CSD-Diary: Düsseldorf

Ach, ist schon wieder CSD?

Nichts vom CSD ahnend war ich Sonntag zusammen mit meiner Verlobten mit einer Freundin von uns verabredet, die wir in der Düsseldorfer Stadt treffen wollten. Nachdem ihr Zug auf dem Weg von Köln nach Düsseldorf nur bescheidene 27 Minuten Verspätung hatte, schlenderten wir durch die Altstadt, um sie ihr zu zeigen. Nach kurzer Zeit kamen wir am Rhein an und ich sah schon von weitem eine Fahne in Regenbogenfarben. Ich dachte: „Ach, ist schon wieder CSD?“.

Als wir dem Ganzen näher kamen, konnte ich auch schon an den Besuchern des Fests erkennen, dass es sich wohl in der Tat um eine Veranstaltung für Homosexuelle handeln müsse.

CSD- Düsseldorf
Quelle: Pinterest – http://www.pinterest.com/pin/358810295284973598/

Wo sind die Leute?

Ich bin schon seit Jahren nicht mehr auf einem CSD gewesen und kenne auch nur den aus Köln. Im Vergleich dazu erschien mir der CSD in Düsseldorf sehr mickrig und schlecht frequentiert. Das Highlight war für mich definitiv ein Openair-Dancefloor, der aufwendig von Scheinwerfern eingegrenzt war und von einem Live-DJ gerockt werden sollte. Auf der Tanzfläche befand sich eine unglaubliche Menge von fünf Personen, wovon nur zwei wirklich tanzten. Ein paar junge Mädchen standen um sie herum und filmten das Ganze mit ihren Smartphones von einer Firma mit Obstlogo. Wahrscheinlich sind die beiden sich-für-nichts-schämenden Tänzer jetzt auf Youtube und Facebook und 182 Leuten gefällt das.

Als ich noch jung und wild war, wäre ich mir wahrscheinlich auch nicht zu schade für die Tanzfläche gewesen. Oder genauer gesagt: ich war es nicht. Zum Glück hatte da noch niemand Handykameras. Damals habe ich mich auch noch mit allem, was umsonst war, reichlich eingedeckt. Am liebsten mit Stickern, die ich am ganzen Körper anbrachte.

Diesmal war mir aber eher danach, ein paar politische Diskussionen zu führen. Zu meinem Glück entdeckte ich nach kurzer Zeit einen kleinen Stand der CDU. Ich sagte noch zu meiner Freundin, ob wir nicht vorher schnell eine Peitsche kaufen könnten, damit die freundlichen Herrschaften vom CDU-Stand mich damit für meine Sünden bestrafen könnten. Wie praktisch, dass man Peitschen auch ein paar Stände weiter kaufen konnte. Wahrscheinlich bekommt die CDU da anteilig eine Provision. Als wir dem Stand der CDU allerdings näher kamen, sah ich, dass die beiden Männer, denen ich jetzt mal so richtig meine Meinung geigen wollte, wohl wahrscheinlich gar nicht die offizielle Meinung der CDU vertreten. Dafür musste ich sie nicht einaml ansprechen. Noch immer leicht auf Krawall gestimmt, war ich daher sehr enttäuscht, dass mit den beiden wohl keine kontroverse Diskussion, bei der nur ich Recht habe, möglich zu sein scheint. Umso erfreuter war ich dann jedoch, als einige hundert Meter weiter eine katholische Messe gefeiert wurde, die eine Art Gegendemonstration zu sein schien. Als wir dort ankamen, verneinte meine Freundin leider die Frage, ob ich einen ekelhaft obszönen und langen Zungenkuss von ihr bekommen könnte.

Danach sind wir dann gleich um die Ecke eine Limetten-Minze-Limonade trinken gegangen.

Fazit

Der CSD in Düsseldorf war nicht besonders spektakulär. Gezielt würde ich auch nicht mehr hingehen. Aber ich hatte das Gefühl, dass die anderen Besucher trotzdem Spaß hatten und das ist doch das Wichtigste!


Autorin möchte nicht genannt werden.
Alter 24

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