Aktuelle Studie: Wie stehen die Deutschen zum Thema Homosexualität?

Die neue Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes untersucht die Einstellung der Deutschen gegenüber Homosexuellen!

Laut der aktuellen Studie der Antidiskriminierungstelle des Bundes steht fest: 80 Prozent der Deutschen sind für die „Ehe für alle“!

Die gestern (12. Januar 2017) veröffentlichte Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) untersuchte die Einstellung der Menschen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland.

Das Fazit der von Prof. Dr. Beate Küpper (Hoschschule Niederrhein) geführten repräsentativen Umfrage, bei der das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum (SUZ) rund 2.000 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland befragt, lautet: Die Deutschen sprechen sich mehrheitlich gegen Diskriminierung und für eine rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen aus! Dabei stimmen 83 Prozent für die „Ehe für alle“. Etwa 95 Prozent sind zudem für einen gesetzlichen Schutz homosexueller Menschen vor Diskriminierung.

Dazu erklärte Christine Lüders, Leiterin des Antidiskriminierungsstelle des Bundes: „Die Zustimmung zur Gleichstellung bei der Ehe war noch nie höher – das zeigt, dass die Gesellschaft hier viel weiter ist als die Politik.“ Ihrer Ansicht nach sei es ein trauriges Zeichen, dass bereits in 14 Staaten Europas die „Ehe für alle“ eingeführt wurde und Deutschland diesbezüglich so weit hinterherhinke: „Der Gesetzgeber darf nicht länger hinauszögern, was eine Mehrheit längst für selbstverständlich hält. Wir brauchen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und die vollständige rechtliche Gleichstellung, auch bei der Adoption.“ Die „Homo-Ehe“ zeit deutlich, dass eben jene Benachteiligung und Abstufung für homosexuelle Paare besteht.

Homophobie ist trotz der guten Zahlen auch weiterhin Thema in Deutschland. 38 Prozent der Befragten empfinden es als „sehr“ oder „eher“ unangenehm, wenn zwei Mäner einander in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen. Rund 18 Prozent stimmen dafür, dass Homosexualität „unnatürlich“ sei. Auch wird deutlich, je näher Homosexualität das private Umfeld betrifft, desto mehr wird dieses Thema abgelehnt. Mehr dazu lest ihr unten in den Ergebnissen.

Lüders fordert: „Die Geschichte homo- und bisexueller Menschen in Deutschland ist von Ausgrenzung und Verfolgung geprägt. Das wirkt bis heute nach. Ihre Rechte mussten sie über viele Jahre selbst erkämpfen. Diskriminierungen und Beleidigungen in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz oder in der Schule gibt es nach wie vor. Dem müssen wir gemeinsam ein Ende setzen: Auf der rechtlichen Ebene, mit klaren Bildungsaufträgen und einem entschlossenen Einsatz gegen jede Benachteiligung.“

Ergebnisse der Studie:

  • 80,6 Prozent der Befragten halten die Aussage, dass Homo- und Bisexuelle in Deutschland immer noch diskriminiert bzw. benachteiligt werden, für „voll und ganz“ oder „eher“ zutreffend.
  • 94,6 Prozent der Befragten finden es „voll und ganz“ bzw. „eher“ gut, dass es einen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung bezüglich der sexuellen Orientierung gibt.
  • 82,6 Prozent der Befragten stimmen „voll und ganz“ bzw. „eher“ zu, dass Ehen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern rechtlich gleichgestellt sein sollten. / Vergleich: 2002 sprachen sich in der Studie von Wilhelm Heitmeyer knapp 60 Prozent der Befragten für eine Öffnung der Ehe aus.
  • 75,8 Prozent der Befragten stimmen „voll und ganz“ bzw. „eher“ zu, dass es lesbischen und schwulen Paaren genauso wie heterosexuellen Paaren erlaubt sein sollte, Kinder zu adoptieren.
  • 86,1 Prozent der Befragten sprechen sich für das geplante Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach 1945 wegen homosexueller Handlungen verurteilten Männer aus. Dabei sind 69,6 Prozent der Befragten „voll und ganz“ bzw. „eher“ dafür, dass die Betroffenen Anspruch auf Entschädigung haben sollten.
  • 89,6 Prozent der Befragten befürwortet in Bezug auf das Thema Bildung und sexuelle Vielfalt das Ziel, in Schulen Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Personen zu vermitteln. 70,6 Prozent der Befragten sagen, dass Kinder in der Entwicklung ihrer eigenen Sexualität dadurch nicht verwirrt werden würden und 73,1 Prozent der Befragten lehnen es „eher“ oder „völlig“ ab, dass im Schulunterricht in Bezug auf die Themen Liebe und Partnerschaft nur heterosexuelle Paare vorkommen sollten.
  • Die Befragten empfinden eine lesbische Kollegin zu 11,8 Prozent und einen schwulen Kollegen zu 12,6 Prozent als „sehr“ oder „eher“ unangenehm.
  • 39,8 Prozent der Befragten wäre es „sehr“ oder „eher“ unangenehm, wenn die eigene Tochter lesbisch ist. Betrifft es den Sohn, liegt die Zahl etwas höher: 40,8 Prozent.
  • 38,4 Prozent der Befragten ist es unangenehm, wenn zwei Männer einander ihre Zuneigung (z.B. küssen) in der Öffentlichkeit zeigen – bezüglich Frauenpaaren liegt die Zahl bei 27,5 Prozent. / Vergleich: Sich Zuneigung zeigende heterosexuelle Paare werden zu 10,5 Prozent als unangenehm eingestuft.
  • 18,3 Prozent der Befragten sprechen sich „eher“ bzw. „voll und ganz“ dafür aus, dass Homosexualität unnatürlich ist.

Die Umfrage stellt den Auftrakt des Themenjahrs für sexuelle Vielfalt: „Gleiches Recht für jede Liebe“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Am 17. Mai 2017 (Internationaler Tag gegen Homo-und Transphobie) soll diesbezüglich ein Aktionstag am Brandenburger Tor stattfinden. Fach-und kulturelle Veranstaltungen sowie weitere Studien sind ebenfalls geplant.

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