Jede von uns kennt es ja irgendwie bzw. hat zumindest einmal davon gehört: Manch eine Hetera hat ein ziemliches Interesse daran, mal eine Frau auszuprobieren. Da kann dann auch mal ein Herz brechen. Oder aber die Hetera bringt sich in skurrile Situationen und trägt damit dazu bei, eine Erinnerung zu werden, an die man gerne einmal mit einem Grinsen im Gesicht zurückdenkt.

Was ich zuvor nur durch Lästereien oder Beschwerden kannte, ist mir auch irgendwann einmal das erste Mal passiert. Ich traf eine interessierte Hetera. Ich war offen und dachte mir, dass ja schließlich nichts dabei wäre. Ich fand die gute Frau ja auch attraktiv. Sie war eloquent, sah gut aus, war nett, ehrlich … doch dann passierte es.

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Ich und Hetera (von links) © Pixabay

Es war das zweite Date. Wir waren gerade im Park spazieren, der Mond schien und es war ca. 12 Uhr, also mitten in der Nacht. Es war fast niemand da. Da sagte sie aus heiterem Himmel:

„Wenn du willst, dann kannst du mich hier haben.“

Ungewöhnlich? Nun, es war tiefster Winter. Wir hatten 5 Grad unter dem Gefrierpunkt und der Schnee war knietief. Meine Lederjacke reichte gerade aus, um mich halbwegs zu wärmen. Der kurze Gedanke an Sex löste in mir ob der Kälte genau gar nichts aus. Ich dachte allenfalls an Glatteis, im Falle wenn, …

Hier mein erster klarer Gedanke, was Heteras manchmal so umtreibt. Lag es an ihr? War sie unsicher? Vermutlich.

Fallbeispiel bisexuelle Ex-Freundin und heterosexuelle WG-Mitbewohnerin

© Pixabay
Ich, Ex-Freundin und “Hetera” (von links) © Pixabay

Dann besuchte ich erst neulich meine Ex-Freundin. Sie lebt mittlerweile mit einer Hetera in einer Wohngemeinschaft, ist selbst bisexuell und sammelte nach mir eigentlich nur Erfahrungen mit Männern, was ihre Mitbewohnerin wohl auch wusste. Also beides.

Aber wie ich dann da war bemerkte ich, das ihre Mitbewohnerin richtig überschwänglich war. Ich machte mir nichts daraus, denn offenbar hatte sie gerade einige Probleme und freute sich auch, mich genauer kennen zu lernen.

Sie redete viel. Sehr viel. Leider tat sie das auch, als wir am Essen waren. Es war Morgens beim Frühstück, wir – also ich und meine Exfreundin – hatten die Augen zwar schon offen, aber waren noch nicht ganz da. Die Frau zu meiner Linken redete und redete und redete, wie ein Radio, das unaufhörlich nervige Musik spielt. Mal nickte ich, mal schüttelte ich den Kopf, mal sagte ich ein bis zwei Worte. Zu mehr hatte ich jedenfalls keine Chance. Ich nahm noch einen Bissen vom Brot und kaute. Da kam er, dieser Satz. Völlig zusammenhangslos. Aus heiterem Himmel.

„Wie funktioniert eigentlich der Sex mit Frauen?“

Ich hörte das Kauen auf. Ich brauchte einen kleinen Moment um die Frage richtig zu verdauen. Da war sie, diese Frage. Die Fragestellerin guckte mich an und wartete auf Antwort. Gut, sie war wohl ernst gemeint.

Ich kaute erst einmal zu Ende. Dabei machte ich mir Gedanken, was ich sagen sollte. Geistig ging ich alle möglichen Situationen durch. Ich dachte an Erlebtes. Mal war ich oben, mal unten, mal seitlich, mal versuchte ich BDSM, mal Strapon-Sex, mal aktiv, mal passiv, mal war ein Knie involviert, mal Finger, mal wurde die Nase feucht, mal nicht. Ich hatte Quickis, mal sanft, mal hart, … irgendwie war alles dabei, was es überhaupt so gibt und dann war es mit jeder irgendwie total anders.

Ich schluckte. Es waren erst fünf Sekunden seit Fragestellung vorbei.

Ich spülte kurz mit einem Glas Wasser nach. Sollte ich sagen, das es schöner ist? Habe ich Vergleichswerte? Eigentlich nicht. Zärtlicher? Keine Ahnung, wie ist es denn bei Heteros? Ich hatte keine eigenen Erlebnisse und folgerichtig keine Ahnung.

Ich schluckte runter. Mit einem kurzem „Ääähhhm“ verschaffte ich mir noch etwas Zeit. Dann kam mir die rettende Idee: Es ist sehr individuell! Ja, das war toll! Genau so ist es! Ich guckte sie an. Das “Ääähhhm” verklang im Raum und ich setzt an, ihr genau das zu sagen. Zu sagen, dass man es nicht pauschal sagen könne, weil Sex immer sehr individuell ist. Es waren nun acht Sekunden seit Fragestellung vergangen, da drehte sich die Hetera zu meiner Ex-Freundin um und meinte nur: „Obwohl, … wollen wir das eigentlich wissen?!“

Gut, dass ich das Wasser bereits runtergeschluckt hatte. Ich guckte meine Exfreundin an. Sie guckte mich an. Mein Blick verriet „Ist die auch bei dir so?“ und ihrer sagte mir: „Ich wundere mich schon über sie!“

Die Hetera verließ alsbald die Küche. Ich fragte noch einmal genauer nach. „Ich denke, sie will sich aufspielen.“ bekam ich als Antwort. Hmm. Aha. Okay. Ich beschloss das Ganze zu ignorieren und widmete mich wieder meinem Toast.

Die Hetera verhielt sich soweit wieder relativ normal. Ich unternahm die nächsten paar Tage vor allem etwas mit meiner Exfreundin, wir quatschten, wir lachten, wir machten alles mögliche. Eines abends jedoch war meine Ex-Freundin sehr müde und schlich ins Bett, während die Mitbewohnerin noch hellwach war. Sie setzte sich zu mir rüber ins Wohnzimmer, wo ich schlief. Da ich nun fast eine Woche da war und soweit nichts mehr passiert war, machte ich mir nichts daraus.

© Pixabay
“Hetera” und ich (von links) © Pixabay

Ich trank ein Glas Baileys und sie einen Amaretto…  Sie stellte mir irgendeine Frage. Irgendwas, wie man denn erkennt, ob die Frau, die man vor sich hat, eine Lesbe ist. Also wie man sich kennenlernen würde. Ich beantwortete ihr die Frage anhand dessen, wie ich bereits Frauen kennenlernte: Real in der Bar, per Internet, per Single-Gruppe, auf dem CSD. Es war alles dabei.

„Wie komme ich dir denn vor?“, wollte sie wissen. Gemeint war, ob sie für mich wie eine Hetera wirken würde, oder etwa anders. Ich sagte ihr: “Wie eine Hete..ra.“, denn zu diesem Zeitpunkt ging sie mir schon wieder auf den Keks. Was kam jetzt? Was folgte?

Sie tat kund, das sie ja eigentlich bi wäre und dass man dies nicht sehen würde. Ja genau, so war es: Selbst ungeschminkt wirkte sie absolut wie eine Hetera.

Nun jammerte sie ein bisschen. Sie wäre nicht der Typ für den sich Frauen interessieren würden. Wollte sie Mitleid? Hatte sie Interesse? Wollte sie sich wirklich nur aufspielen? Ich hatte keine Ahnung, also beantwortete ich ihre Aussage mit der lapidaren Kurzinfo, dass verschiedene Frauen auf verschiedene Frauentypen stünden und jeder Topf einen Deckel fände.

Damit war der Abend beendet und wir gingen ins Bett.

Zurück bleiben zwei kuriose Erlebnisse und Erinnerungen von Glatteis im Park und Fragen, die völlig kontextlos sind und daher unfreiwillig so skurril wirken, dass man sich daran verschlucken kann. Drum ein kleiner Appell an euch Heteras:

Liebe Heteras,

die meisten von uns sind sicherlich offen, all eure Fragen zu beantworten. Aber doch nicht beim Essen. Wartet erst einmal auf die Situation, in der man Fragen ernst beantworten kann. Wie wäre es mit einem Prolog? Und wenn ihr denn Interesse an uns habt, dann fragt euch doch einfach zuerst einmal, wie ihr euch wünschen würdet, wie man sich an euch ranmacht. Sex draußen ist für einige von uns sicherlich kein Tabu, Sex im Schnee wird die meisten Frauen aber eher kalt lassen.

Außerdem lässt sich die Frage, wie Sex unter Frauen ist, nicht pauschal beantworten. Allerdings lässt sich die Frage beantworten, was vor dem Sex sehr oft passiert.

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Ich denke, also bin ich. Ich lese, also schreibe ich. 2 Dinge die ich mag und die miteinander verbunden sind. Dabei bin ich mir nicht zu schade Ergüsse einiger Queertheoretiker/innen kritisch zu verfolgen sowie gute Dinge zu rezensieren. Als Vollblutmetalerin mag ich bunt gar nicht, aber schreibe doch über vieles unter dem Regenbogen.

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