Chrissie Castles: Die Wahrheit über „How I Met Your Mother“

Sei kein Ted! Chrissie Castles über "How I Met Your Mother" und die Liebe...

© Chrissie Castles

Ted Mosby ist ein Loser, der sich mit der zweiten Wahl zufrieden gibt, bis seine erste Wahl soweit ist, sich auf ihn, – eventuell – bis zum Lebensende, einzulassen. Die Story lehrt uns allerhöchstens Geduld zu haben, nicht in jeder neuen Bekanntschaft einen potentiellen Partner zu sehen oder sogar die richtig große Liebe, aber doch BITTE NICHT, dass man sich an jedem Fünkchen Zuneigung so dermaßen festfressen und leiden muss wie er.

Ich bin 30 und gebe mich lieber meinem freien und gesunden Single-Dasein hin, als dass ich mir einrede (-n lasse) eine Beziehung führen zu müssen, nur um eine Beziehung zu führen. Oder noch besser: dass ich jemandes zweite Wahl bin, bis sich ihre Mosby-„Utopie“ dann doch endlich erfüllt, bei der dann sogar eine 50/50 Chance besteht, dass sich diese ernüchternd und frustriert darstellt und komplett anders als in der (wohl möglich jahrelangen) traumhaften Vorstellung. Die Serie geht an der Stelle, möglicherweise ja bewusst, nicht weiter.

© Chrissie Castles

Dank unseres Tinderzeitalters können wir es uns auch viel zu leicht machen einfach abzubrechen (statt an einer Besserung zu arbeiten und dabei bitte nicht mit halbherzig gemeinten Kompromissen, die auf Dauer auch nur Unzufriedenheit und Frust bewirken) und uns jemand Neuen, „besser passenden“ suchen, um am Ende vor der gleichen Situation zu stehen wie mit der Person davor, auf der Suche nach DER „perfekten“ (medienindoktrinierten) Beziehung.

+++++ Spoiler Alert!!!!! +++++

DIE GIBT ES NICHT.

Individuell, auf eine Art und Weise, ja. Nur eben nicht wie in der zuletzt gesehenen Hollywoodromanze. Glück ist immer subjektiv, man ist selbst dafür verantwortlich, für sich selbst und, ist man erst einmal dazu fähig, dann auch für andere. Wenn man sich selbst als wichtig und richtig betrachten kann, jemanden gefunden hat, den man mit diesen Werten sogar über sich selbst stellen kann, dann kann man auch ernsthaft von Liebe sprechen. Wenn man – ohne dieses „sich selbst aufgeben“ – seinen Egoismus abstellen kann und das eigene Wohl nicht von höherem Wert ist als das der anderen Person, dann ist man wirklich aufrichtig. Egoisten und Narzissten sind krankhaft unzufrieden, mit sich selbst und erst recht mit anderen. Sie suchen und erschleichen sich auf die verschiedensten Arten und Weisen ihre Bestätigung. Es werden Schwächen anderer zum eigenen Vorteil verwendet und alles, was getan wird, geschieht einzig und allein für sich selbst. Zurück bleiben meist Scherbenhaufen, die früher einmal menschlich waren und Krankenkassen, die sich auf die Ferienhausfinanzierungen von Psychologen und Psychopharmaka-Herstellern vorbereiten. Selbstliebe hingegen bedeutet ein gesundes Selbstwertgefühl und ein gewisses Mindestmaß an Selbstbewusstsein sowie Zufriedenheit zu haben, z.B. mit den eigenen Schwächen, die man auch an anderen erkennt, allerdings auch an ihnen akzeptiert und unter Umständen sogar irgendwie helfen kann.

Anders als es erscheint macht es nicht verletzlich. Ganz im Gegenteil stärkt es, weil es glücklich macht mit sich selbst und der Welt im Reinen zu sein.

Dinge passieren. Wie wundervoll oder schlimm ihr Ausmaß ist, bestimmen wir selbst. Wie wir darüber denken, darüber reden, darauf reagieren. Und all das lässt sich trainieren, da dies auch nur determinierte und konditionierte Effekte sind, die wir uns selbst dann unbewusst immer wieder zufügen (lassen).

Jeder ist seines Glückes eigener Schmied – heißt es im Volksmund – und mit ein bisschen Verstand kann man es vermeiden Narzissmus mit Selbstliebe zu verwechseln und so wirklich zu der Fähigkeit kommen, sich selbst, mit den eigenen Fehlern hinzunehmen (und mit dieser Erkenntnis bestenfalls an ihnen arbeiten, vor allem, wenn sie negativer Natur sind) und somit auch einen anderen Menschen zu lieben wie er/sie ist, mit all seinen/ihren Ecken und Kanten.

Meine Theorie ist, dass man einen Menschen nicht wegen seiner Hobbies, Kontoauszüge oder Gemeinsamkeiten liebt. Bestenfalls mag man ihn dann mehr, bzw. teilt seine Zeit lieber mit dieser Person als mit anderen – aber Gemeinsamkeiten jeglicher Art verbinden üblicherweise ja auch die Kategorie „Freunde“. Ist man in den Menschen an sich verliebt wie er existiert, dann können sich Gegensätze auch anziehen. Zudem gibt es nicht Nichts, was einen doch irgendwie verbindet und glücklich miteinander macht.

„Niemand ist perfekt. Bis man sich in ihn verliebt.“ (Zitatursprung vergessen, Singles feiern nun mal gern..)

Sei einfach kein Ted Mosby. Du kannst sein was du willst, nur eben kein Ted. Lebe und dann Liebe. Nicht wie im Fernsehen, sondern wie im realen Leben. Zieh die beschissene, plüschige, rosa Brille ab und mach die Augen auf! Jede Stunde, die du damit verschwendest Menschen hinterher zu trauern – die es wahrscheinlich gar nicht verdient haben, du dir diesen Sachverhalt aber unbedingt einreden musst – verpasst du da draußen so viele andere Menschen, die dein Leben auf so viele Arten bereichern könnten. Wir müssen unsere kurze Zeit irgendwann anfangen sinnvoll zu nutzen. Das klingt spießig, ist es aber nicht, für mich ist alles sinnvoll was Spaß macht oder mein Leben in irgendeiner Form bereichert. Dazu zählen auch bestimmte Personen die ich kannte, kenne und noch kennenlernen werde. Ich ziehe eben auch aus schlechten Erfahrungen gern etwas Positives. Und wenn es „nur“ der Lerneffekt ist.

Nachdem meinem Mitbewohner und mir zum Running-Dinner die Vorspeise zugeteilt wurde, setzte er sich, mit einem Kochbuch bewaffnet, zu mir in die Küche. Ich war bereits mit dem ersten Vorschlag seinerseits einverstanden, während ich mir meinen Milchkaffee zubereitete, gab dann selbst noch einen Vorschlag und war auch mit einer weiteren Idee seinerseits einverstanden. Alles machbar in meinen Augen, alles klang gut. Lass Zutaten holen und morgen zeitig loslegen. Nach insgesamt nicht mal fünf Minuten war gemeinsam entschieden die erste Idee zu verwirklichen. Darauf folgte eine platonische Liebeserklärung (eine der angenehmen Sorte) für meine Unkompliziertheit als Frau. Schöne Stereotype, dennoch wahr.

Über meine Antwort „Danke, erklär‘ das jetzt mal bitte den Frauen, die immer alles irgendwann kompliziert machen müssen.“ haben wir beide gelacht, beide in dem Wissen, wie wahr das Ganze in Bezug auf mich ist. Und natürlich über die Anspielung seinerseits auf Frauen, mit denen er durch mich schon Bekanntschaft gemacht hatte.

Keine Ahnung warum, aber ich scheine so etwas anzuziehen. Alles läuft entspannt und dann *BAM*, hab ich was übersehen – oder auch nicht – und steh wie eine Ampel im Wald: ohne jegliche Funktion. Aber lassen wir die Ampel mal da stehen, irgendjemand muss sich ja etwas dabei gedacht haben, sonst würde da ja jetzt keine Ampel im Wald stehen. Wenn nicht, zieht das Unkomplizierte gern das Komplizierte an? Ich konnte es leider noch nie lang genug halten, aber ich stell mir das ganz witzig vor. Zweimal Unkompliziert ist mir zu langweilig, zweimal Kompliziert könnte hochexplosiv und für Außenstehende (wie mich) ziemlich lustig werden. Daher sehe ich dieses Von-jedem-etwas eigentlich als ganz abwechslungsreich an. Keine Ahnung was nicht mit mir stimmt, aber Gezicke und Eifersucht kann ich nicht ernst nehmen, sobald da irgendwelche Gefühle im Spiel sind. Eher finde ich das niedlich, als dass ich bei dem Theater mit einsteige, vor allem, wenn ich keine Gründe liefere, die dieses Verhalten auf mich projizieren könnten. Dennoch gebe ich Konter, vor allem bei Ungerechtfertigtem.

Ich will nicht behaupten ich wäre einfach, keinesfalls. Mit mir kann man sehr gut und gerne anecken, diskutieren und debattieren vom Feinsten, aber es gibt Situationen und zwischenmenschliches, jeglicher Form, in denen es einfach nicht angebracht ist den Drama-Schalter umzutreten und abzubrechen. Bestenfalls ohne darüber zu reden, um sich noch mehr einreden zu können. Man kann eben aus wirklich allem etwas Kompliziertes machen.

Ich bin mehr so ein Fan von ehrlich und direkt. Wozu diese Zeitverschwendung vom Hinhalten bis man dem Thema gänzlich ausweichen, wenn man seine Zeit auch einfach direkt im Anschluss besser nutzen könnte? Ich hab doch noch so viele Serien und Filme zu schauen, um mich von wichtigen zu erledigenden Dingen abzulenken!

Da ist so eine meiner Ecken: Ratschläge wie „Abwarten!“ sind bei mir so sinnvoll wie das Gramm Thymian für 10€ aus dem Park dennoch zu rauchen, nur weil es teuer war. Wer mich wirklich hasst sagt mir auch so etwas wie „Ich weiß, was du zum Geburtstag bekommst.“ (bestenfalls Monate im Voraus) oder „Ich muss dir ganz dringend was erzählen! Ich melde mich morgen.“. Das sind Situationen in denen ich die Fliesen im Bad zählen gehe um die Zeit zu überbrücken. Und um mich von den Gedanken abzubringen, mir die Haut aus dem Gesicht zu kratzen.

Das, was uns doch am meisten in anderen stört, sind zu oft Eigenschaften, die wir selbst so oder so ähnlich an den Tag legen. Oder es ist schlicht und ergreifend Stress, den wir uns grundlos selbst zufügen, indem wir Dinge interpretieren ohne sie zu hinterfragen – vor allem bei WhatsApp u.Ä. ein Phänomen – oder Störfaktoren mehr Gewichtigkeit zuschreiben als sie eigentlich der Rede wert sind.

Alles wird nur noch durchinterpretiert, die Bremse getreten und dann direkt in den Rückwärtsgang geschaltet. Warum? Weil es einfach ist. Weil wir uns im Tindergarten doch ganz wohl fühlen. Weil wir uns einreden lassen, wie wir zu fühlen und zu leben haben. Weil sich Hass gegen die Andere besser anfühlt. Man weiß ja nicht, dass dieser eigentlich ungerechtfertigt ist. Woher denn auch, dazu müsste man ja anständig kommunizieren und das läuft leider nicht bei Facebook. Aber mach mal tausend Snapchatbeiträge mit Hundeohren! Machste gut! Mach mal mehr! Die sehen ja auch alle ganz unterschiedlich aus und sind wichtig!

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