Coming-out: JA oder NEIN?

Coming-out: über den langen Weg zu sich selbst und die Frage, oute ich mich - ja oder nein?

Nicht in jeder Situation ist ein Coming-out angebracht

Das heißt nicht, dass man sich als Lesbe immer verstecken muss, aber eben auch nicht, dass man es sofort jedem erzählen sollte – egal, ob er es hören will oder nicht.  Denn das kann auch nach hinten losgehen.

Natürlich sind wir generell der Überzeugung, dass man immer zu sich und seiner Sexualität stehen sollte. Aber es ist nicht immer von Vorteil diese zum Thema zu machen, vielmehr sollte man sie als gegeben wahrnehmen und dann je nach Situation entscheiden, wie viel man gegenüber einer anderen Person von sich preisgibt.

Du solltest dir also dein Umfeld und die Situation vor einem Outing genau angucken…

  1. Im engen Familien- & Freundeskreis
    Hier ist ein Outing natürlich angebracht und sollte hoffentlich kein Problem darstellen.
  2. Im Job
    Dein Job ist dafür gut, dass du Geld verdienst. Oft sind Kollegen nicht die besten Freunde und die Beziehungen untereinander gleichen einer Zweckgemeinschaft. Daher raten wir, dass man sich zwar natürlich anderen gegenüber outen kann, dies allerdings eher beiläufig tut, wenn man zum Beispiel nach seinem Privatleben gefragt wird – es aber eben nicht allen ungefragt erzählt. Im Berufsleben steht nun einmal der Beruf im Vordergrund und nicht das Private.
  3. Wenn du neue Leute kennenlernst
    Auch hier sind wir der Meinung, erst einmal kennen lernen, beschnuppern, den Charakter des anderen erkennen und wenn dann die Frage kommt: „Hast du eigentlich einen Partner?“ – dann ganz normal antworten, dass du eine Partnerin hast oder eben nicht.

Warum fällt es manchmal so schwer, sich zu outen?

Manchmal sind es einfach Ängste, die sich dann doch nicht bewahrheiten. Aber natürlich stellt ein Outing manchmal auch ein potenzielles Risiko dar, klar. Der Grund: Oftmals kann man die Reaktionen der anderen eben doch nicht zu 100% einschätzen. Darum macht man sich im Vorhinein bereits allerhand Gedanken darüber, ob und wie man es wohl sagen möchte. Dazu stellen sich dann womöglich noch die beißenden Fragen: „Was mache ich, wenn abwertende Reaktionen kommen? Habe ich so viel Selbstbewusstsein, dass ich damit gut umgehen kann? Wie soll ich dann reagieren? Und wird mich mein Gegenüber dann noch so wertschätzen wie zuvor?„.

Den meisten wird es vor einem Outing so gehen, aber lass dir gesagt sein: Meistens geht es gut! Denn sonst wäre unsere Gesellschaft nicht in den letzten Jahren immer offener gegenüber Homosexualität geworden, wie sie es nun einmal heute ist.

Warum muss man sich immer wieder outen?

Naja, das ist heutzutage wohl noch das Los aller Homosexuellen, denn so weit ist unsere Gesellschaft noch nicht, dass homosexuell zu sein für Heterosexuelle flächendeckend so normal ist, wie eben ihre eigene Sexualität. Eines Tages wird das aber sicherlich anders sein, man wird nicht mehr gefragt: „Hast du eigentlich einen Freund?“ und es wird stattdessen gefragt: „Bist du eigentlich mit jemandem in einer Beziehung?„.

Bis das aber der Fall ist, werden wir wohl immer auf die erste Frage „Hast du einen Freund?“ antworten „Nein, aber ich habe eine Freundin!“ und uns somit jedes Mal und ständig wieder neu outen.

Und was ist, wenn man sich noch nicht so sicher mit seiner Sexualität ist?

Wir sehen das Coming-out nicht als Zeitpunkt, sondern als Identitätsfindungsprozess an, d.h. das Outing ist eine längere Phase, die sich auch über viele Jahre ziehen kann. Zudem ist es absolut verschieden, in welchem Alter eine Person ein Coming-out durchläuft. So kann es gut sein, dass eine Frau erst mit über 40 Jahren bemerkt, dass sie auf Frauen steht, währenddessen einer anderen das schon ihr Leben lang bewusst war. Viele Wege führen nach Rom oder auch ins Regenbogenland.


Wichtig ist also, dass du dir mit einem Outing keinen Stress machst und es einfach auf dich zukommen lässt. Du kannst sehr offen mit deiner Sexualität umgehen oder sie auch nur für dich behalten, manch eine/r wird vielleicht auch optische Veränderungen vornehmen und so wird aus Alexander Alexandra. Ein Coming-out ist vielfältig, bei dem ein oder anderen sogar recht komplex, und du wirst feststellen, dass es manchmal Sinn macht, mit anderen offen darüber zu reden, währenddessen es manchmal angebracht ist, dieses Thema erst einmal hinten anzustellen und andere Dinge in den Fokus zu rücken.

Kleine Notiz am Rand: Wenn du dich allein fühlst und nicht so richtig weißt, wie du mit der Situation eines Outings umgehen sollst, gibt es mittlerweile an vielen Stellen kompetente Unterstützung, egal ob es jetzt einfach nur andere Homosexuelle sind oder eine Organisation.

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