2018 ist das “Jahr der Frau_en” im Schwulen Museum in Berlin!

Informationen über das "Jahr der Frau_en" im Schwulen Museum in Berlin...

© Key Visual „Jahr der Frau_en“ von Jessica Mester / Schwules Museum

2018 läutete das Schwule Museum in Berlin das „Jahr der Frau_en“ ein!

Im Rahmen dessen finden hier Ausstellungen oder Vorträge, kontroverse Debatten, Lesungen sowie Überraschendes wie Heilungsrituale und andere Aktionen statt. Dabei ist nicht nur der Inhalt feministisch, sondern auch die Form.

Eröffnet wurde das „Jahr der Frau_en“ mit der Filmreihe 12 MONDE, kuratiert von der Künstlerin Vera Hofmann. Die Reihe ist eine ganzjährig angelegte Intervention gegen die mangelnde Repräsentation weiblicher* Perspektiven – sowohl in audiovisuellen Medien und musealen Kontexten, als auch in Kultur und Gesellschaft allgemein. Sie entwirft Fragen nach der Darstellung und Konstruktion von Weiblichkeit_en und dem Potential eines anderen Blicks. Auf der Suche nach den Klassikern lesbischer und feministischer Filmhistorie, nach zeitgenössischen queeren Positionen und den Stimmen von Women* of Color sind alle eingeladen, Vorschläge zu machen, welche Geschichten gesehen und gehört werden sollen.
Das Filmprogramm wechselt zu jedem Neumond und läuft im regulären Museumsbetrieb in der dafür geschaffenen Filmlounge. Das Programm zum nächstem Mond ab dem 15. April wird sich mit dem Thema „Dykes & Economy“ beschäftigen.

Ab Frühling findet hier die Veranstaltungsreihe der KARTIERUNG DER FEMINISMEN
statt, die Besucher_innen das Jahr hindurch begleiten wird: Kuratiert von Carina Klugbauer, Vera Hofmann, Chris Izgin und Tjona Sommer will sie die historischen Kämpfe der feministischen und queeren Individuen und Bewegungen nachzeichnen und fragen, wo wir heute stehen. Sie richtet sich an feministisch Interessierte, Feminist_innen im Herzen und alle, die Lust haben, miteinander und nicht gegeneinander zu diskutieren. Die Teilnahme setzt keine akademische Vorbildung voraus. Die Termine und Themen werden zeitnah auf der Website und auf Facebook bekannt gegeben.

Im Sommer wird dann mit LESBISCHES SEHEN eine utopisch-melancholische Galerie entworfen, die dem lesbischen Begehren in künstlerischen Produktionen auf der Spur ist. Es soll erforscht werden, warum kaum „lesbische“ Sujets zu finden sind und was das eigentlich sein könnte. Ebenfalls geht es um die Frage, ob es nicht eigentlich sowieso irrelevant ist, mit wem eine lebt und wen sie liebt oder ob das Private nicht doch politisch ist und damit auch künstlerisch relevant? In diesem Projekt soll in einem regional und zeitlich begrenzten Feld auf Spurensuche – in der überaus vitalen Künstlerinnen*szene in beiden Berlins von der Nachkriegszeit bis heute – gegangen werden.
Kuratiert wird die Ausstellung von Birgit Bosold, Vera Hofmann, und Carina Klugbauer.

Der These, dass die Schwulenbewegung ohne die Frauen und Lesbenbewegung nicht möglich gewesen wäre, wird im Rahmen der laufenden Ausstellung Tapetenwechsel Rechnung getragen: Die Geschichte des Lesbischen Aktionszentrums LAZ, eine der wichtigsten lesbischen Aktionsgruppen der 1970er Jahre, wird erstmals mit einer Ausstellung gewürdigt.
Sie wird gemeinsam kuratiert von Akteurinnen des LAZ – Christiane Härdel, Regina Krause und Monika (Monne) Kühn – und Wolfgang Theis, einer der Gründungsmütter des Museums.

Im Herbst schließt eine Ausstellung über die FrauenLesbenTrans*Inter* BDSM Szene in Berlin an. Kuratiert von Birga Meyer und Luan Pertl werden Aspekte dieser Szene gezeigt, die in geschützten, sex-positiven Räumen über Jahre entstanden sind.
Die Ausstellung und ihr Rahmenprogramm will die Besucher*innen nicht nur mit vielleicht unbekannten Formen des Begehrens bekannt machen, sondern auch Wissen und Erfahrungen über dort gelebte Beziehungsformen, Konsens, Care und Community mit dem Publikum teilen.

Die Vorsitzende einer großen Hijra Organisation aus Delhi wandte sich 1984 mit einer Forderung an Indira Gandhi und Konstantin Tschernenko. Anlässlich des ersten Raumflugs eines indischen Kosmonauten als Mitglied einer sowjetischen Mission verlangten die vereinigten Hijras: “[to] give parity to the sexually under-privileged and socially neglected persons of the ‘Third Sex’ by sending at least one of this group in to space in future
ventures.“ (Hindustan Times, 04/10/1984). Dieser Bitte wurde nicht entsprochen, die Künstlerin und Medienwissenschaftlerin Claudia Reiche wird ihrem Projekt HIJRA FANSTASTIC ebenfalls im Herbst der Frage nachgehen, wie sich eine solche Aussendung hätte gestaltet haben könnte.

Den Übergang zum Winter schafft das queerfeministische Kollektiv Coven Berlin mit seiner Ausstellung EXTRA+TERRESTRIAL. Sie wird zeigen, wie sich queere urbane Communities
heute das alte Wissen weiser Frauen* und Hexen über Rituale und Magie zurückerobern und es mit neuen, internetbasierten Technologien verbinden, um wirksame Werkzeuge des Widerstands gegen das heteropatriarchale kapitalistische System zu schaffen.

Wolfgang Theis wird noch einmal in Tapetenwechsel mit einer Hommage an die Kulturaktivistin MAHIDE LEIN eines der Urgesteine der aktivistischen Berliner Frauen- und Lesbenbewegung ehren. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für Sexpositivismus, Generationendiversität, Multikulturalität und Menschenrechte ein.


Zusätzlich wandelt sich das Café im Schwulen Museum in Berlin ab dem 20. April in eine DYKE BAR. Dies soll nicht nur Symbol einer Liebeserklärung an diese Orte, die derzeit im Verschwinden begriffen sind, sein, sondern auch als kleiner Ausstellungsraum als OPEN PROJECT SPACE dienen.
Der Raum kann als Meetingraum, Lesezimmer, für kleine Ausstellungen, zum Co-Working und Diskutieren genutzt werden. Er soll ein symbolischer und realer Raum sein, um sich und anderen mit Offenheit zu begegnen.


“Wir begreifen unser Jahresprogramm als ein Experimentierfeld für Veränderung mit dem Ziel, eine zukunftsweisende, partizipative (Museums-)Praxis zu entwickeln. Das Schwule Museum ist als Museum „von unten“ ein maßgeblich von Aktivist_innen geleitetes und organisiertes Haus, das schon immer in enger Kommunikation mit seinen Besucher_innen und den von ihm repräsentierten Communities steht. Wir möchten diese Tradition in diesem Jahr noch transparenter gestalten, um gemeinsam nachhaltige Konzepte für ein (queer-)feministisches Miteinander zu entwickeln und langfristig in unserer Museumspraxis
zu verankern.”, lesen wir in der Pressemitteilung des Museums.

Mehr Informationen findet ihr auf der Website oder auf Facebook!

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