Ägypten: Regierung nach wie vor homophob

Laut Gesetz ist Homosexualität in Ägypten zwar nicht verboten, dennoch werden Schwule und Lesben in dem muslimisch geprägten Land immer wieder festgenommen und sogar für ihre Sexualität verurteilt. Zudem denken viele muslimische Geistliche sowie ein Großteil der Bevölkerung homophob.

Homosexuelle in Ägypten
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Kairo dieses Jahr. In einer Reihe aufgestellt stehen Männer jeder Altersklasse in Unterhosen, ihre Köpfe neigen zum Boden. Wer nicht mit Plastikschnüren gefesselt wurde, vergräbt sein Gesicht schamhaft in seinen Händen.

Was ist hier passiert? Es handelt sich um eine inszenierte Polizeirazzia in einem Hammam mitten in der Hauptstadt Kairo. Jemand hatte der Polizei gesteckt, dass sich in dem orientalischen Badehaus Männer zum Sex treffen. 26 Männer werden festgenommen, auf sie wartet nun eine gerichtliche Verurteilung. Gefilmt wird alles und den Bürgern dabei versprochen, dass man “die Höhlen, in denen sich Aids in Ägypten verbreitet” aufdecken werde.

Da Homosexualität nicht offiziell verboten ist, macht die Regierung Gebrauch von dem alten und noch aktuellen Gesetz gegen “sexuelle Ausschweifungen” aus dem Jahr 1961. Eine gute Möglichkeit um trotzdem die LGBT-Community im Land zu verfolgen und zu bestrafen. Es heißt, dass während der Revolution die Zugriffe ab 2011 weniger wurden – doch jetzt ist alles anders. Seitdem Abdel Fattah al-Sisi letztes Jahr zum Präsidenten gewählt wurde, wird es wieder schlimmer mit der Jagd auf die Community.

Pinterest: http://www.pinterest.com/pin/358810295284823128 Ein Wunsch vieler Lesben in Ägypten…

Wozu? Was wird damit bezweckt? Es geht darum, dass das Militärregime einen konservativen Staat führen will, da arbeitet man praktischerweise mit der Angst der Menschen, Moral wird wichtig – unmoralisches ‘vernichtet’ bzw. ‘unterdrückt’. Dabei wird zum Beispiel rigolos Gebrauch von Anal-Untersuchungen bei Schwulen gemacht, körperliche Gewalt angewendet oder zu Zwangsarbeit und Gefangenschaft (auch bis zu 9 Jahre) verurteilt.

Vor der Revolution, unter Mubarak, war es ähnlich wie heute. Menschen wurden denunziert und verhaftet. Jetzt ist es so schlimm wie damals. Seit Sommer 2014 wurden etwa 150 Männer verhaftet. Sie wurden bis heute nicht freigelassen. Im November vergangenen Jahres verhaftete man 8 Männer, die ein Gericht schließlich zu 3 Jahren Haft verurteilte. Grund hier war eine heimliche symbolische, auf Video aufgenommene, Schwulenhochzeit.

Eine Erklärung für das Handeln des Präsidenten liefert Dalia Abdel-Hamid von der Ägyptischen Initiative für Persönlichkeitsrechte (EIPR). Ihrer Ansicht nach wolle al-Sisi “islamischer als die Islamisten” sein. 2013 stürzte er den islamistischer Präsidenten Mursi und erklärte infolgedessen seine Anhänger zu Terroristen. Sein jetziges Handeln sei der Versuch, sich bei dem konservativen Volk ins rechte Licht zu rücken.

Laut einer Umfrage des “Pew Research Global Attitudes Project” glaubten 2013 ganze 95 % der ägyptischen Bevölkerung, Homosexualität sei gesellschaftlich nicht akzeptabel.

Positiv reagierte die ägyptische Jugend auf den diesjährigen Vorfall. Sie forderten die Unterlassung des öffentlichen Bloßstellens im TV und auf die Frage der Moderatorin, ob man solche Sexorte schließen sollte reagierten sie schlagfertig mit der Antwort, dass sie ihre Sendung doch schließen solle. Immerhin!!!


Hartes Los für Schwule und Lesben in Ägypten von afpdeutsch

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