seltene Form einer male Femme. Sie könnten beide schwul sein oder sich Butch/Femme nennen. Die eine tut es. Die andere nicht. Die eine empfindet die Beziehung dann schwul, die andere aber lesbisch. Beide sehen Bezüge zu Butch/Femme. Akzeptanz wird gesucht. Über die Beziehung diskutiert. Es endet mit einem Ausschluss aus der illustren Runde. Mobbing. Männer sind keine Femmes. Oder das Gender ist Frauen vorbehalten, die sich neuerdings nicht mehr als Frauen definieren. Zumindest nicht die Mobbenden. Dafür dürfen Transmänner Butches sein. Logik wird als Folgerichtigkeit definiert und ist die Kunst des vernünftigen Schlussfolgerns. Manchen erschließt sie sich, manchen nicht. Mobbing ergibt auch selten einen Sinn.

Dabei ist Mobbing etwas, was wir doch alle kennen und schon immer kannten. Butches, die aus der lesbischen Community gemobbt worden sind, gab es früher viele. Es war ein Thema, aber nie ein großes. Es hätte schon früher mehr thematisiert werden sollen.

Heute sind es dagegen oftmals Femmes, die vielen Lesben eine Femme-Feindlichkeit unterstellen wollen. Gar von Misogynie (Frauenfeindlichkeit) war schon die Rede, was ebenfalls im dt. „Femme!-Buch“ von Sabine Fuchs thematisiert worden ist. Aber eigentlich sind die doch gar keine Frauen, oder nun doch wieder? Aber wenn es um Frauenfeindlichkeit geht, sind sie es doch wieder? Versteh` dat mal eine!

Alles, bloß nicht lesbisch! Eine Frage der Intoleranz.

So bin ich es nun, die einem Teil der Butch/Femme-Community eine Intoleranz unterstellt. Aber nicht nur: Früher nannte sich beinahe jede Butch lesbisch. Ebenso jede Femme, sofern sie nicht bisexuell war. Heute kommt mir ein Teil der Community lesbenfeindlich vor.

In dem Buch „Butch/Femme, Eine erotische Kultur“ von Stephanie Kuhnen (1997), welches im querverlag erschien, thematisierte die Autorin u.a. am Rand ihres kleinen „Butch/Femme“-Tests indirekt das von mir Angesprochene. Sie beschrieb am Ende des Buches, wie auf einem CSD eine Lesbe auf sie zu kam, ihr selbst diesen Test in die Hand drückte und etwas sagte wie: „Es gibt verschiedene Arten von Lesben. Und das ist auch gut so!

Also, seit wann sind Butches und Femmes eigentlich keine Lesben mehr? Diese moderne Erscheinung, die wohl eine Art von überzogenem Genderkonzept ist, invalidiert das Lesbischsein damit, dass Butches und Femmes keine Frauen sind und infolgedessen natürlich auch keine Lesben sein können.

Eine Frau, die sich Femme nennt und auf feminine Frauen und Butches steht, nennt sich infolgedessen also bisexuell. Aber wie nennt sich eine heterosexuelle Frau nun, die auf den adretten Galan und den bärtigen wilden Rockertyp von Mann steht? Auch bisexuell? Es sollte mich wundern!

Im alten Butch-Femme.de Forum wurde über dieses theoretische Konstrukt des Genderismus noch diskutiert. Ebenfalls vor allem darüber, dass Femmes keine Frauen wären. Eine Userin schrieb damals: „Theoretisch verstehe ich das zwar, aber in der Praxis ist mir das noch nie begegnet.“ – und traf damals in etwa den Punkt, den viele fühlten. Das Forum ist nun leider seit längerer Zeit down und ich kann nicht mehr nachprüfen, wann genau dies geschrieben wurde, aber der Satz blieb mir in guter Erinnerung.

Es sei an den Film Bound erinnert. Auf englischsprachigen Seiten, die den Film rezensieren, ist die Rede von, er wäre „about a butch lesbian.“ Sehr wohl eine Butch mit auf den Oberarm tätowierter Doppelaxt. Warum wird die Butch wohl eine Doppelaxt tragen? Es gibt mehrere Butches, die eine tragen. Warum sagt die Femme, dass sie sich ihre Sexualität nicht auf den Arm tätowieren muss? Welche Sexualität? Bisexualität?

In der englischsprachigen Wikipedia steht ganz am Anfang: Butch and femme are terms used in the lesbian subculture […] The terms were founded in lesbian communities in the twentieth century. Übersetzt: Butch und Femme sind Begriffe, die in der lesbischen Subkultur benutzt werden […] Die Begriffe wurden in der lesbischen Community des 20. Jahrhunders begründet.

Bei Urbandictonary.com wird eine „Butch Lesbe“ (Butch Lesbian) als Frau beschrieben, die sexuell an anderen Frauen interessiert ist. Bei den Synonyma wird ebenfalls Butch Dyke angegeben. Dyke wird ebenfalls mit Lesbe übersetzt.

Butch alleinstehend wird mit „sich maskulin verhaltende Frau innerhalb einer lesbischen Partnerschaft“ beschrieben, wobei Gender Ninja ebenfalls als Butch gemarkt wurde, was ja nicht falsch ist.

Afterellen.com benutzt die gleichen Begrifflichkeiten. Butch Woman und Butch lesbian. Natürlich kann im englischen das Wort Butch auch falsch verstanden werden. Aber die Verquickung von Butch-Frau und Butch-Lesbe ist hier überall gängige Normalität. Warum wohl? Weil Butches keine Lesben oder keine Frauen sind? Wohl kaum.

Femme hingegen ist viel eindeutiger. Es kommt aus dem franz., bedeutet Frau und es ist keinesfalls mit dem Butcher (Metzger) zu verwechseln und wird nie meinem einem Mann assoziiert. Es wird dennoch von Femme Lesbians geredet. So bei Afterellen.com, bei Wikipedia equivalent zu dem Begriff Butch oder bei Buzzfeed.com.


Seit wann sind wir also keine Lesben mehr? Seit wann keine Frauen?

Es gibt also verschiedene Arten von „Lesben“. Wohl auch die, die sagen, dass sie keine sind. Vielleicht ist es die Frage: „Was macht Lesbischsein aus?“ Die Frage, ob es nur eine Sexualität ist, eine Art Gemeinschaftsgefühl oder sogar mehr, nämlich eine Art Kultur. Warum? Weil hier Sexualität, die fernab von Heterosexismus existiert und damit frei davon sein sollte, zu einer Lebensrealität wird. Vielleicht ist es aber auch nur einfach die Frage, mit wem du ins Bett steigst.

Genderismus ist eine interessante Sache. Sie ist feministisch. Sie dekonstruiert Sexismus. Sie zeigt auf. Der Beginn dessen ist die Frage, was eine Frau, abseits des körperlichen Geschlechts, überhaupt ausmacht. Wie viele Mädchen hören in ihrer Kindheit bis heute noch, dass man als Mädchen dieses und jenes nicht täte? Nicht tun dürfe? Genderismus existiert schon lange, aber erst mit dem queerfeministischen Genderdiskurs darüber, wurde er dekonstruiert. Die alte Butch/Femme-Community dekonstruiert weiterhin Maskulinität und Femininität. Es ist und war im Ansatz nie eine Sache, die sexistisch war und folglich auch nichts, was exkludierte. Vor allem nicht das Lesbischsein oder die Biologie des weiblichen Geschlechts.

Wenn Butchsein und Femmesein heute das Lesbischsein exkludiert, dann hat der Sexismus gewonnen. Er hat gewonnen, wenn Bigenderismus das Butch- oder Femmesein negiert. Er hat gewonnen, wenn es keine male-Femmes geben darf. Und er hat auch gewonnen, wenn eine Femme kein Hanteltraining betreiben darf, kein Fußball spielen darf oder sie ihr Femmesein darüber definiert, dass sie die Namen der Fußballspieler der Nationalmannschaft nicht kennt. Exklusion hat mit Nicht-Dürfen zu tun. Es handelt sich hier um die Erlaubnis anderer, was eine Femme oder eine Butch tun darf und was nicht. Eine Definition eines Bildes, welches man entweder erfüllt oder man ist raus. Wie war das? Eine Butch darf nicht weinen?

Mir ist gerade zum Weinen.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Als Lesbe, die knappe 10 Jahre ein queerweibliches Gender trug, erkannte ich bei einer wundervollen Person eine Anlehnung an dieses Gender. Sie könnte eine Femme sein, dachte ich. Sie ist nun meine Partnerin und sie sagt über mich: „Maskuliner geht nicht mehr.“

Meine Kleidung ist so maskulin, dass ich auf dem Damenklo manchmal gemustert werde. So sehr, dass eine Verkäuferin mich beim nächtlichen Weihnachtsmarktbesuch als Mann bezeichnete.

Meine Partnerin verletzte es. Ich witzelte. „Nu` biste eine Hetera. Ätsch. Ich hatt` dich jewarnt.“ Mit scharfem Blick verurteilte sie die Verkäuferin, die sich beim Anblick meiner Shirtwölbung umgehend entschuldigte, um den gleichen Fehler danach noch einmal zu machen. Meine Partnerin sagte ihr, dass sie lesbisch sei und niemals etwas mit einem Mann anfangen würde. Sie sprach auch für mich. Indirekt. Es folgte eine neuerliche Entschuldigung und Ausreden. Es war der Verkäuferin peinlich. Dann machte ich meiner Süßen das Perlen-Armband um, das wir gekauft hatten.

Später, bei einem Glühwein und einem heißen Kakao mit Baileys, während wir rumwitzelten, Spaß hatten und begafft wurden, taten wir etwas, was das Femme-Gender wohl für manche zu negieren scheint: Sie hielt ihren Arm komisch auf dem Tisch. Ich deshalb meinen daneben. Es sah so passend aus. Es sah aus, wie die typische Haltung beim Armdrücken. So passierte es. Wir machten Armdrücken. Deshalb lachten wir. Wir witzelten weiter. Als wir gingen, half ich ihr in die Jacke. Eine Geste, die die einfache Bedeutung hatte, dass dies ein schöner Abend war. Wir waren wir selbst.

Ich bin keine Butch. Ich kann keine sein. Sie ist keine Femme. Und die eigentliche Frage bleibt für mich unbeantwortet:„Butch/Femme? Was ist das eigentlich?“

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Christine Ullmann
Ich denke, also bin ich. Ich lese, also schreibe ich. 2 Dinge die ich mag und die miteinander verbunden sind. Dabei bin ich mir nicht zu schade Ergüsse einiger Queertheoretiker/innen kritisch zu verfolgen sowie gute Dinge zu rezensieren. Als Vollblutmetalerin mag ich bunt gar nicht, aber schreibe doch über vieles unter dem Regenbogen.

6 KOMMENTARE

  1. Wie feige muss man sein um Inhalte aus einem Forum zu entnehmen, die in einem geschlossenen Bereich zu lesen sind, sie dann hier derart runterzumachen und die Personen deren Aussagen man aus dem Kontext gerissen hat nicht mal selber auf das was man so verachtet anzusprechen… Unglaublich. Beschämend für die Community.

    • Danke, Sarah, für Deine Worte. Ich schliesse mich Dir an: Auch ich bin entsetzt über diesen inhaltlich verwirrten und verzerrenden Text. Vor allem wie er zustande gekommen ist, ist ein Beispiel für „Netzunkultur“ inkl. kompletter Ignoranz von Datenschutz und Persönlichkeitrechten. Das hat nichts mit einem konstruktiven Beitrag zu „Mehr Community“, also mit Gemeinschaft zu tun. Das ist ein Ergebnis postfaktischen Trollverhaltens, das sich auf Kosten anderer selbst darstellen möchte.

      • Danke für Eure Kommentare, Sarah und Keleb. Ich habe dem eigentlich nur noch wenig hinzuzufügen. Christine Ullmann hat hier tatsächlich nicht mal die Grundzüge sauberen journalistischen – und wissenschaftlichen! denn sie gibt sich hier ja einen (pseudo)wissenschaftlichen Habitus – Arbeitens eingehalten. Ich halte es auch für hochgradig unethisch, wenn nicht gar umoralisch, Beiträge eines geschlossenen Forums so aus dem Kontext gerissen und ohne Einverständnis der Zitierten ins Netz zu stellen.
        Abgesehen davon ist dieser Artikel inhaltlich-argumentativ vollkommen wirr und sprachlich unsäglich schlecht geschrieben. Gab es hier kein Lektorat? Angeblich habt Ihr hier doch eine Redaktion, überprüft diese die Beiträge nicht bevor sie online gehen? Wie kann Euch denn so vollständig entgehen, dass das hier konfuses Geschreibsel ist? Ihr tut Euch und dieser Seite sicherlich keinen Gefallen mit einer derart nachlässigen Redaktionsarbeit.

    • Die beiträge die ich aus einem forum entnommen habe, stammten nicht aus geschlossenen bereichen. Man kann sie allenfalls semiöffentlich nennen und sind für jederfrau nach anmeldung einsehbar. Sie wurden nicht ais dem kontext gerissen.
      Weder verwendete ich namen, noch pseudonyme, noch benutzte ich wortwörtliche zitate. Dem schutz der jeweiligen Personen ist somit genüge getan worden. Mein vorgehen ist übrigens in den medien gängige praxis zum schutz von privatpersonen.

      Andere beispiele waren persönliche Erlebnisse oder erlebnisse persönlich bekannter personen. Ebenfalls alles komplett anonymisiert.

  2. Artikel wie diese, haben mir es lange Zeit schwer gemacht, Heimat zu finden.

    Ja, was ist butch und was femme? Existiert es? Wenn nicht, höre ich auf zu existieren? Wohl kaum. Selbst wenn man morgen in der Theorie beweisen könnte, dass es das Gender „butch“ nicht gibt, wäre ich immer noch ich und würde in dieser Mischung einen anderen bestimmten Typ anziehen, hätte ein bestimmtes Begehren und eine bestimmte Sexualität. Ja, das fließt für mich ineinander über.

    Was ist lesbisch? Laut Definition eine cis-Frau, die eine andere cis-Frau begehrt. Aber ich dachte, wir wären über die Diskussionen von „gender“ und „sex“ hinaus.

    Sexismus gibt es überall. Wir sind alle durch ein patriarchiales System geprägt und diese Prägungen zu verlassen, fällt nicht immer allen leicht, es gibt viele Fallstricke.

    Ja, es gibt unmögliche Femmes und sexistische Butches. Ist das eine neue Erkenntnis? Es wird nicht signifikant häufiger vorkommen als in der Gesamtbevölkerung. Egal, wo dieses Phänomen auftritt, sollte man darüber sprechen, natürlich. Ich denke, das findet auch statt.

    Von Facebook aus auf irgendetwas zu schließen ist gewagt. Das ist ein kleiner Ausschnitt einer großen Gruppe. Aus medienpsychologischer Sicht ist schon lange bekannt, dass es v.a. auf Facebook eigene Dynamiken und biases gibt.

    Als Autorin einen safe space, wie ein geschlossenes Forum auszunutzen, um selbst einen Artikel schreiben zu können, ist mehr als fragwürdig und beweist gar nichts, außer mangelnder Ethik. Der Artikel hätte auch ohne diese Verweise auskommen können.

    Deutungshoheit hat niemand. Und ja, manche Menschen mögen „Checklisten“ verwenden – wohl aus Unsicherheit. Mich persönlich kümmert das wenig, denn die Mehrheit derer, die ich sowohl on- als auf offline getroffen habe, verhalten sich nicht so.

    Es gibt ganz wunderbare Femmes, die mir viel beigebracht haben und Butches, ob in Deutschland oder Übersee, die sich mit mir solidarisieren. Einen einseitigen Artikel zu schreiben, in dem man nur negative Beispiele nennt und keine Vielfalt zeigt, ist einfach. Zynismus und Kritik sind so leicht …

    Menschen beweisen zu wollen, lesbisch sein müssen, überschreitet Grenzen.

    Identität und Begehren sind Dinge, die man vor allem fühlt und selbst am besten wahrnehmen kann. Vielleicht ist es etwas, dass sich allen Theorien entzieht. Ja, es gibt unterschiedliche Kombinationen und es gibt Femmes, die nur Stone Butches begehren – die weiteren Kombinationsmöglichkeiten zähle ich nicht auf – aber was ist dabei das Problem? Was geht mich das Begehren anderer Menschen an, die mich nicht betreffen? So lange alles in einem Konsens statt findet – wo ist das Problem?

    Nachdem ich denke, dass diejenigen butches und femmes, die sich nicht als lesbisch betrachten, eine Minderheit der Minderheit darstellen, muss sich die lesbische Welt nicht bedroht fühlen. Wir wollen euch nichts wegnehmen und nichts aberkennen – vielleicht ist es euch möglich, diesen Respekt zu erwidern.

    Manche halten butch/femme für ein Rollenspiel. Aber dann ist das ganze Leben nichts als ein Rollenspiel.

    Am Ende ist es einfach: die Menschen, die authentisch ihre Identiät ausleben können, sind mit die attraktivsten. Und der respektvollste Umgang besteht wohl darin, andere zu fragen, wer sie sind und was sie brauchen – ohne vorherige Erwartungen, ohne ihnen zu erklären, was sie nicht sein können und nicht brauchen dürfen. Vielleicht passen die Antworten nicht immer in unser eigenes Weltbild.

    Es ist schade, wenn es Angriffe innerhalb der Szene gibt, während die Bedrohungen von außen immer stärker werden.

    Wenn wir die Vielfalt in den eigenen Reihen nicht aushalten können, wie wollen wir das dann nach außen vertreten? Warum können wir Unterschiede nicht nebeneinander stehen lassen und akzeptieren und geschlossen nach außen stehen?

  3. Meine Güte macht Ihr lieben Kommentatorinnen hier ein Mimimi…

    Ich fand den Artikel spannend und es ist mir egal ob aus irgendwelchen geschlossenen Facebookgruppen zitert wurde. Es wurde schließlich anonym zitiert, das ist journalistisch völlig korrekt. Wobei dieser Text auch keinerlei journalistischen oder gar wissenschaftlichen Ansprüchen genügen muss. Es ist lediglich ein Blogeintrag. Ich haben ihn nicht als Angriff gelesen.

    Zur Frage „Butch/Femme? Was ist das eigentlich?“
    Selbstbezeichnungen von Menschen füllen diese jeweiligen Menschen immer mit ihren eigenen Inhalten. Schlußendlich sind es alles selbstgewählte Labels, die sich im Laufe der Zeit inhaltlich verschieben können und in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich gelesen werden.
    Butch/Femme war mal eine Bezeichnung in der englischsprachigen Lesbenszene. In Deutschland hieß das früher KV (Kesser Vater, gesprochen K Vau) und Femme.
    Dich hätte ich früher (rein vom Foto her) als Wald- und Wiesenlesbe bezeichnet (eben als ganz gewöhnliche Lesbe – keine Beleidigung).

    🙂

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