„Der Traum vom Lesbencafé“ von Eva Andersson

Rezension "Der Traum vom Lesbencafé"

© Uschi Renno

Rezension: „Der Traum vom Lesbencafé“ von Eva Andersson

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Eine kleine Reise zurück in die Zeiten als es noch Frauenzentren, Frauenklüngel um Macht und Anerkennung, ABM-Maßnahmen und bestimmt auch lila Latzhosen gab…

„Der Traum vom Lesbencafé“ erzählt die Geschichte von Paula, die ins Berliner Umland (in die Provinz!) zieht und dort frischen Wind in ein Frauenzentrum bringt. Paula ist nämlich engagiert und möchte wirklich etwas für die Frauen tun.

Sie hat es mit Vorstandsfrauen zu tun, die die steife Brise, die Paula in Form von Veränderungen hereinbringt, misstrauisch beäugen. Sie hat es mit Tony zu tun, einer Lesbe mit mega Ausstrahlung, mit ABMsen, die lieber über die Vorabendserie tratschen als aktiv etwas nach vorne zu bringen, und sie hat es mit Miriam zu tun, einer jungen Frau, die in Paula Gefühle weckt, die sie zu Anfang gar nicht wirklich einsortieren kann.

Der große Streit zwischen ihr und dem Vorstand bricht aus, als sie sich für die Lesben, die Provinzlesben, dergestalt einsetzt, dass es im Frauenzentrum schließlich ein Lesbentelefon gibt, Vorträge mit lesbischen Schwerpunkten (neben all den anderen Frauenthemen) und einen Treffpunkt, wo die ‚Unsichtbaren‘ einander sehen können.

Doch es gibt nicht nur Gegenwind und Paula erfährt auch durchaus von anderer Stelle mutmachende Unterstützung. So wird der Traum vom Lesbencafé vielleicht sogar wahr?… und letztendlich stellt Paula sich auch ihren verwirrenden Gefühlen für Miriam.


Die Story hat mich wunderbar zurückkatapultiert in eine Zeit, als es noch großen Mut erforderte ein Frauenzentrum überhaupt zu betreten. Es hat mich herrlichst erinnert an meine eigene Erfahrung, als ich genau das zum ersten Mal gemacht habe, all meinen Mäusemut zusammen genommen habe, tatsächlich hinein gegangen bin und die Gruppe stark ökologisch aussehender Damen im großen Raum mit kaum hörbarer Stimme gefragt habe „Seid ihr die Lesbengruppe?“ und ich als Antwort ein kollektiv abwertendes: „WIR??? Nein, das sind die dahinten…“ zugerufen bekam.

Dieses Buch ist in der Tat eine schöne Zeitreise und vielleicht gerade auch für junge Lesben, die diese Art der Frauenbewegung und Frauenarbeit nicht (mehr) kennen, interessant zu lesen.

Es liest sich flüssig und angenehm. Der Schreibstil ist schlicht und schnörkellos, aber präzise.

Ein tolles Buch über eine Zeit, als die Welt noch nicht von Handys, Computern und Tablets beherrscht wurde. Da ich in der Karibik lebe, habe ich mir das Buch in der eBook-Version gekauft. Gut, dass die Technik sowas heute möglich macht!

Mein persönliches Fazit: Absolut empfehlenswert!

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