Chrissie Castles: Über den chronischen Schmerz namens „Gesellschaft“!

Chrissie Castles über ihre Enttäuschung von der Menschheit und den chronischen Schmerz namens "Gesellschaft"...

© Chrissie Castles

Du möchtest beistehen? Nach einer Trennung? Lieb gemeint, danke! Aber viel tun kannst du da nicht. Ich wollt dich nur vorwarnen…

Wenn das Ganze vorbei ist wirst du namentlich erwähnt und bekommst auch was vom Kuchen. Was darf’s denn sein? Der knusprige Anfang oder doch eher aus der weichen Mitte? Oder doch die verbrannte oder matschige Kruste, die am Schluss noch auf Oma´s blümchenverziertem Kuchenteller klebt?

So sieht es aus in Beziehungen. Hach ja, die Liebe – schöne Sache. Hin und wieder bricht sie zusammen. Keine schöne Sache. Aber notwendig. So lernt man im Leben. Wie beschissen es doch zu einem ist und dir ohne Vorwarnung und triftigen Grund einfach mal so mit dem Maurerhammer in die Fresse schlägt.

© Chrissie Castles

Na ja, es geht weiter. Warum auch nicht? Das Leben ist viel zu kurz! Es gibt aber auch eine Menge hübscher Menschen, mit denen man noch nicht geschlafen hat. Warum also unbedingt die Person zurück wollen, die einem das Leben während oder nach der Beziehung zur Hölle gemacht hat? Liegt es an dem Hang zur Selbstzerstörung, der aus der Menschheit einfach nicht herauszubekommen ist? Oder ertrinken sie einfach zu gern im Selbstmitleid? Jämmerliche, lächerliche Mitmenschen. Trotzdem trifft man ab und an Leute, mit denen sich das Leben ertragen und genießen lässt. Personen, die man auf der Stelle vor den Planwagen spannen und gen Westen fahren möchte.

Es gibt nichts Schlimmeres als Personen, die Mitleid möchten, weil sie mit ihren unter 35 Jahren keinen festen Partner bekommen.

Einzig und allein aus dem Grund, weil sie sich auf das Erste und meist auch Schlimmste stürzen, was gerade frei verfügbar ist. Hartz4-Muttis, welche den gesamten Tag nichts anderes zu tun haben, als sich Freiwild und/oder Helene Fischer in krebserzeugenden Endlosschleifen anzuhören. Und selbst diese benutzen die armen Einsamen meist nur als Lückenfüller. Zurück bleibt dasselbe Häufchen Scheiße, das diesmal auf noch mehr Mitleid aus ist als vorher, da nun ja frisch getrennt, von einer sinnlosen, eigentlich schrecklichen, zweiwöchigen Beziehung mit Jabba the Hut. Warum sollte ich gerade dir mein Mitleid geben, wenn doch gerade in ärmeren Ländern alle 60 Sekunden eine Minute vergeht?

Ach entschuldige, ich wusste ja nicht, dass es deine große Liebe war! Die erfahren andere ja auch schon mit 14. Da bist du wohl ein wenig spät dran. Ich kann da schon fast deine Angst, allein zu sterben, verstehen. Sieh es doch so: Nur noch 48 Mal dass, was du unter großer Liebe verstehst und du bekommst ein ganzes Jahr „Beziehung“ umsonst! Klingt doch klasse!

Investiere doch mal die Energie, die du in diesem Jahr mit Jammern verschwendest in etwas Sinnvolles.

Zum Beispiel, dein Leben auf die Reihe kriegen und aufhören, anderen Menschen auf die Nerven zu gehen. Das wäre doch super und mal was Neues! Wahlweise aber auch in ein Stromkabel beißen, die Heulkraft einleiten und somit etwas zu erneuerbaren Energien beitragen. Atomkraftwerke sind ja politisch nicht so IN. Vielleicht kannst du auch so endlich deinen Mitmenschen dienen. Geh doch mal Acid auf dem Schulhof der örtlichen Regelschule verkaufen. Nur so als Beispiel. Dir wird schon nicht langweilig und wenn doch, kannst du ja jederzeit neue Frauen kennenlernen – in der Wartezone des Jobcenters. Ich bin mir sogar fast sicher, dass es dort auch noch unter 20-Jährige gibt, die noch keine drei Kinder von vier verschiedenen Männern haben. Die sind zwar total OUT, aber wo die Liebe hinfällt, da steht sie auch erneut nach zwei Wochen wieder auf, winkt nett und geht weiter. Selbst nach dem 39ten Beziehungsratgeber, den du gekauft und nie gelesen hast, es aber definitiv vor hast – was du dir eigentlich auch sparen kannst, wirst du nicht glücklich, da deine Verzweiflungsauswahl an Partnern sich nun mal nicht ändern wird mit deiner Einstellung zum Leben. Formatieren und neu programmieren. Aber du hast ja doch noch die Hoffnung auf Jabba und ihre verzogenen kommerzverseuchten Plagen, die dir das Leben zur Hölle machen. Mit Wochenausflügen zur JVA, dem Straßenstrich und dem örtlichen Dealer, welcher immer frisches Crystal für sie hat. Nur das Beste für die Kleinen. Man sollte ja 12-Jährigen noch keinen gestreckten Scheiß andrehen, wenn sie doch noch ca. 10 Jahre Leben vor sich haben! Und was sie in der Welt verpassen würden!

© Chrissie Castles

Das tägliche Fernsehprogramm. Oder doch eher der tägliche Hirntod. Mittägliches Real Life mit Drehbuch, weil Talkshows nach den 90ern langweilig geworden sind. Da werden so viele Gefühle gezeigt, dass die eigenen ganz verwirrt sind. Ich kann mich immer schwer entscheiden zwischen Heulen (vor Lachen), Gröhlen (vor Lachen, mit Fremdscham) und dem Kommentieren und Ergänzen der hochwertigen Redeanteile jedes einzelnen Charakters. Wer Phantasie besitzt, darf auch gern die Stummtaste der Fernbedienung betätigen und sich nach Herzenslust austoben. Die handelnden Figuren erscheinen immerhin wie im Fieber-Wahn. Da kann es schon mal vorkommen, dass man etwas vor sich hin phantasiert.

Ist mir auch schon mal passiert, so eine „Mitten-im-geskripteten-Leben“ – Situation.

Anschreien, Rumpöbeln, Lauschangriffe, Gewalt – ach Moment, das war das WG-Leben. Entschuldigung, ich meinte natürlich Spaß, Feierei, Musik und gute Laune – Sekunde, das waren die Drogen. Nun gut, ich gebe es auf, so „Mitten-im-geskripteten-Leben“ bin ich doch nicht. Es reicht aber auch, wenn man Menschen kennt, die ihren Lebensinhalt damit füllen, den von anderen mit mehr Sinn im Leben zu zerstören.

Ich bin enttäuscht von dir, Menschheit. Zutiefst. Immer wieder sendest du mir solch unsoziale Exemplare ohne mir zu sagen, was ich mit ihnen anfangen soll. Oder mir die Erlaubnis zu geben, mich auszutoben und unerwartet eine spontane Cholerik ohne rechtliche Folgen zu bekommen. Das wäre spaßig. Immerhin kann ich nichts dafür, wenn ihr Leben nur aus Egoismus und Aufmerksamkeit besteht. Wenn das eigene Leben so langweilig ist, warum schaltet man nicht mal den Übermensch-Modus aus, öffnet die Augen und sieht sich mal um, wie die Welt so funktioniert?

Es ergibt sich eben kein tieferer Sinn aus 900 Facebook „Freunden“ die nur dazu da sind, um sich zu erinnern, wie überlegen man doch selbst ist und größten Nutzen daraus zieht, andere fertig zu machen. Ich hoffe das Karma erwischt euch noch in diesem Leben. Man soll ja seinen ärgsten Feinden nichts Schlimmes wünschen, aber wenn die Kleinstadthelden des Alltags auf die Nase fallen, dann kann man ja wohl mal ein wenig Ausgleich verlangen, damit alles wieder im Gleichgewicht liegt. Dafür hoffe ich auf der anderen Seite, dass jenes Karma nicht mit einem Schlag kommt.

Das kann bei der groben Abwägung ein fieses Ende haben. Krebs, Tripper und Syphilis genießt man gleichzeitig und abwechselnd, während man von einer einbeinigen Schiffsköchin mit Tiefkühlpizzaresten verprügelt wird, die man aus lauter Verzweiflung versucht zu essen. Nur so als Beispiel. Das kann jedoch auch die Folge des unbeabsichtigt Nichtweiterleitens des letzten Kettenbriefs sein. Bei rund 3000 bisher kopiert und eingefügten wäre das ein Verlust! Nun muss man von vorn anfangen. Bei 3000 und einem hätte es als Prämie ein neues Markengerät zum Angeben vor dem eigenen Block im sozialen Abseits gegeben. Schade, schade. Da bleibt einem ja nichts übrig, als wieder jemanden auszunutzen und sich ein neues Statussymbol kaufen zu lassen, um als Möchtegern-Alphatier ja keinen Moment der hart erkämpften Anerkennung sausen zu lassen. Da Alphatiere in unsere Gesellschaft so gut reinpassen wie christlich-demokratische Parteien in die Politik, sind sie eigentlich nur zu Zombie-Apokalypsen zulässig.

Ich sehe es vor mir. Zombies erobern in absehbarer Zukunft die Welt.

Zumindest fangen sie in einem kleinen Teil davon an. Sind ja keine super Zombies. Aber schon flink und intelligent, die Rabauken. Die Menschheit versucht selbstverständlich zu überleben. Überall kleine Gruppierungen Halbstarker, irgendwo verschanzt, wo es ausreichend Lebensmittel, Trinkwasser und natürlich Waffen inklusive Munition gibt. Einer im Rudel übernimmt die Stellung des Alphatieres. Dieser „Master-of-Krieg-gegen-Untote“ hat selbstverständlich einen 15-jährigen, plüschigen, mittelgroßen Mischlingshund. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt, immer ohne Leine, kann lustige Tricks und erheitert die Kleinen in der Menschengruppe. Das Alphatier ist immer fleißig auf der Suche nach weiteren Überlebenden und ähnlichen Gruppen. Immer in Gefahr, am nächsten Ansiedelungsort keine Nahrung zu finden.

Schuld an dem für Menschen gering gewordenen ökologischen Lebensraum ist die Regierung, die geheime Forschungen und Experimente gefördert hat. Dabei entstanden die Zombies. Und die B-Prominenz. Die unnatürlichen Feinde des Menschen. Da dies zur Z-Prävention dienen soll und sich die Prominenten, die niemand kennen sollte, ganz gut in den Jungle-Anlagen von RTL halten lassen, geht es weiterhin um zuerst genannte. Der Zombie verbreitet sich recht schnell durch Infektion. Durch Blutübertragung oder einen Biss verwandelt sich der angegriffene Mensch binnen weniger Minuten in einen Hirntoten.

Bevor Sie sich nun umschauen und um Hilfe schreien, schalten Sie ihr Vormittagsprogramm ab, um Verwechslungen auszuschließen. Beim Untoten sei angemerkt, dass dieser kein Mensch mehr ist und man sich vor Angriffen in Acht nehmen muss. Eine Heilung ist nicht möglich.

Einen Zombie wird man am leichtesten mit einem Kopfschuss eines größeren Kalibers los. Wahlweise geht auch etwas, um das Hirn zu zerschmettern (nein, nicht das Vormittagsprogramm im TV..). Als sehr stimmungsvoll eignet sich hierbei auch eine spontane Tanzeinlage zur Musik von Queen. Jegliche erfolgreiche Form der Verteidigung (mit oder ohne Unterhaltungseffekt) im Kampf gegen die Untoten ist ebenfalls erwünscht.

Ersparen Sie sich viel Stress, indem Sie sich solch einen „Break Glass in Case of Z-Day“-Schrank in den Flur hängen! Oder wenigstens einen der Moderatoren der Privatsender, um Zeit zu gewinnen. Altes, schlecht bezahltes und schönheitschirurgiertes Fleisch frisst sich langsamer, das sollte die kleinen Untoten eine Weile beschäftigen. Und niemals das Ziel vor Augen verlieren: immer im Alleingang durch dunkle Höhlen und Gassen, ohne Verteidigung und wenn doch jemand mit unterwegs ist und „Was war das?“ fragt, einfach nachsehen!

Letzter Stand (lt. Apokalypsenankündigungs-Center): 2017
Grund: Eine schlecht frisierte Amöbe mit Mauer-Fetisch gewinnt die US-Wahl.

also need one with „keep calm and kill idiots“.

Ein Beitrag geteilt von überLEBENSkleinstadtKÜNSTLERIN (@chrissiecastles) am

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